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Kardiologie 26. April 2016

Herztipp für Faule: Saunieren

Unsportliche können für ihre Gesundheit viel tun. Bei der kardiovaskulären Prävention ist Schweiß gleich Schweiß.

Schweißtreibende Aktivitäten können einen Herzinfarkt verhindern. Dabei ist es egal, ob man beim Sport, bei der Arbeit oder in der Sauna schwitzt. Auch der berühmte tägliche Apfel und der Partner wirken kardioprotektiv.

Dass körperliche Aktivität ein wichtiger Baustein der kardiovaskulären Prävention darstellt, ist bekannt. In einer Studie wurde geprüft, ob der Anteil der Aktivität, der durch intensive Bewegung erzielt wird, unabhängig von der Gesamtmenge der körperlichen Betätigung mit der Sterblichkeit assoziiert ist, also ob schweißtreibende Tätigkeiten besonders effektiv sind. Tatsächlich war der Anteil an hochgradiger Aktivität invers mit Sterblichkeit assoziiert.

„Im Vergleich zu Personen, die keine hochgradige körperliche Aktivität verrichteten, war das Risiko für Tod um 9 Prozent reduziert“, sagt Prof. Dr. Ulrichs Laufs vom Universitätsklinikum des Saarlandes (Innere Medizin). Diese Assoziation war unabhängig von Geschlecht, BMI, vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung und Diabetes. „Allerdings bleibt in dieser epidemiologischen Beobachtungsstudie das bekannte Problem, inwieweit daraus eine Kausalität abgeleitet werden kann, also ob Sport gesund macht oder Gesunde mehr Sport treiben“, sagt Laufs.

Derjenige, für den schweißtreibender Sport zu anstrengend ist, kann für seine Gesundheit dasselbe erreichen, wenn er in der Sauna schwitzt. Für die kardiovaskuläre Prävention ist Schweiß gleich Schweiß. Bei 2.315 Finnen wurden über 20,7 Jahre die Zahl und Dauer der Saunabesuche und die kardiovaskulären Ereignisse erfasst. Die Auswertung erfolgte nach der Häufigkeit der Saunabesuche in drei Gruppen: einmal, zwei- bis dreimal und vier- bis siebenmal pro Woche.

Henne oder Ei?

Die Inzidenz des akuten Herztodes in den jeweiligen Gruppen lag bei 10,1 Prozent, 7,8 Prozent und 5 Prozent. Tödliche kardiovaskuläre Ereignisse traten bei 14,9 Prozent, 11,5 Prozent und 8,5 Prozent der Teilnehmer auf. Die Autoren folgern, dass eine gesteigerte Frequenz und Dauer des Saunabesuchs mit einem reduzierten Risiko für den akuten Herztod und kardiovaskuläre Ereignisse sowie Gesamtsterblichkeit assoziiert ist. Auch hier bleibt die Frage nach der Kausalität: Was ist Henne und was ist Ei? Nach dieser Studie können wir unseren Patienten jedenfalls sagen, dass regelmäßiger Saunabesuch nicht schadet.

Bei einer anderen lebensdiätetischen Empfehlung gibt es neue Erkenntnisse über die „Dosis“ . Die Volksweisheit „an apple a day keeps the doctor away“ konnte in einer Studie bestätigt werden. Entscheidend ist die Größe des Apfels. „Es muss ein mittelgroßer Apfel sein“, erklärt Laufs.

Auch die besonders wichtige Rolle des Partners bei lebensdiätetischen Bemühungen wie Gewichtsreduktion, Rauchstopp und sportliche Aktivität konnte wissenschaftlich untermauert werden. Wurden diese Anstrengungen von einem Partner unterstützt, so war der Erfolg fast doppelt so groß. Was die wöchentliche Arbeitszeit betrifft, so sind die Folgen für Herz und Gehirn unterschiedlich: Mit zunehmender Arbeitsbelastung steigt zwar das Risiko für einen Schlaganfall, aber nicht für ein kardiovaskuläres Ereignis. Ein interessantes Begleitergebnis dieser Studie: Wer als Ärztin mehr als 40 Stunden pro Woche arbeitet, riskiert eine Scheidung, während bei männlichen Kollegen eine Zunahme der Arbeitsbelastung die Ehe sogar stabilisiert. Am niedrigsten war die Scheidungsrate bei Ärzten, die mehr als 60 Stunden wöchentlich arbeiteten. Vielleicht lieg es daran, dass solche Arztgattinnen sich bereits wie Witwen fühlen – nur mit dem kleinen Unterschied, dass der Mann noch lebt.

springermedizin.de, Ärzte Woche 17/2016

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