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Auch bei Kindern kann eine Influenza letal verlaufen. Wie erkennt man, wer besonders gefährdet ist?
 
Kinder- und Jugendheilkunde 2. September 2013

Schlechte Prognose früh erkennen

Sechs Alarmsignale bei Kindern mit Influenza-Symptomen.

Anhand der H1N1-Pandemie von 2009 haben Pädiater Warnsignale identifiziert, die bei Kindern mit Influenza-Symptomatik lebensbedrohliche Komplikationen erwarten lassen.

Während der Influenza-A-H1N1-Pandemie im Jahr 2009 waren Notfallambulanzen und Praxen einem plötzlichen Ansturm von Kindern mit grippeartigen Symptomen ausgesetzt. Was damals weitgehend fehlte, waren eindeutige Kriterien, bei welchen der kleinen Patienten mit lebensbedrohlichen Verläufen zu rechnen ist. Das haben Ärzte des Pediatric Emergency Research Network nun nachgeholt (Dalziel, S. R. et al. Predictors of severe H1N1 infection in children presenting within Pediatric Emergency Research Networks (PERN): retrospective case-control study BMJ 2013; online 12 August 2013). Retrospektiv haben sie die Krankenakten von 265 unter 16 Jahren alten Kindern mit schweren Komplikationen ausgewertet. Die Kinder waren während der Pandemie mit influenzatypischer Symptomatik – Temperatur = 37,8 °C und Husten oder Halsschmerzen – in eine pädiatrische Notfallambulanz eingeliefert worden und dann infolge der (im Labor bestätigten) Influenzainfektion gestorben oder zu Beatmung und/oder vasopressorischer/inotroper Behandlung auf eine Intensivstation verlegt worden. Jeder dieser „Fälle“ wurde verglichen mit zwei Kindern, die mit Grippesymptomen in derselben Notfallambulanz versorgt worden waren, deren Erkrankung aber einen leichteren Verlauf genommen hatte.

Unabhängige Prädiktoren für eine schwere Erkrankung

Die Kinder mit schwerem Verlauf, mit 57 Prozent mehr Buben als Mädchen, waren im Mittel 6,6 Jahre alt. Sie wirkten bereits bei der Ankunft in der Ambulanz stärker beeinträchtigt als die Vergleichsgruppe. Sie waren jedoch insgesamt nicht länger erkrankt und hatten auch keine höhere Körpertemperatur. In beiden Gruppen litten 90 Prozent der Kinder an Husten, nur von Halsschmerzen waren mehr Kontrollkinder betroffen. Zwei anamnestische Faktoren und vier Untersuchungsbefunde erwiesen sich in einer multivariaten Analyse als unabhängige Prädiktoren für eine schwere Erkrankung:

• Chronische Lungenerkrankung

• Zerebralparese/Entwicklungsverzögerung

• Sauerstoffbedarf oder erniedrigte Sauerstoffsättigung

• Tachykardie

• Thoraxeinziehungen

• Zeichen der Dehydratation

Für 27 schwer erkrankte Kinder (10 Prozent) endete die Infektion tödlich. Von den sechs Parametern waren aber nur Zerebralparesen/Entwicklungsverzögerungen mit einer erhöhten Mortalität assoziiert.

In der Studie wurden außerdem die Akten von 56 weiteren Kindern ausgewertet, bei denen eine H1N1-Infektion mit intensivmedizinischem Behandlungsbedarf oder Todesfolge besonders tückisch verlaufen war: Bei der Ankunft in der Notfallaufnahme hatten diese Kinder nicht die klassischen Influenzasymptome aufgewiesen. Sieben von ihnen (13Prozent) starben an der Infektion. Im Vergleich zu den schwer kranken Patienten mit typischer Symptomatik hatte bei ihnen häufiger eine Immunsuppression oder eine Krebserkrankung bestanden, andere Unterschiede wurden nicht festgestellt.

Die Studienautoren um Dr. Stuart Dalziel von der Universitätsklinik in Auckland gehen davon aus, dass die von ihnen identifizierten sechs Risikofaktoren „aussagekräftig und verallgemeinerbar“ sind. „Bei Kindern mit influenzatypischen Symptomen während einer Pandemie können diese Risikofaktoren ein Warnsignal für eine schlechte Prognose sein.“

springermedizin.de/bs, Ärzte Woche 36/2013

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