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© Stefan Körber / fotolia.com
 
Kardiologie 3. November 2014

Wenn der Berg ruft

Höhenwandern mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wandern an der frischen Luft ist für Patienten, deren koronare Herzkrankheit ausreichend behandelt ist, ideal. Aber dürfen sie nur im Flachland aktiv werden?

Regelmäßige körperliche Aktivität reduziert das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen nachweislich. Aber auch für Menschen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Krankheiten kann sich Sport positiv auswirken. Besonders gut geeignet sind dafür Ausdauersportarten wie Joggen, Nordic Walking, Radfahren oder Wandern, weil sich Intensität und Pensum gut auf die individuellen Bedürfnisse abstimmen lassen. Wenn Patienten mit Herzerkrankung Urlaub in den Bergen machen und dort sportlich aktiv sein wollen, ergeben sich jedoch möglicherweise Probleme, weil der geringere Sauerstoffgehalt in der Höhe das Herz schädigen könnte.

Hypertonie

Prof. Dr. Peter Bärtsch, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Heidelberg, macht zunächst klar, dass das Problem der Sauerstoffsättigung in Höhen bis zu 2.500 m noch nicht relevant ist: „Erst in Höhen über 4.000 m sind die Effekte dramatisch“. Bei Gesunden führe die Höhe an sich nicht zu kardialen Problemen, und auch bei gut eingestellten Hypertonikern sei ein kurzzeitiger Aufenthalt in größerer Höhe – also im Bereich von unter 3.000 Höhenmetern und bei einem Aufenthalt von etwa zweiwöchiger Dauer – gut möglich. „In diesem Fall sind auch keine Blutdruckmessungen nötig, wenn die Patienten keine Beschwerden haben“, sagt Bärtsch.

Auf länger dauernden Trekkings oder Expeditionen sollten Hypertoniker dagegen Selbstmessungen vornehmen und mit Instruktionen versehen werden, wie sie beim Überschreiten eines vordefinierten Cut-off-Werts verfahren sollen.

KHK und Herzinsuffizienz

Gesicherte Empfehlungen im Hinblick auf die Höhentoleranz von Patienten mit stabiler koronarer Herzerkrankung (KHK) und/oder Herzinsuffizienz sind Bärtsch zufolge aufgrund der Stundenlage nicht möglich, die Entscheidung für den Patienten müsse immer individuell getroffen werden. „Feststellen lässt sich, dass die Risikoerhöhung in Höhen zwischen 2.000 und 2.500 m für Patienten mit stabiler KHK und/oder Herzinsuffizienz gering ist, sofern die Belastung ähnlich wie im Tiefland ist. In der Regel nicht mehr vertretbar ist dagegen eine Aktivität in Höhen zwischen 3.500 und 4.500 m“. Eine Ausnahme könne bei Patienten gemacht werden, die nach der Revaskularisierung symptomlos sind und eine normale linksventrikuläre Funktion sowie eine hohe Leistungsfähigkeit (3–3,5 Watt/kg) aufweisen.

Aufenthalte in mittlerer Höhe

Laut Bärtsch sind Aufenthalte in einer Höhe zwischen 2.500 und 3.500 m mit geringer Risikoerhöhung vertretbar für Patienten mit stabilem Krankheitsverlauf und ohne signifikante Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen oder Begleiterkrankungen sowie bei einer körperlichen Leistungsfähigkeit, die hinsichtlich der geplanten Aktivität adäquat ist: „Ratsam sind ein langsamer Aufstieg, das Vermeiden körperlicher Anstrengung in den ersten drei bis fünf Tagen sowie ein gutes Krankheitsverständnis und die Fähigkeit zum Selbstmanagement.“

springermedizin.de, Ärzte Woche 45/2014

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