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Kardiologie 1. Februar 2016

Von nun an geht’s bergab

Mit dem Parallelschwung in die hypertensive Krise: Mit den Höhenmetern steigt der Blutdruck.

Was Gesunde an Höhenmetern problemlos tolerieren, kann für Menschen mit Bluthochdruck riskant werden, vor allem wenn körperliche Anstrengung hinzukommt.

Bergsport und Bluthochdruck ist eine denkbar schlechte Kombination, wie die aktuelle doppelblinde placebokontrollierte HIGHCARE-ANDES-Studie drastisch vor Augen führt. Der italienische Kardiologe Sergio Caravita vom St. Luca-Krankenhaus in Mailand und seine Kollegen hatten bei 55 Probanden mit milder Hypertonie überprüft, wie sich die Blutdruckwerte bei Anstrengung in großer Höhe verändern und welchen Einfluss eine antihypertensive Kombinationstherapie (Telmisartan 80 mg/Nifedipin 30 mg) auf das Blutdruckprofil hat ( bit.ly/1njF070).

Die Kardiologen hatten dazu die Probanden in zwei Gruppen randomisiert. Die einen waren mit der Kombination aus Angiotensinrezeptor-Blocker plus Kalziumkanalblocker behandelt worden und die anderen mit Placebo. Sechs Wochen nach Behandlungsbeginn wurde zunächst auf Meeresspiegelniveau, ein Tag später auf 3.260 Metern Höhe eine Fahrradergometrie durchgeführt, bei der die Belastung in 30-Watt-Schritten bis auf 120 Watt gesteigert wurde. Der Blutdruck wurde zu Beginn und nach jeder Belastungssteigerung über eine Blutdruckmanschette am Oberarm gemessen.

In beiden Gruppen lagen die auf dem Berg gemessenen systolischen Blutdruckwerte zu jedem Messzeitpunkt höher als die auf Meereshöhe registrierten. Gleichzeitig war der systolische Blutdruck unter Verummedikation stets niedriger als unter Placebo. Der diastolische Blutdruck hingegen fiel auf 3.260 Metern nur vor Anstrengung sowie in der Aufwärmphase höher aus. Im Vergleich zum Meeresspiegelniveau sank auf dem Berg der maximale Sauerstoffverbrauch um 12 Prozent und die maximale Belastung um 14 Prozent, unabhängig von Placebo- oder Verumgabe.

In 14 Fällen stiegen die Blutdruckwerte sogar so stark, dass die Belastung abgebrochen werde musste. Das war in großer Höhe deutlich häufiger der Fall als im Tal (zehnmal vs. viermal) und betraf mehr Placebo- als Verumprobanden (zehn vs. vier). Bei zwei Teilnehmern – einer aus jeder Gruppe – stoppten Zeichen einer belastungsinduzierten Ischämie die Fahrradergometrie frühzeitig. Fazit: Patienten mit milder Hypertonie zeigen bei körperlicher Anstrengung in großer Höhe aufgrund der resultierenden Hypoxie eine überschießende Blutdruckreaktion.

Laut den Kardiologen birgt das ein beträchtliches gesundheitliches Risiko. Allerdings ließe sich dieser überschießende Blutdruckanstieg mit der Kombination aus langwirksamen Kalziumkanalblocker und langwirksamen Angiotensinrezeptor-Blocker effektiv und sicher verringern, ohne die Leistungsfähigkeit einzuschränken.

springermedizin.de, Ärzte Woche 5/2016

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