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Abb. 1: Die Empfehlung der CDC für Schwangere ist, dass eine antivirale Medikation sobald wie möglich nach dem Auftreten der Grippesymptome begonnen werden sollte. Der Nutzen wird als größtmöglich betrachtet, wenn innerhalb von 48 Stunden nach dem Ausbruc
 
Infektiologie 21. September 2009

Schwangere mit Neuer Grippe – was tun?

Infektiologie

„Lancet“: Schwangere könnten auf Grund einer Infektion mit dem H1N1-Virus ein größeres Risiko für Komplikationen haben.

Darüber hinaus weist diese Studie aus den USA nach, dass die Rate von Krankenhauseinweisungen von Schwangeren viermal höher liegt als für die allgemeine Bevölkerung. Schwangere mit einer Schweinegrippe-Infektion sollten daher eine antivirale Therapie möglichst frühzeitig starten, während jene, die wohlauf sind, geimpft werden sollten, sobald ein Impfstoff vorliegt. Der Artikel wurde von Dr. Denise J. Jamieson von der Division of Reproductive Health der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta sowie Kollegen verfasst.

Nach ersten Berichten über H1N1-Infektionen bei Schwangeren startete die nationale Seuchenbekämpfungsbehörde CDC im Rahmen einer verstärkten Überwachung eine systematische Erfassung zusätzlicher Informationen zu Erkrankungs- und Todesfällen bei Schwangeren in den USA. Ein Fall wurde als bestätigt definiert, wenn eine akute Atemwegserkrankung mit einer labortechnisch bestätigten H1N1-Grippe zusammentraf. Eine Erkrankung wurde als potenziell definiert, wenn eine akute fieberhafte Erkrankung mit einer labortechnisch bestätigten Influenza-A zusammentraf, die jedoch gegenüber saisonalen Grippetypen negativ war. Die Raten bezüglich Krankenhauseinweisungen und Erkrankungen wurden dann anhand der Daten der Bevölkerungszählung des Jahres 2007 berechnet.

Ab dem 15. April bis zum 18. Mai 2009 wurden der CDC aus 13 Staaten 34 bestätigte oder potenzielle Fälle einer pandemischen H1N1-Influenza bei Schwangeren gemeldet, wobei 11 davon (32 Prozent) in ein Krankenhaus eingewiesen wurden. Die geschätzte Rate dieser Einweisungen (0,32 unter 100.000 Frauen) lag mehr als viermal so hoch wie jene der Allgemeinbevölkerung (0,076 unter 100.000 Risikopersonen). Die Autoren bemerken allerdings, dass dieser Unterschied womöglich auch deshalb so hoch ausfallen könnte, da Ärzte schwangere Frauen wohl eher einweisen würden als eine Person der Allgemeinbevölkerung mit dem gleichen Symptomprofil. Zwischen dem 15. April und dem 16. Juni wurde der CDC von sechs Todesfällen unter den schwangeren Frauen berichtet. Diese sechs Frauen entwickelten eine Lungenentzündung mit nachfolgendem akutem Atemwegs- Syndrom, was eine künstliche Beatmung erforderlich machte.

Die in der Studie analysierten Frauen waren unterschiedlichen Alters und Herkunft. Fünf Frauen waren unter 18; 17 im Alter von 18 bis 29; 11 von 30 bis 39 und eine über 40. Neun dieser Frauen waren hellhäutige, zwei waren dunkelhäutige Non-Hispanics; 15 aus Mittelamerika; eine Asiatin; eine Amerikanerin indigener Abstammung aus Alaska; sechs unbekannter Herkunft. Weitere Charakteristika waren ebenfalls gemischt: vier Frauen hatten während der vorangegangenen sieben Tage Mexiko besucht, 27 Frauen dagegen nicht, bei dreien gab es keine Erkenntnisse. Die Frauen unterschieden sich auch bezüglich ihres Schwangerschaftsstatus: drei waren in den Wochen 0 bis 13; 19 in den Wochen 14 bis 28 und neun bereits mehr als 29 Wochen schwanger. Bei dreien wiederum lagen keine Daten vor.

 

Die Autoren stellen fest: „Obwohl die Entscheidung, eine schwangere Frau in ein Krankenhaus einzuweisen, komplex ist und auch Erwägungen jenseits der Schwere der Erkrankung einschließen könnte, so ist dieser hohe Anteil (größer 10 Prozent) Grippe-verursachter Todesfälle unter schwangeren Frauen in den USA doch Besorgnis erregend. Während der früheren Influenza-Epidemien 1918 und 1957 schien die Sterblichkeit unter den Schwangeren höher als unter den nichtschwangeren Frauen. Im Verlauf der Pandemie 1957 ereigneten sich 50 Prozent der Todesfälle in Minnesota auf Grund des A/Asia-Virus unter den Frauen im gebärfähigen Alter bei den Schwangeren.“

Die Forscher fügen hinzu: „Die Empfehlungen der CDC für Schwangere sind, dass eine antivirale Medikation sobald wie möglich nach dem Auftreten der Grippesymptome begonnen werden sollte. Der Nutzen wird als größtmöglich betrachtet, wenn innerhalb von 48 Stunden nach dem Ausbruch gestartet wird. Allerdings wurden viele Schwangere unserer Serie zum Zeitpunkt ihres Erscheinens mit den grippeähnlichen Erkrankungen nicht mit einem dieser Medikamente behandelt. Darüber hinaus wurde keine der Verstorbenen innerhalb von 48 Stunden nach Krankheitsbeginn behandelt.“

Die Autoren bemerken mit Blick auf die zu erwartenden Auswirkungen eines pandemischen H1N1-Grippevirus auf schwangere Frauen, dass der Nutzen antiviraler Medikamente die potenziellen Risiken für die Ungeborenen überwiegen müsste. Obwohl die meisten Frauen dieser Studie (wie auch alle anderen Schwangeren weltweit) immer noch schwanger sind, gibt es bislang nur wenig Erkenntnisse bezüglich der möglichen Effekte des pandemischen H1N1-Virus auf die Feten.

Mit Blick auf eine Impfung stellen die Autoren fest: „Ist die Impfung erst verfügbar, wird sie ein wesentlicher Bestandteil der Reaktion der öffentlichen Gesundheit auf diese Grippe sein. US-amerikanische Richtlinien werden Schwangere in eine hoch-bevorzugte Gruppe einreihen, damit diese eine Pandemie-Grippe-Impfung erhalten.“ Allerdings geben die Forscher ihren Bedenken Ausdruck, dass gegenwärtig nur wenige schwangere Frauen entscheiden, gegen saisonale Grippeviren geimpft zu werden.

Die Autoren folgern: „Die Ergebnisse dieser Studie werden dabei ausschlaggebend sein, die öffentliche Gesundheit bezüglich ihrer Planungen für Schwangere zu informieren. Dies gilt für dieses Virus wie auch für andere neue Pathogene. Von wesentlicher Bedeutung ist, dass Anbieter von Gesundheitsfürsorge erkennen müssen, dass schwangere Frauen ein höheres Risiko für ernste Erkrankungen und Komplikationen auf Grund einer Infektion mit dem pandemischen H1N1-Virus aufweisen, und dass eine Behandlung mit Grippemitteln unverzüglich begonnen werden sollte.“

© 2009 www.medaustria.at Quelle: Lancet; 2009, Early Online Publication, 29 July 2009

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