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Urologie 11. Mai 2010

23-mal höheres Risiko bei drei erkrankten Brüdern

In der – nach Angaben des Deutschen Krebsforums – größten Studie, die je zum familiären Prostatakarzinom durchgeführt wurde, errechneten Forscher das individuelle Risiko.

Das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, steigt mit der Anzahl direkter Verwandter, die von der Krankheit betroffen sind.

 

Die Untersuchung umfasste 26.651 Prostatakrebspatienten, 5.623 von ihnen stammten aus Familien, in denen die Erkrankung bereits aufgetreten war.

Je mehr direkte Angehörige, also Brüder und Väter eines Mannes, betroffen sind, desto höher ist sein persönliches Risiko, ebenfalls an Prostatakrebs zu erkranken. So errechneten die Forscher, dass Männer bis zu 65 Jahren mit drei betroffenen Brüdern ein gegenüber der Kontrollgruppe (Männer ohne betroffene Angehörige) ein 23-mal höheres Erkrankungsrisiko haben.

Männer zwischen 65 und 74 Jahren dagegen, bei denen nur der Vater betroffen ist bzw. war, haben ein 1,8-fach erhöhtes Risiko und damit innerhalb der Gruppe der familiären Krebsfälle die geringste Risikosteigerung. Als generelle Tendenz erkannten die Forscher, dass das persönliche Risiko umso höher ausfällt, je jünger die Angehörigen bei der Diagnose Prostatakrebs waren.

Die Ergebnisse, wird kritisiert, seien dadurch verfälscht, dass Angehörige von Betroffenen alarmiert sind und daher besonders häufig an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen. Dadurch komme es bei ihnen auch öfter zu Überdiagnosen, da auch solche Tumoren entdeckt würden, die zeitlebens nie Symptome bereitet hätten. Um diesen Vorwurf zu entkräften, untersuchten die Forscher auch die Sterblichkeit an Prostatakrebs in Bezug auf die Anzahl betroffener Verwandter. Heraus kam die gleiche Risikoverteilung wie bei den Neuerkrankungen.

„Unsere Ergebnisse geben den Ärzten gute Anhaltspunkte: Hat ein Mann mehrere betroffene Angehörige, die womöglich sogar in jungen Jahren erkrankt sind, ist sein persönliches Risiko erheblich erhöht. In einem solchen Fall sollte der Hausarzt zu einer Früherkennungsuntersuchung raten“, empfiehlt der Studienleiter Prof. Dr. Kari Hemminki, Abteilung Molekulargenetische Epidemiologie des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg.

Die Studie beruht auf den Daten des schwedischen nationalen Familien-Krebsregisters. Darin sind 11,8 Millionen Personen erfasst und jeder der über eine Million Krebsfälle des Landes, die zwischen 1958 und 2006 aufgetreten sind. Da das Krebsregister mit einem Mehrgenerationenregister verknüpft ist, können auch Krebsfälle unter den Eltern und Geschwistern der Patienten nachverfolgt werden.

Die Studie kann im Volltext nachgelesen werden unter www.europeanurology.com/article/S0302-2838%2810%2900111-9/fulltext.

Risiko bei erkrankten Vätern und Brüdern
Betroffene Verwandte Alter zum Zeitpunkt der Diagnose n HRa 95% CI
Vater und Bruder 0–59 J. 160 7.63 6.53–8.92
60–64 J. 138 5.16 4.36–6.10
65–74 J. 104 4.12 3.40–5.00
Zwei
Brüder
0–59 J. 67 8.79 6.92–11.18
60–64 J. 54 6.60 5.06–8.63
65–74 J. 23 7.90 5.25–11.90
Vater und zwei Brüder 0–59 J. 21 10.86 7.08–16.66
60–64 J. 13 7.79 4.52–13.42
65–74 J. 2 3.16b 0.79–12.64
Drei Brüder 0–59 J. 23 24.35 16.18–36.64
60–64 J. 4 6.89 2.59–18.37
65–74 J. 1
CI = confidence interval; HR = hazard ratio.
a Die Hazard Ratio beträgt p <0,0001, wenn nicht anders gekennzeichnet
b p = 0,1 Quelle: Brandt A, et al.: Eur Urol 2010; doi:10.1016/j.eururo.2010.02.002
Wahrscheinlichkeit der Prostatadiagnose für Männer mit mehreren erkrankten erstgradigen Verwandten, aufgeschlüsselt nach dem zum Zeitpunkt der Diagnose jüngsten Betroffenen.

 

Quelle: Brandt A, et al.: Age-Specific Risk of Incident Prostate Cancer and Risk of Death from Prostate Cancer Defined by the Number of Affected Family Members. Eur Urol 2010; doi:10.1016/j.eururo.2010.02.002

 

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