zur Navigation zum Inhalt
 
Kardiologie 27. August 2012

ESC 2012: Großer Einfluss des Lifestyles auf Risiko für Bluthochdruck

Neue Studie: Gesunder Lebensstil verringert Bluthochdruck-Risiko auf ein Drittel



Ein gesunder Lebensstil verringert das individuelle Bluthochdruck-Risiko auf ein Drittel, so eine Studie aus Finnland mit mehr als 21.000 Teilnehmern.

 

Gesunde Lebensstilfaktoren wurden definiert als Alkoholkonsum unter 50 Gramm pro Woche, Bewegung in der Freizeit mindestens dreimal pro Woche, täglicher Gemüsekonsum und Normalgewicht (BMI unter 25 kg/m2).

Die Ergebnisse der Studie (9.637 Männer und 11.430 Frauen) wurde von Prof. Pekka Jousilahti auf dem europäischen Kardiologenkongress (ESC) vorgestellt, bei dem in München Fachleute aus aller Welt zusammen kommen.

Normaler Blutdruck bei Studienbeginn



Die Studienteilnehmer hatten zu Untersuchungsbeginn normale Blutdruckwerte, nach durchschnittlich 16 Jahren hatten 709 Männer und 890 Frauen Bluthochdruck entwickelt. „Das Bluthochdruckrisiko betrug bei jenen Studienteilnehmern, die alle vier gesunden Lebensstilfaktoren aufwiesen, nur ein Drittel des Risikos der Teilnehmern ohne einen einzigen gesunden Lebensstilfaktor“, so Jousilahti. „Selbst wer ein bis drei gesunde Lebensstilfaktoren aufwies, hatte ein deutlich verringertes Bluthochdruckrisiko. Zum Beispiel hatten Männer mit zwei gesunden Lebensstilfaktoren ein fast halbiertes Bluthochdruckrisiko, bei Frauen betrug die Reduktion fast ein Drittel.“

Lebensstil-Änderung als Behandlungsoption



Die Schlussfolgerung des Forscherteams: „Unsere Studienergebnisse sollten sich auch auf die Behandlung von Bluthochdruckpatienten anwenden lassen, die ihren Blutdruck durch die Beeinflussung von vier Lebensstilfaktoren alleine senken könnten, oder gleichzeitig blutdrucksenkende Medikamente einnehmen.“

Zu Studienbeginn wurde Rauchen als fünfter Lebensstilfaktor berücksichtigt. Obwohl Rauchen ein wesentlicher Risikofaktor für Herzkreislaufkrankheiten ist, war es in der finnischen Studie nicht mit der Entwicklung von Bluthochdruck assoziiert und wurde deshalb in der Datenauswertung nicht berücksichtigt.

"Lebensstil ist Lebenseinstellung"



„Eine Massage dieser Studie ist, dass der „Lebensstil“ eben eine Lebenseinstellung ist und keine kurz- oder mittelfristige Maßnahme - daher auch die langen Beobachtungszeiten der finnischen Studie“, so Prof. Dr. Thomas Stefenelli, Vorstand der 1. Medizinische Abteilung des Kaiserin Elisabeth-Spitals in Wien. „Dahinter stehende Fragen sind zum Beispiel: Findet jemand in der körperlichen Betätigung eine persönliche Befriedigung, bereitet jemandem der maßvolle und kontrollierte Genuss von Nahrungsmitteln oder Alkohol mehr Befriedigung als der exzessive und unkontrollierte Konsum? Fitnesstraining und Askese, die man nur lustlos und widerwillig der „Gesundheit“ zuliebe betreibt, können da wohl nicht die Antwort sein.

Ein Ziel einer Gesellschaft könnte es sein, entsprechende Werte zu betonen und zu vermitteln und den Boden für einen positiven Zugang zu schaffen bzw. auszubauen. Es geht darum, ein geistig und körperlich aktives Leben frühzeitig positiv zu besetzen, Interesse dafür zu wecken und zu fördern, und die entsprechenden Voraussetzungen dafür zu schaffen. Dazu gehören Schulsport, körperliche Aktivitäten in Betrieben, das frühzeitige Erlernen was gesunde und wohlschmeckende Nahrung ist und wie man kontrolliert isst. Hier ist nicht nur der Einzelne gefordert, sondern auch die Gesellschaft und die Politik.“


Quelle: Lifestyle traits predict the development of hypertension: a large prospective population-based cohort study in Finland
P. Jousilahti1, Y. Wang1, G. Hu1, J. Tuomilehto1, R. Antikainen1, 1National Institute for Health and Welfare-THL - Helsinki - Finland

ESC 2012: Europäischer Kardiologenkongress München

25. bis 29. August 2012

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben