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Influenza 11. November 2009

Informationsflut um die Grippewelle

Mit dem offiziell ausgerufenen Start der A/H1N1 Grippewelle folgt die mediale Informationsflut:  Während in den letzten Wochen die kritischen Experten -Stimmen zur Impfung oft zu hören waren, wurden heute wiederum die Befürworter aktiv. Ärztekammerpräsident Dorner appelliert erneut an die Ärzte sich doch noch impfen zu lassen, die MedUniWien bittet ebenfalls impfmüde Kollegen, sich und ihre Patienten doch endlich zu schützen.

Am Rande der Aussendungsflut lassen noch die Oberösterreichischen Ärzte mit ihren Interessen aufhorchen: Jetzt sei es an der Zeit, dass auch die Allgemeinmediziner impfen dürfen. Die Salzburger Kinderärzte wurden unterdessen schon aktiv: „Salzburgs Kinderfachärzte mit SGKK-Kassenvertrag impfen ab sofort in ihren Ordinationen gegen Influenza A(H1N1) – auch neue Grippe genannt – im Zuge der Pandemie-Impfung“, bestätigt Fachgruppen-Obmann Dr. Ernst Wenger.

Experten der MedUniWien raten zur Impfung

Während zum Start der Grippeimpfung am vergangenen Montag noch von einer Impfempfehlung der Risikogruppen ausgegangen wurde, bekennen sich jetzt Experten der MedUniWien zu einem impfstarken Konsenspapier. „Namhafte ExpertInnen der MedUni Wien, die sich seit Ausbruch des H1N1 Virus mit den unterschiedlichen Aspekten dieser neuen Grippe auseinandersetzen, appellieren in einer gemeinsamen Stellungnahme an die österreichische Bevölkerung, sich gegen das H1N1 Virus impfen zu lassen. Dieser Appell richtet sich auch an ÄrztInnen, die damit sich selbst und auch ihre PatientInnen schützen,“ so der Einleitungstext.

Die Öffentliche Stellungnahme im Originaltext

Hier die Stellungnahme des Expertenteams der MedUniWien im Originaltext. Was ist Ihre Meinung? Schreiben Sie Ihr Kommentar.

 

O.Univ. Prof. Mag. Dr. Franz Xaver Heinz, Vorstand des Klinischen Instituts für Virologie
„Der in Österreich verfügbare Pandemieimpfstoff ist nach den strengsten Regeln der internationalen Zulassungsbehörden geprüft worden und frei von Adjuvantien und Konservierungsmitteln. Die bisher vorliegenden Anwendungsstudien bescheinigen diesem Pandemieimpfstoff ein ähnlich gutes Verträglichkeitsprofil wie den saisonalen Impfstoffen“.

SozialmedizinerInnen Univ. Prof.in Dr.in Anita Rieder, Ao.Univ. Prof.in Dr.in Ursula Kunze und O.Univ. Prof. Dr. Michael Kunze vom Zentrum für Public Health
„Unsere Impfplan sieht vor: Jede/Jeder, der sich und seine Angehörigen schützen will, soll sich impfen lassen. Dies gilt  für "alle" Influenzae, also die saisonale und die pandemische. Der in Österreich eingesetzte Impfstoff ist mit modernster Technologie hergestellt, sorgfältig geprüft, und hat ein sehr gutes Sicherheitsprofil. Die Impfung wird den bekannten Risikogruppen empfohlen, aber auch allen anderen, die sich schützen wollen. Sie ist eine Strategie im Rahmen eines umfassenden Pandemie-Plans, dessen Vorarbeiten an der MedUni Wien im Bereich Sozialmedizin geleistet wurden. 

Heute ist Österreich das am besten vorbereitete Land. Vor allem durch die Virologie hat die MedUni Wien einen wesentlichen Anteil an der Pandemie-Kontrolle, und leistet damit einen wesentlichen Beitrag im Sinne von Public Health.“

Univ. Prof. in Dr.in Ursula Wiedermann-Schmidt, Vakzinologin und Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin
„Oftmals wird die Sinnhaftigkeit der 2 Dosen in Frage gestellt. Jeder Impfstoff der erstmals geimpft wird, weil er dem Immunsystem noch fremd ist, muss zweimal im Abstand von 3-4 Wochen gegeben werden. Der Grund dafür liegt in der Antikörperkinetik, die zu einem Anstieg der Antikörper innerhalb von 4 Wochen führt, danach kommt es aber zu einem raschen Abfall. Damit die Antikörper für längere Zeit auf hohem Niveau gehalten werden können, muss in der Regel eine zweite Impfung gegeben werden.

Beispiele für dieses Vorgehen sind z.B. erstmalige Impfungen gegen Tetanus/Diphtherie, Hepatitis, sämtliche Kinderimpfungen etc. Solange keine Langzeitstudien vorliegen, die zeigen, dass eine zweite Impfung mit H1N1 nicht notwenig ist, muss an dem 2-Dosen-Schema festgehalten werden. Die derzeitige Zulassung des Impfstoffes lässt auch kein anderes Vorgehen zu.“

Ao.Univ. Prof. Dr. Walter Reinisch, Gastroenterologe an der Universitätsklinik für Innere Medizin III
„H1N1 betrifft vorzugsweise junge PatientInnen. Aber auch Personen, die an chronischen Erkrankungen leiden, dürften ein gesteigertes Risiko für diese Infektion aufweisen. Dies trifft vorzugsweise für Leiden zu, die eine Unterdrückung des Immunsystems bewirken oder deren Behandlung einer medikamentös vermittelten Immununterdrückung bedarf. All jenen PatientInnen legen wir eine Impfung oder post-expositionelle medikamentöse Prophylaxe dringlich nahe.“

Ao.Univ. Prof. Dr. Herbert Kiss, Universitätsklinik für Frauenheilkunde
„Schwangeren ab der 15. Schwangerschaftswoche (SSW14+0) wird die Impfung empfohlen. Die bisherige Datenlage zeigt, dass die Impfung auch in der Schwangerschaft sehr gut vertragen wird und die Nebenwirkungen nicht anders sind als bei den seit Jahren in der Schwangerschaft empfohlenen und angewendeten Influenzaimpfstoffen.
Bei Frauen, die in Unkenntnis einer bestehenden Schwangerschaft in den ersten 14 Wochen geimpft wurden, besteht kein erhöhtes Risiko für Mutter und Fötus.“

O.Univ. Prof. Dr. Arnold Pollak, Vorstand Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde
„Wir raten allen Eltern dringend im Sinne des Schutzes der Kinder zur H1N1-Impfung. Es handelt sich um einen sicheren Impfstoff, der keinerlei zusätzliche Nebenwirkungen aufweist. Gerade junge Menschen sind von der Erkrankung eher betroffen als Erwachsene. Durch vermehrt soziale Kontakte ist das Ansteckrisiko bei Kindern weitaus höher. Es gibt überhaupt keine medizinische Grundlage, gerade Kindern diesen prophylaktischen Schutz vorzuenthalten. Anderslautende Meinungsäußerungen sind eher auf der emotionellen Ebene anzusiedeln!"

Dr.in Christiane Druml, Geschäftsführerin Ethikkommission MedUni Wien/ AKH Wien
„Impfungen gehören zu den größten Errungenschaften der Forschung in der Vorbeugung von Krankheiten. Diese Vorbeugung vor Krankheiten schützt nicht nur den Geimpften selbst, sondern auch die anderen Menschen: ich lasse mich impfen, denn wenn ich geimpft bin, dann schütze ich auch meine Mitmenschen vor einer Infektion mit der Grippe. Und ich empfinde es als einen notwendigen Akt der Solidarität – vor allem mit Menschen, die gefährdeter sind, die Grippe zu bekommen, wie Schwangere, kleine Kinder oder Menschen mit verminderter Immunabwehr, Organtransplantierte oder KrebspatientInnen.“ 

Andrea Niemann

  • Herr Gerhart Fabiani, 12.11.2009 um 19:45:

    „Viel erfolgversprechender, als das dauernde Hickhack der Fachleute um ein Milliardengschäft, wäre eine seriöse Information über die Anregung und Stärkung des Immunsystems. Denn es gibt viele Menschen, die während einer Epidemie trotz fehlender Impfung gesund bleiben, nämlich die, mit dem intakten Immunystem.“

  • Herr Prof. Manfred Neuberger Dr., 12.11.2009 um 23:43:

    „Nachdem ich die wirklichen Experten gefragt hatte (und nicht die selbsternannten bzw. fachfremden) habe ich mich zum ersten Termin impfen lassen, obwohl ich nicht zu den Risikogruppen gehöre. Auch meine Frau als praktische Ärztin und meine Tochter, die als Ophthalmologin den Patienten sehr nahe kommt, sind schon geimpft.
    Wir Ärzte sollten nicht noch zur Verbreitung der Epidemie beitragen, auch wenn sich die klassischen Hygienemaßnahmen nicht immer lückenlos durchziehen lassen (z.B. wenn einem jeder die Hand zur Begrüßung entgegenstreckt).“

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