zur Navigation zum Inhalt
Foto: wikipedia
Knieprothese von der Seite.
 
Orthopädie 11. Jänner 2011

Bänder beeinflussen Implantatverschleiß

Ist ein Kreuzband verletzt, verändert sich der Bewegungsablauf im Knie und daher auch die Abnützung.

Wie lässt sich der Verschleiß von künstlichen Kniegelenken reduzieren? Dieser Frage ist Dr. Jan Philippe Kretzer, Leiter des Labors für Biomechanik und Implantatforschung der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, auf den Grund gegangen.

 

Mit Hilfe eines von ihm entwickelten Simulationsverfahrens hat der Heidelberger Orthopäde Kretzer gezeigt, dass der Implantatverschleiß von der Unversehrtheit der Kreuzbänder abhängt. Die neue Erkenntnis ist entscheidend, um länger haltbare Implantate zu fertigen oder geeignetere Gelenkmodelle für Patienten mit geschädigtem Bandapparat zu wählen.

Zwei Kreuzbänder stabilisieren die Bewegungen des Kniegelenks. Ist eines verletzt oder gerissen, verändert sich der Bewegungsablauf im Knie. Trotz der wichtigen Funktion der Kreuzbänder wurde ihr Einfluss auf den Verschleiß des Implantats noch kaum berücksichtigt. „Gängige Tests für künstliche Kniegelenke simulieren die Bewegungsabläufe mit intaktem Bandapparat, also zwei Kreuzbändern“, erklärt Kretzer. „Dabei wird bei einem Großteil der Patienten bei der Implantation das vordere Kreuzband entfernt.“

Kernstück seines neuen Testverfahrens ist ein mathematisches Computermodell, das den Einfluss des verbleibenden hinteren Kreuzbandes auf den Bewegungsablauf genau abbildet. Diese Daten fließen in den Bewegungssimulator ein, der die mehrjährige Belastung der Kunstgelenke im 24-Stunden-Betrieb realitätsgetreu nachahmt und dabei Abrieb und Verschleiß erfasst.

„Mit Hilfe dieser Modifikation des Belastungstests haben wir erstmals gezeigt, dass die Kreuzbänder den Implantatverschleiß deutlich beeinflussen. Fehlt eines, ist die Abnutzung im künstlichen Gelenk höher, als bisher angenommen“, so Kretzer. Für seine Forschungsarbeit1 hat ihn die International Society for Technology in Arthroplasty bei ihrem Jahrestreffen in Dubai im Oktober 2010 mit einem dotierten Posterpreis ausgezeichnet.

In weiteren Studien untersuchen die Heidelberger Wissenschaftler nun, was sich im künstlichen Knie von Patienten tut, denen beide Kreuzbänder fehlen oder welche Implantat-Modelle sich am besten in diesen Fällen eignen.

 

1 Kretzer, J. P. et al.: Effect of joint laxity on polyethylene wear in total knee replacement. Journal of Biomechanics Journal of Biomechanics 2010; 43(6) : 1092-1096; doi:10.1016/j.jbiomech.2009.12.016

 

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben