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© Franck Camhi / Photos.com plus
 
Impfen 7. Jänner 2013

Die Influenza hat wieder Saison

Rechtzeitiges Impfen, besonders von Personen mit erhöhtem Risiko, schützt vor oft schweren Folgen einer Influenza.

Laut epidemiologischen Daten versterben in Österreich rund 1.300 Menschen während einer Influenzasaison an den Folgen dieser Infektion. Wir sprachen mit Prof. Dr. Theresia Popow-Kraupp vom Klinischen Institut für Virologie der Medizinische Universität Wien über Möglichkeiten der Vorbeugung, die Impfung sowie die Behandlung mit Neuraminidase-Hemmern.

Wir befinden uns in der kalten Jahreszeit und es kann jederzeit zum Ausbruch einer Influenzawelle kommen. Welche Maßnahmen sind geeignet, um das Ansteckungsrisiko zu vermindern?

Popow-Kraupp: Noch treten in ganz Europa Influenzavirus-Infektionen nur sehr vereinzelt auf, aber es ist sicher die Zeit, in der wir uns auf die kommende Influenzasaison vorbereiten sollen. Um eine Ansteckung zu vermeiden, sind ganz einfache Maßnahmen zu treffen. Das Virus wird einerseits via Tröpfchen-, aber auch Schmierinfektionen übertragen. So sind Türkliniken oder kontaminierte Druckknöpfe in Aufzügen und öffentlichen Verkehrsmitteln wesentliche Infektionsquellen. Es ist daher auf sorgfältige Händehygiene zu achten, wenn man mit diesen Einrichtungen Kontakt hatte.

Wie lange ist es sinnvoll, sich gegen Influenza impfen zu lassen?

Popow-Kraupp: Natürlich ist es sinnvoll, sich vor der Influenzasaison impfen zu lassen. Solange noch keine Symptome der Influenza aufgetreten sind, ist eine Impfung auch während der Saison möglich, da insbesondere auch bei älteren Personen, bei denen vorangegangene Infektionen mit anderen Influenza-Viren sehr wahrscheinlich sind, es zu einer sehr raschen Auffrischung der Immunantwort kommt. So ist auch ein rascher Impfschutz gewährleistet.

Welcher Personengruppe legen Sie die Impfung besonders nahe?

Popow-Kraupp: Zunächst sind dies Personen, die von einer Influenzavirus-Infektion besonders schwer betroffen wären. Das sind in erster Linie Personen mit Grunderkrankungen und werdende Mütter. Es hat sich im Lauf der Pandemie des Jahres 2009 gezeigt, dass Schwangerschaft das Risiko mit sich bringt, sehr schwer an Influenza zu erkranken. Darüber hinaus gilt die Empfehlung auch für ältere Menschen über 50 und insbesondere über 65 Jahre, weil auch diese Gruppe bei Infektion mit den saisonalen Influenzaviren ein gesteigertes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf aufweist. Neu hinzugekommen zur Gruppe mit erhöhtem Risiko für schweren Verlauf sind stark übergewichtige Personen.

Davon abgesehen wird all jenen Personen, die häufigen Kontakt mit anderen Menschen haben und für das Funktionieren der Gemeinschaft wichtig sind die Impfung empfohlen. Das sind vor allem Personen in Gesundheitsberufen, Betreuungspersonen in Kindergärten und Schulen sowie Exekutivbeamte. Nachzulesen sind diese Empfehlungen des Österreichischen Impfplanes auch im Internet auf der Homepage des Österreichischen Gesundheitsministeriums. (www.bmg.gv.at Anm. d. Red.).

Welche therapeutischen Optionen stehen zur Verfügung, wenn die Erkrankung bereits ausgebrochen ist?

Popow-Kraupp: Mit den Neuraminidase-Hemmern verfügen wir über Virus-spezifische Therapeutika. Diese greifen in den Vermehrungszyklus des Virus ein. Basierend auf diesem Wirkmechanismus ergibt sich, dass die Therapie nur dann erfolgreich sein kann, wenn diese Substanzen früh im Krankheitsverlauf eingenommen werden. Hat die Virusvermehrung ihren Höhepunkt erst erreicht, ist der Effekt der Neuraminidase-Hemmer natürlich gering. Innerhalb von 24 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome ist die beste Wirksamkeit gegeben, sie sind aber auch noch bei einer Einnahme von bis zu 48 Stunden nach Symptombeginn gut wirksam.

Wie lässt sich in diesem frühen Stadium eine Influenza von einem banalen grippalen Infekt unterschieden?

Popow-Kraupp: Allein auf Basis der klinischen Symptomatik ist das schwierig. Es gibt charakteristische klinische Bilder, die auch von der WHO für die Falldefinitionen verwendet werden. Dazu zählen der plötzliche Beginn, sehr hohes Fieber, Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen sowie massives Krankheitsgefühl. Diese typische Ausprägung ist jedoch nicht bei allen Personengruppen gewährleistet. So sind bei Kindern sehr häufig zusätzlich gastrointestinale Symptome zu beobachten, sodass das Krankheitsbild sehr verwaschen und schwierig zu diagnostizieren ist.

Auf der anderen Seite stehen sehr alte Personen, bei denen die Immunantwort abgeschwächt ist. Sehr viele dieser Symptome sind auf die massiv einsetzende Immunantwort zurückzuführen, weshalb es bei sehr alten Personen nicht mehr zu dieser charakteristischen Ausprägung der Symptomatik kommt. Wir haben jedoch den Vorteil, dass wir aufgrund der guten Überwachung der Influenzavirusaktivität in Österreich sehr gut über die epidemiologische Situation Bescheid wissen. Wenn nun eine Influenzawelle über unser Land hinweg zieht, kann man davon ausgehen, dass rund 80 Prozent der Fälle von grippalem Infekt oder Influenza auf Infektionen mit Influenzaviren zurückzuführen sind. In diesem Fall ist keine Individualdiagnostik mehr nötig. Das Auftreten von den, für eine Influenzavirusinfektion charakteristischen Symptomen im Verlauf einer Influenzawelle ist diagnostisch ausreichend, um innerhalb von 24 oder 48 Stunden mit der Virus-spezifischen Medikation zu beginnen. Während der Influenzawelle werden auch die Kosten für die antivirale Therapie von den Krankenkassen übernommen.

Warum ist es so wichtig, die Influenza zu behandeln?

Popow-Kraupp: Es handelt sich um eine Erkrankung, die nachgewiesenermaßen zu schweren Krankheitsverläufen und damit einhergehend zu einer Übersterblichkeit in den Zeiten, in denen die Influenzavieren zirkulieren, führt. In Österreich gehen im Schnitt etwa 1.300 Todesfälle pro Saison auf das Konto der Influenza. Das betrifft vor allem die Risikogruppen, für die die Impfung auch besonders empfohlen wird. Darüber hinaus ist es auch ein volkswirtschaftliches Problem, wenn sehr viele Menschen gleichzeitig erkranken. Die Verfügbarkeit einer spezifischen Medikation reduziert diese Probleme.

Das Interview führte Mag. Harald Leitner.

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