zur Navigation zum Inhalt
Foto: wikipedia.de / Nephron
Zu den häufigsten Ursachen der Leberzirrhose zählt der langjährige Alkoholmissbrauch.
 
Hepatologie 17. August 2010

TIPS bei Leberzirrhose

Studie: Der transjuguläre intrahepatische portosystemische Shunt sollte früher gelegt werden, um Komplikationen zu verhindern.

Die Leberzirrhose ist derzeit nicht durch Medikamente heilbar, doch mittels Stent in der Leber und Antibiotikum können Patienten vor schweren Komplikationen wie inneren Blutungen und Gehirnschäden geschützt werden. Das haben zwei neue Studien gezeigt, deren Ergebnisse auf dem Kongress Viszeralmedizin 2010 vom 15. bis 18. September 2010 in Stuttgart vorgestellt werden.

Jede Form von chronischer Lebererkrankung zerstört die Leberzellen, die der Körper durch Narbengewebe ersetzt. Das behindert den Blutfluss durch die Leber. Der Körper leitet das Blut an der Leber vorbei. Eine Umgehung erfolgt über Venen in der unteren Speiseröhre. Hier bilden sich Ösophagusvarizen, die platzen können. Diese Blutungen sind eine häufige Todesursache bei der Leberzirrhose.

Ein Ausweg besteht darin, einen künstlichen Tunnel durch die Leber anzulegen. Das Verfahren wird TIPS („transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt“) genannt. Eine offene Operation ist dafür nicht erforderlich. Mit Hilfe eines Gefäßkatheters wird in der Leber eine künstliche Verbindung zwischen Pfortader und Lebervene geschaffen. Ein Stent hält die Verbindung offen, durch die das Blut fließen kann.

Wurde TIPS früher nur im Notfall durchgeführt, wenn eine Ösophagusvarizenblutung anders nicht zu stoppen war, so wurde jetzt in einer Studie (García-Pagán, J. C. et al.: N Engl J Med 2010; 362 [25]: 2370–9), die in Leipzig und acht weiteren europäischen Zentren durchgeführt worden war, gezeigt, dass TIPS viel früher angewandt werden sollte. „Ein günstiger Zeitpunkt scheint nach einer ersten erfolgreichen Blutstillung zu sein“, erläutert Professor Dr. Christian Trautwein, Direktor der Medizinischen Klinik III, Gastroenterologie und Stoffwechselkrankheiten in Aachen. Wurden die Patienten zeitnah mit einem TIPS versorgt, verbesserte dies ihre mittelfristigen Überlebenschancen deutlich. Die Patienten mussten in der Folge auch seltener in der Klinik behandelt werden.

Ammoniak bildende Bakterien

TIPS beseitigt aber nicht alle Folgen der Leberzirrhose wie die verminderte Entgiftung. Zu den bedeutendsten Giften gehört Ammoniak, das von Darmbakterien gebildet und über die Schleimhaut ins Blut aufgenommen wird. Seit längerem wird versucht, die Beschwerden durch Zurückdrängen der Bakterien zu lindern. Dies ist anfangs durch die Einnahme von Lactulose, einem künstlichen Zucker, möglich. Doch viele Patienten vertragen Lactulose nicht. Eine Alternative ist die Behandlung mit dem Antibiotikum Rifaximin. In einer aktuellen klinischen Studie (Bass, N. M. et al.: N Engl J Med 2010; 362 [12]: 1071–81) hat es ein erneutes Auftreten der hepatischen Enzephalopathie verhindert.

„Ein Fortschreiten der Lebererkrankung können weder TIPS noch Rifaximin verhindern. Für die Patienten bedeuten die beiden Therapien jedoch eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität“, betont Trautwein.

  • Herr Helmuth Brockmann, 04.03.2015 um 21:56:

    „Hatte in der lezten Dekade 2014 3mal Oesophagusvarizenblutungen. Es ist geplant eine TIPS bei mir vorzunehmen. Der Beitrag hat mir sehr dabei geholfen,mein Krankheitsbild besser zu verstehen. Es waere mir eine grosse Hilfe wenn sie mir zu diesem Thema zusaetzliches Ifo-Material uebersenden
    koennten. Meine Adresse:
    Helmuth Brockmann
    Vitus-Bering Str.21
    Rostock
    18106

    Mit frdl. Gruss
    H.Brockmann“

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben