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Bildung wurde als unabhängiger Risikofaktor für Neurodermitis identifiziert.
 
Dermatologie 1. Juni 2010

Schlaue Mami als Risikofaktor

Atopische Dermatitis wird bei Kindern von gebildeten Eltern häufiger festgestellt als in der Normalbevölkerung.

Am Zentrum für Public Health der MedUni Wien wurde ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Neurodermitis und dem Bildungsniveau der Eltern nachgewiesen.

Im Zeitraum von 1995 bis 1997 beziehungsweise 2001 bis 2003 untersuchte Prof. Dr. Gerald Haidinger, Zentrum für Public Health der MedUni Wien, in einer Querschnittstudie mehr als 23.000 oberösterreichische Schulkinder.1 Die Untersuchung wurde im Rahmen der ISAAC-Studie „Asthma and Allergies in Childhood“ (International Study of Asthma and Allergies in Childhood) durchgeführt. Dies war eine weltweite Studie zur Untersuchung von Asthma, Rhinitis und Ekzembildung bei Kindern. Ziel der Studie war festzustellen, ob und wie stark diese Erkrankungen zunehmen. Die Studie wurde in rund 100 Ländern durchgeführt. Das Team um Haidinger stellte einen Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau der Eltern und dem Auftreten von atopischen Ekzemen fest, und zwar unabhängig vom Auftreten der Erkrankung bei den Eltern. Im Verhältnis der beiden Studiendurchgänge zueinander wurde eine Steigerungsrate der Erkrankungen um mehr als zehn Prozent beobachtet. Unabhängig davon konnte gleichzeitig eine ähnliche Steigerung beim Bildungsniveau der Eltern festgestellt werden, wobei hier vor allem die Mütter eine entscheidende Rolle spielen. Mit der statistisch signifikanten Odds Ratio zwischen 1.13 und 1.37 scheint die elterliche Bildung einen unabhängigen Risikofaktor für Neurodermitis darzustellen. Um diese Hypothese belegen zu können, sind jedoch weitere Studien, die sich mit dieser speziellen Thematik befassen, notwendig.

Aufmerksamkeit und Hygiene

Zum einen könnte ein höheres Bildungsniveau auch eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Symptomen bei den Kindern nach sich ziehen und somit die Erkennungsrate positiv beeinflussen. Zum anderen könnte ein übertriebenes Hygieneverhalten in einer keimarmen Umgebung zu einer Änderung des Immunsystems und damit zu entsprechenden dermatologischen Reaktionen führen. „Zusammenfassend ist zu sagen, dass wir die elterliche Bildung als unabhängigen Risikofaktor für Neurodermitis gefunden haben. Da es aber unmöglich ist, aus Querschnittstudien ‚Beweise‘ für solche Zusammenhänge zu bestätigen, müssen wir darauf warten, dass weitere Studien diesen Zusammenhang finden oder widerlegen“, erklärt Haidinger, der als nationaler Koordinator der internationalen ISAAC-Studie2 fungiert.

Für den Herbst ist eine Wiederholung der Totalerhebung in sechs Bezirken der Steiermark geplant, die im Jahr 2006 an rund 10.000 sechs- bis siebenjährigen Kindern durchgeführt wurde. In diesen Bezirken werden die Eltern aller Kinder in den ersten und zweiten Volksschulklassen über Risikofaktoren für atopische Erkrankungen und das Auftreten dieser Erkrankungen bei ihren Kindern befragt.

 

 

1 Weber, A. S., Haidinger, G.: Pediatr Allergy Immunol 2010; doi: 10.1111/j.1399-3038.2010.01030.x

MedUni Wien/PH, Ärzte Woche 22 /2010

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