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Dermatologie 6. Oktober 2010

Spleißen bei Epidermolysis bullosa

Am Salzburger EB-Haus Austria ist es gelungen, betroffene Hautzellen in vitro und in vivo zu reparieren.

Neue Forschungsergebnisse aus dem EB-Haus Austria an der Universitätsklinik für Dermatologie in Salzburg legen den Grundstein für eine kurative Gentherapie für Epidermolysis bullosa (EB). Die vererbte Hautkrankheit ist bislang unheilbar. Nun ist es weltweit erstmalig gelungen, die Hautzellen von Betroffenen („Schmetterlingskinder“) im Reagenzglas und am Versuchstier mittels der Genschere zu „heilen“.

 

Ursache von Epidermolysis bullosa (EB) sind Defekte in einem der EB-Gene, von welchen Proteine erzeugt werden, die für den Zusammenhalt von Oberhaut und Unterhaut verantwortlich sind. Fehlt so ein Protein oder funktioniert es nicht richtig, ist die Verankerung nicht vollständig und es kommt bei geringer mechanischer Einwirkung zur Blasenbildung verbunden mit starken Schmerzen.

2006 konnte Dr. Michele De Luca, Professor für Biochemie an der Università degli Studi di Modena e Reggio Emilia (Italien), zeigen, dass Gentherapie an der Haut erfolgreich sein kann. Allerdings ist seine Methode nur für bestimmte Formen von EB anwendbar. Daher bediente sich Dr. Eva Murauer unter der Leitung von Prof. Dr. Johann Bauer der „Genschere“ (Trans-splicing), welche gegenüber konventionellen Methoden den Vorteil aufweist, dass sie bei allen EB-Formen anwendbar ist und ganz besonders gut für die schwerste Form der EB, der dystrophen EB, einsetzbar ist.

Prof. Dr. Johann Bauer erklärt: „Wir haben nun im Labor des EB-Hauses diese Methode für die dystrophe Form der EB soweit entwickelt, dass Hautzellen von EB-Patienten am lebenden Versuchstier damit vollständig repariert werden können.“ Diese Arbeit wurde im Journal of Investigative Dermatology unter dem Titel „Functional correction of type VII collagen expression in dystrophic epidermolysis bullosa“ veröffentlicht.

Dystrophe Epidermolysis bullosa (EB) wird durch einen Defekt im Kollagen-7-Gen hervorgerufen. Bisherige Gentherapie-Ansätze, bei denen versucht wurde, das gesamte gesunde Kollagen-7-Gen in Hautzellen zu schleusen, um das defekte Gen zu kompensieren, sind durch die Instabilität des Konstruktes zur Anwendung am Menschen derzeit nicht geeignet. Prof. Bauer veranschaulicht die neue Methode so: „Wir umgehen dieses Problem mit der trans-splicing Methode, bei der das von uns individuell hergestellte Reparaturmolekül nur einen Teilabschnitt des Kollagen-7-Gens trägt. Dieses wird in die Hautzellen von EB-Patienten eingeschleust, um gezielt den fehlerhaften Abschnitt des Kollagen-7-Gens in der Zelle zu ersetzen. Dadurch kann von dem korrigierten Gen wieder ein intaktes Kollagen-7-Protein erzeugt und somit der Zusammenhalt der Hautschichten wiederhergestellt werden.“ Der Vorgang funktionierte sowohl in vitro als auch in vivo.

Basierend auf diesen Ergebnissen kann eine Ex-vivo-Gentherapie für EB-Betroffene entwickelt werden. Dabei werden körpereigene Hautzellen im Labor vermehrt und mit dem Reparatur-Baustein versehen. Die behandelten Zellen lässt man zu einer hauchdünnen Hautschicht wachsen, welche als Transplantat auf wunde Hautareale verpflanzt wird. Die transplantierten Zellen sollten sich in der natürlichen Umgebung der Haut zu normalen Hautzellen weiterentwickeln und das bis dato fehlende Protein wieder herstellen. Dadurch kommt es zur Schließung der Wunde und die „neue“ Haut hat die Festigkeit gesunder Haut. Diese Therapie wird im EB-Haus Austria im Rahmen des EU Interreg IV Projektes „Therapie für Schmetterlingskinder“ zusammen mit Partnern aus Südtirol und De Luca zu einer klinischen Anwendung an EB-Betroffenen geführt.

Quellen:

Murauer, E. M. et al.: Journal of Investigative Dermatology 2010; doi: 10.1038/jid.2010.249

Murauer, E. M. et al.: Abstract ESDR 2010 Sept., Helsinki, Finland

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