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Allgemeinmedizin 19. Oktober 2010

Mehr Suizide von Konfessionslosen

Am wenigsten selbstmordgefährdet sind Katholiken. Selbsttötungen sind unter Konfessionslosen häufiger als unter Protestanten.

Religionszugehörigkeit schützt vor Suizid: Das Risiko, eine Selbsttötung zu begehen, ist unter Schweizer Katholiken geringer als bei Protestanten oder Konfessionslosen. Das zeigt eine Schweizer Kohortenstudie der Universitätsinstitute für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) in Bern und Zürich. Die Studie basiert auf der Volkszählung 2000, bei welcher Daten von über drei Millionen Bewohnerinnen und Bewohnern der Schweiz im Alter von 35 bis 94 Jahren ausgewertet werden konnten: Bei Personen ohne Religionszugehörigkeit wurden auf 100.000 Einwohner 39 Selbsttötungen registriert, bei Protestanten 29. Unter Katholiken wurden 20 Suizide festgestellt. Die Autoren der Studie bezeichnen Religion als „wichtige soziale Kraft“. Der katholische Glaube verurteilt sowohl die Selbsttötung als auch den assistierten Suizid, der in der Schweiz unter bestimmten Bedingungen legal ist. Der protektive Effekt unter den Katholiken – aber auch das höhere Suizidrisiko unter den Konfessionslosen – war umso ausgeprägter, je älter die Personen waren. Bei den assistierten Suiziden war der Zusammenhang mit Religion noch deutlicher: mit weniger assistierten Suiziden bei den Katholiken und mehr unter den Konfessionslosen, vor allem in der älteren Bevölkerung. „Gerade bei Personen, die sich nicht zu einer Religion bekennen, scheint der assistierte Suizid eine Möglichkeit zu sein, im Alter das Leben selbstbestimmt zu beenden“, meint Studienautor Prof. Dr. Matthias Egger (ISPM Bern).

Quelle: Spoerri, A. et al.: International Journal of Epidemiology 2010; doi:10.1093/ije/dyq141

Uni Bern/PH, Ärzte Woche 42 /2010

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