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Ein Virus auf Reisen. Seit die WHO die A/H1N1- Influenza zur Pandemie erklärt hat, gilt eine Stornoversicherung nicht für diesen Erkrankungsfall.
 
Infektiologie 9. Dezember 2009

Reisen im Licht der „Neuen Grippe”

Zum Erhalt der Urlaubsfreude: Impfung und antivirales Medikament im Gepäck.

Die Influenza – egal, ob es sich um die herkömmliche oder die „neue“ handelt – kann so manche Weihnachtsreise vereiteln. Tritt die Erkrankung im Ausland auf, so ist es günstig, ein antivirales Medikament im Reisegepäck zu haben, das empfehlen selbst viele Skeptiker. Viele Patienten werden wohl mit der Frage auch zum Arzt kommen, ob sich eine Reise-Rücktrittsversicherung auszahlt. Tut sie nicht, da A/H1N1 zum Erreger einer Pandemie erklärt wurde und für Pandemien ein Versicherungsausschluss gilt.

 

Nicht zuletzt angesichts der sehr kontroversen Berichte und Äußerungen über die „Neue Grippe“ mögen viele Menschen irritiert sein, Befürchtungen bis hin zu Ängsten haben – eines haben sie jedenfalls nicht: die Lust am Reisen verloren. Das war eine der zentralen Aussagen beim Reise-Sicherheitsgipfel 2009 der Europäischen Reiseversicherung, der Mitte November in Wien stattfand. Für die Reisebranche ist die „Neue Grippe“ kein Thema – jedenfalls noch nicht. Die Epidemie sei ein globales Phänomen, das Risiko einer Ansteckung überall gleich groß und es gebe keinen vernünftigen Grund, nicht zu reisen, das sagte Dr. Martin Sturzlbaum, Vorstandsvorsitzender der Europäischen Reiseversicherung. Sich vor einer Reise impfen zu lassen, sei zwar empfehlenswert, allerdings weniger aus medizinischen Gründen „als zur Vorsorge gegen einen durch Erkrankung verdorbenen Urlaub“.

Antivirale Medikation sinnvoll

Dieser Meinung schloss sich beim Reise-Sicherheitsgipfel auch Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Leiter der Abteilung Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien, an: Auch wenn es in speziellen Fällen zu Komplikationen kommen kann, verlaufe die „Neue Grippe“ im Regelfall harmlos. Allerdings sei die Mitnahme eines antiviralen Medikaments auf die Reise empfehlenswert, wenn er auch, so Kollaritsch, der Einnahme von antiviralen Medikamenten ansonsten eher skeptisch gegenüberstehe. Meist würden sie ungezielt, zu spät und falsch dosiert eingenommen, aber in der momentanen Situation sei es ratsam, ein antivirales Medikament im Reisegepäck zu haben.

Mit erhöhter Temperatur abheben

Fieber allein sei kein Grund, jemandem den Antritt einer Flugreise zu verweigern, meinte Peter Hödl, Leiter der Planung Notfallmaßnahmen bei den Austrian Airlines: „Wir raten allerdings Fluggästen, die offensichtlich krank sind, sich mit dem Flughafen-Arzt in Verbindung zu setzen, um abzuklären, ob ein Reiseantritt vertretbar und sinnvoll ist.“ Zu bedenken sei, so Kollaritsch, dass eine Flugreise mit einem fieberhaften Infekt unangenehm sei, da durch den Verschluss der Tuben (Tubenkatarrh) der Druckausgleich ausbleibe, was sehr schmerzhaft sein könne. „Auch wenn die ‚Neue Grippe‘ für die Reisebranche derzeit kein Problem darstellt, ist doch festzustellen“, so Sturzlbaum, „dass in der derzeitigen Situation mehr Menschen eine Reise-Rücktrittsversicherung abschließen.“ Man verzeichnet um etwa zehn Prozent mehr Versicherungsabschlüsse. „Dabei ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die Stornoversicherung den Rücktritt von einer Reise wegen der ‚Neuen Grippe‘ nicht deckt, weil diese Virusinfektion von der WHO offiziell den Status einer Pandemie erhalten hat und für Pandemien ein Versicherungsausschluss gilt“, gab Sturzlbaim zu bedenken.

Behandlungskosten werden bezahlt

Anders verhält es sich im Fall einer Erkrankung am Urlaubsort bzw. am Ort des Auslandaufenthaltes – geimpft oder ungeimpft. Besteht eine entsprechende Reiseversicherung, sind sowohl die Behandlungskosten als auch ein vorzeitiger Reiseabbruch mit allen dabei entstehenden Kosten abgesichert. „Wir lassen unsere Kunden nicht im Regen stehen“, versicherte Sturzlbaum, allerdings nicht ohne ausdrücklich zu empfehlen, sich die Versicherungsbedingungen genau anzusehen: ob für die jeweilige Versicherung, bei der man abgeschlossen hat, nicht auch Pandemien und Naturkatastrophen Ausschlussgründe sind. „Anders als bei der Europäischen Reiseversicherung findet sich bei anderen Reise-Versicherern gar nicht so selten dieser Ausschließungsgrund“, erklärte Sturzlbaum.

Von Eveline Schütz, Ärzte Woche 50 /2009

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