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Allgemeinmedizin 20. November 2013

Schützt Hypertonie vor Kreuzschmerz?

Je höher der Blutdruck, desto seltener entwickeln Frauen langwierige Rückenbeschwerden. Die Autoren gehen von einer verringerten Schmerzempfindlichkeit aus, für die sie allerdings noch keine endgültige Erklärung gefunden haben.

Epidemiologische Studien lassen schon seit Längerem eine reziproke Beziehung zwischen Blutdruck und Migräne bzw. Kopfschmerz erkennen. Anhand der Daten der HUNT-Studie suchten norwegische Wissenschaftler nun nach ähnlichen Zusammenhängen im Hinblick auf den Kreuzschmerz. Sie nutzten dazu die Querschnittstudie HUNT 2 aus den Jahren 1995 bis 1997 mit 39.872 Probanden ohne antihypertensive Medikation sowie die darauf folgende prospektive HUNT-3-Studie in die 17.209 anfangs rückenschmerzfreie Teilnehmer und 5740 Probanden mit Kreuzschmerz in den Jahren 2006 bis 2008 eingeschlossen wurden.

Sinkende Schmerzempfindlichkeit mit steigendem Druck

In der HUNT-2-Studie berichteten 27,7% der Frauen und 22,3% der Männer über chronischen Kreuzschmerz. Obwohl aus den Daten noch kein generelles Muster zwischen Blutdruck und Kreuzschmerz abgelesen werden konnte, fanden sich dennoch die wenigsten Probanden mit Kreuzschmerz in der Gruppe derer mit den höchsten Blutdruckwerten. Nach Adjustierung fand sich in der Regressionsanalyse ein hoch signifikanter reziproker Zusammenhang von systolischem und diastolischem Blutdruck sowie Pulsdruck mit der Prävalenz von Rückenschmerzen – und zwar bei Männern und Frauen.

In der prospektiven HUNT-3-Studie entwickelten bis zum Ende des Untersuchungszeitraums nach elf Jahren 19,7% der anfangs beschwerdefreien Frauen und 14% der Männer chronische Rückenschmerzen. Mit steigenden Blutdruckwerten verringerte sich bei den Frauen das Kreuzschmerzrisiko und in der Regressionsanalyse zeigte sich eine inverse Beziehung zu Pulsdruck und systolischem Druck bei Studienbeginn.

Solche Zusammenhänge wurden allerdings nicht bei zu Beginn beschwerdefreien Frauen mit einem Cholesterinwert ≤ 4,8 mmol/l bzw. 186 mg/dl beobachtet. Ihre Blutdruckwerte waren ohnehin niedriger als die von Frauen aus der Allgemeinbevölkerung. Bei Probandinnen mit einem BMI ≥ 30 kg/m2 dagegen war die reziproke Assoziation auch für den diastolischen Blutdruckwert signifikant. Bei den Männern dagegen ergaben sich keine aussagekräftigen Zusammenhänge.

Von den Teilnehmern, die bereits zu Beginn der Studie über chronische Rückenbeschwerden geklagt hatten, gaben 58,4% der Frauen und 47,2% der Männer auch am Studienende entsprechende Schmerzen zu Protokoll. Allerdings zeigte sich bei denjenigen, bei denen sich die Beschwerden gebessert hatten, kein Zusammenhang mit den Blutdruckwerten.

Fazit der Autoren

Die Ergebnisse der Studien bestätigen zum Teil die Theorie der höheren Schmerzschwelle bei Hypertonikern. Mit steigendem Blutdruck, so die Autoren, könne sich die Schmerzempfindlichkeit verringern. Allerdings bestehe die Möglichkeit, dass sich die zugrunde liegenden Mechanismen bei  Menschen mit chronischem Schmerz wieder anders verhalten.

 

Heuch I et al.: Does high blood pressure reduce the risk of chronic low back pain? The Nord-Trøndelag Health Study; Eur J Pain 2013; online 9. September

springermedizin.de, Ärzte Woche 47/2013

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