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Foto: CDC/ Richard R. Facklam, Ph.D.
Streptococcus pyogenes in der Petrischale.
Foto: Privat

Prof. Dr. Jörg C. Prinz Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München

 
Dermatologie 22. September 2010

Bakterien verursachen Psoriasis

Gegen Streptokokken aktivierte T-Zellen wenden ihr Potenzial im Krankheitsfall auch gegen Hautzellen.

Eine aktuelle wissenschaftliche Studie hat jetzt nachgewiesen, wie Psoriasis vulgaris durch eine Infektion mit Streptokokken ausgelöst werden kann.

 

Bei der Psoriasis handelt es sich um eine chronische Entzündung der Haut. Dadurch werden übermäßig viele Hautzellen abgestoßen, und es entstehen großflächige Plaques auf dem Körper. „Grundlage dieser Abstoßung ist eine Reaktion des Immunsystems gegen körpereigene Zellen“, erklärte Koautor Prof. Dr. Jörg C. Prinz vom Bayerischen Psoriasiszentrum an der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München anlässlich der 22. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie 2010 in München. „Besonders die bei der Bekämpfung von Eindringlingen wichtigen T-Abwehrzellen stehen im Fokus der Reaktion.“ Sie reagieren auf Oberflächenstrukturen (Antigene) von Hautzellen, die denen von Streptokokken ähnlich sind.

Neue Untersuchungen konnten zeigen, dass vor allem die körpereigenen Eiweißbausteine mit den Bezeichnungen Keratin 6, Ezrin und Maspin sowie Peroxiredoxin 2 und Heat-Shock-Protein 27 Angriffspunkte für die aktivierten T-Zellen darstellen.

Die gegen Streptokokken aktivierten T-Zellen wenden ihr zerstörerisches Potenzial im Krankheitsfall also auch gegen die Hautzellen an, weil sie dort ähnliche Strukturen vorfinden wie auf den Bakterien. „Sie reagieren daher gegen diese Hautzellen wie in einer Abwehrreaktion gegen Bakterien. Folge hiervon ist die Einleitung von antibakteriellen Abwehrmechanismen, die unter anderem zu einer verstärkten Wachstumsrate der Keratinozyten führt und damit die starke Schuppung der Psoriasis auslöst“, sagte der Dermatologe.

Neue Medikamente geben Anlass zur Hoffnung. So wurden vergangenes Jahr neue therapeutische Antikörper gegen die Interleukine 12 und 23 zugelassen sowie ein weiterer gegen den Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNF alpha). Prof. Jörg C. Prinz kommentiert: „Damit sind grundsätzlich kausale Behandlungsansätze verfügbar. Diese Substanzen spielen nämlich eine wichtige Rolle bei der Auslösung von Entzündungs- und Immunreaktionen. Werden die Stoffe neutralisiert, kann man die Symptome einer Psoriasis vollständig unterdrücken.“

Quelle: P. Besgen et al.: Ezrin, Maspin, Peroxiredoxin 2, and Heat Shock Protein 27: Potential Targets of a Streptococcal-Induced Autoimmune Response in Psoriasis. The Journal of Immunology 2010; 184: 5392–402; doi:10.4049/jimmunol.0903520.

fortbildungswoche.de/PH, Ärzte Woche 38 /2010

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