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Foto: Marianne Moore
Myotis lucifugus mit White-Nose-Syndrom, aufgenommen 2009 in Chester Mine/Massachusetts.
 
Infektiologie 11. Mai 2010

Fledermäuse unter Verdacht

Fledermäuse vertilgen während ihrer nächtlichen Ausflüge nicht nur Insekten, bestäuben Pflanzen und verbreiten Samen, sondern sie stehen nun auch im Verdacht, Virus-Erkrankungen zu verbreiten.

Die Problematik der Tollwutübertragung ist bereits seit längerem für Blut saugende Vampirfledermäuse in Lateinamerika bekannt. Auch einige europäische insektenfressende Fledermäuse stehen im Verdacht, Tollwut übertragen zu können. Mit ihrer Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren können sie Krankheitserreger lange anhäufen. Außerdem sind Fledermäuse sehr sozial: Manche Arten füttern sich gegenseitig, andere hängen in riesigen Kolonien dicht an dicht in Höhlen. Manche Arten sind sehr mobil und können ähnlich wie Zugvögel hunderte von Kilometern zurücklegen und damit Krankheitserreger potenziell über große Distanzen verteilen. Und schließlich ist ihr Immunsystem dem des Menschen ähnlicher als das von Vögeln, so dass fledermausspezifische Krankheitserreger leichter auf den Menschen wechseln können. Dies macht sie zu idealen Krankheitsüberträgern. „Obwohl Fledermäuse potenziell Krankheiten verbreiten, hätten wir weitaus größere Probleme, wenn Fledermäuse aus unserer Umwelt verschwinden würden“, ist der Biologe Dr. Christian Voigt, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, überzeugt, denn für viele Ökosysteme spielen sie eine wichtige Rolle.

Quelle: Wibbelt, G. et al: Biology Letters 2010; doi: 10.1098/rsbl.2010.0267

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