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Kardiologie 23. Februar 2010

Kardio-Risiko aus Kunststoff

Studie bestätigt: Bisphenol A, ein sehr häufiger Plastik-Bestandteil, macht krank.

Erneut wurden Hinweise dafür gefunden, dass Bisphenol A zu kardiovaskulären Erkrankungen führen kann. Ein britisches Forscherteam hat für die Untersuchung Daten der NHANES1-Populationsstudie analysiert.

 

Das sei bereits die zweite Studie, die zum Ergebnis kommt, dass Bisphenol A (BPA) zu Herzerkrankungen führen kann, erklärte Studienleiter Prof. Dr. David Melzer, Peninsula Medical School der Universität von Exeter: „Dass eine höhere BPA-Konzentration bei Erwachsenen zu Herzerkrankungen führen kann, zeigte unsere erste Studie aus dem Jahr 2008.“ Assoziationen mit einigen Leberenzymen gebe es zudem auch noch.

„Interessanterweise waren die BPA-Werte im Urin 2006 um ein Drittel niedriger als 2003/2004“, erklärt Melzer. Denkbar wäre, dass Kunststoffhersteller bei Lebensmittelverpackungen auf die Substanz verzichtet haben oder sie ersetzt haben. Jedenfalls war ein Ergebnis der Studie, dass Personen mit höheren BPA-Konzentrationen im Urin signifikant häufiger unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leiden hatten als Personen mit geringen Konzentrationen. Tendenziell galt die Assoziation auch für Diabetes sowie erhöhte Leberenzymwerte, doch war dies statistisch nicht signifikant, außer in gepoolten Daten.

„Weitere Studien sind erforderlich“, so Melzer. „Wir müssen genauer herausfinden, wo die Gesundheitsrisiken tatsächlich liegen“, meint Koautorin Prof. Tamara Galloway, Ökotoxikologin an der Universität von Exeter.

In 90 Prozent der Weltbevölkerung

Bisphenol A ist eine synthetisch hergestellte chemische Verbindung, die östrogenartige Wirkung auf Lebewesen hat. Seit Jahren steht die Substanz in Verdacht, gesundheits- und erbgutschädigend zu sein, wie Untersuchungen des US National Toxicology Program ergeben haben. Aktuellen amerikanischen Untersuchungen zufolge könnte auch die zivilisatorische Fettleibigkeit darin eine ihrer Ursachen haben.

Von der Chemikalie, die in verschiedenen Plastikprodukten enthalten ist, werden jährlich weltweit rund drei Millionen Tonnen hergestellt. In mehr als 90 Prozent der Weltbevölkerung kann die Substanz im Körper nachgewiesen werden. Zuletzt gab es heftige Kontroversen über BPA in Babyschnullern und Trinkflaschen

 

 

1 National Health and Nutrition Examination Surveys

 

Quelle: Melzer, D. et al.: PLoS ONE 2010; 5(1): e8673. doi: 10.1371/journal.pone.0008673

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