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© Alexander Raths / iStock / Thinkstock.com
 
Impfen 4. Dezember 2013

Ältere Menschen brauchen besseren Impfschutz schon ab 50

Höhere Infektanfälligkeit, schwerere Krankheitsverläufe und gehäuft auftretende Komplikationen – ältere Menschen sollten gegen FSME, Influenza und Pneumokokken sowie gegen Herpes Zoster geimpft sein.

Die Impfmoral ist in Österreich bekanntlich schlecht. Optimistisch geschätzt sind durchschnittlich annähernd zehn Prozent der Bevölkerung gegen Influenza geimpft, hunderttausende erkranken jährlich schwer. Wenig besser ist es um andere Schutzimpfungen – mit Ausnahme von FSME – bestellt. Dabei brauchen gerade ältere Menschen besonderen Schutz.

Dass Menschen im höheren Lebensalter für Krankheiten und die damit verbundenen Komplikationen nicht nur anfälliger sind, sondern auch länger für die Genesung brauchen, ist kein Geheimnis. Ihre Immunantwort fällt schwächer aus, vorhandene Grundkrankheiten können Krankheitsverläufe noch zusätzlich aggravieren. Durch die Einstufung als Hochrisikokollektiv sind zum Glück die meisten Bewohner von Alten- und Pflegeheimen gegen Influenza und Pneumokokken geimpft.

Die Abnahme der Immunkompetenz beginnt allerdings weit früher, als man gemeinhin glauben möchte: „Das Immunsystem ist ab fünfzig nicht mehr so fit“ gab Prof. Dr. Wolfgang Popp vom Geriatriezentrum am Wienerwald zu bedenken. Eine Influenza-Infektion sei oft wegbereitend für bakterielle Folgeerkrankungen, vor allem Pneumonien. Kommt es im schlimmsten Fall beispielsweise zu einer hämorrhagischen Pneumonie, so ist eine Restitutio ad integrum nicht mehr zu erzielen. In der Zeit von Grippewellen – meist zwischen Dezember und April – steigen so die Zahlen der Spitalsaufenthalte und letztlich auch die Sterblichkeitsraten. Betroffen davon sind natürlich vornehmlich ältere Menschen.

Gegen resistente Pneumokokken hilft nur die Impfung

Die Bedeutung der Pneumokokken-Impfung stellte Popp auch deshalb so sehr in den Vordergrund, weil in Sachen Pneumonie die kurative Medizin gegenüber der Prophylaxe deutlich ins Hintertreffen geraten ist. Gerade gegen die in den letzten Jahren vermehrt nachzuweisenden Penicillin-resistenten Pneumokokkenstämme ist ein Impfschutz besonders wichtig.

Die Influenza-Impfung muss bekanntlich jährlich aufgefrischt werden, da ihr Schutz nicht lange anhält und die Zusammensetzung an die jeweils zu erwartenden Virenstämme angepasst wird. Im Gegensatz dazu ist die Pneumokokken-Impfung extrem lang wirksam. Laut österreichischem Impfplan sollen Personen bei erstmaliger Impfung den 13-valenten konjugierten Impfstoff und ein Jahr danach den 23-valenten Polysaccharidimpfstoff erhalten, um möglichst alle Stämme abzuwehren.

Impfen schützt das Individuum wie auch das Kollektiv

Neben der Risikogruppe selbst ist aber auch die Immunisierung von Personen, die in Gesundheitseinrichtungen arbeiten, ein wichtiger Faktor zur wirksamen Prophylaxe. Prof. Dr. Wolfgang Szekeres, Präsident der Wiener Ärztekammer, betonte, dass neben dem Selbstschutz für das Personal vor allem dessen Rolle als mögliche Infektionsüberträger für immungeschwächte Patienten Grund für eine möglichst hohe Durchimpfung sein sollte.

Lebenslanger Impfschutz ist eine Illusion

Mit dem schwächer werdenden Immunsystem im Alter werden vor allem niedergelassene Ärzte vor die Herausforderung gestellt, den Impfschutz ihrer älteren Patienten kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls wieder herzustellen. Dr. Rudolf Schmitzberger, seines Zeichens Impfreferent der Wiener Ärztekammer, warnt: „Das Immunsystem wird vergesslich. So ist es bei praktisch allen Patienten über fünfzig notwendig, die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Pertussis aufzufrischen. Und das Intervall für FSME-Impfungen muss ab sechzig auf drei Jahre reduziert werden. Eine Titerbestimmung ist hier wenig zielführend. Prognosen über die Restwirkdauer sind praktisch unmöglich, weil die Antikörper nicht wie bei jungen Menschen linear abnehmen, sondern eher plötzlich verschwinden.“

Aktive Beratung der Patienten notwendig

Als unumstritten unter Experten gilt, dass Schutzimpfungen die wichtigsten und wirksamsten Präventivmaßnahmen in der Medizin darstellen und eine Verbesserung der Situation nur durch Beratung und Information seitens der Ärzte erzielt werden kann. So sollten Impfstatus und Impfpass der PatientInnen regelmäßig überprüft werden und entsprechende Aufklärungsarbeit geleistet werden, da Fehlinformationen weit verbreitet sind und Verunsicherung herrscht.

Quelle: Pressekonferenz „Impfen über 50 – die eigene Gesundheit aktiv schützen“ – 19. November 2013 , Wien

Impfungen Generation 50 plus

Laut Österreichischem Impfplan sind folgende Impfungen für Personen über 50 Jahre empfohlen:

• Tetanus (TET)

• Diphtherie (dip)

• Polio (IPV für Injizierbares Polio Virus)

• Pertussis (PEA für Pertussis azellulär)

• FSME (zumindest in Endemiegebieten)

• Herpes Zoster

• Influenza (FLU) und Pneumokokken (PNC)

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