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Innere Medizin 23. Mai 2012

Vitamin D substituieren?

Ermutigende Studienergebnisse bei Hochdruck-Patienten.

In einer dänischen Doppelblindstudie senkten Hypertoniker signifikant ihren zentralen Blutdruck, wenn sie in den Wintermonaten Vitamin D substituierten.

Nach den Befunden von mehreren Beobachtungsstudien ist Bluthochdruck deutlich mit einem schlechten Vitamin-D-Status assoziiert. Experten gehen davon aus, dass ein Vitamin-D-Mangel die Entwicklung einer Hypertonie begünstigt, wenngleich die Mechanismen noch nicht ganz verstanden sind. Erst kürzlich fand eine Analyse von NHANES-Daten einen signifikanten Zusammenhang zwischen der kardiovaskulären Mortalität von Hypertonikern und dem Vitamin-D-Spiegel.

Nun stellt sich die Frage, ob Hochdruckpatienten von einer Vitamin-D-Substitution profitieren können. Eine erste Antwort gibt eine kleine, aber doppelblinde und placebokontrollierte Interventionsstudie aus Dänemark, deren Ergebnisse kürzlich auf der Jahrestagung der European Society of Hypertension vorgestellt wurden. (Larsen T., et al.; Vitamin D Supplementation during Winter Month Reduces Central Blood Pressure in Patients with Hypertension. J. Hypertension 2012; 30 (e-Suppl A): e103).

An der Studie nahmen 130 Hypertonie-Patienten teil, von denen 112 für die Auswertung zur Verfügung standen. Die Hälfte der Patienten nahm im Winterhalbjahr über 20 Monate Cholecalciferol in einer Dosierung von 3000 IU ein.

Wie sich zeigte, führte diese Substitution zu einer signifikanten Erhöhung der Vitamin-D-Spiegel (um 62 nmol/l, p < 0,001) und des Kalziums sowie zu einer Suppression von p-PTH. Dies resultierte zwar nicht, wie erhofft, in einer Senkung des 24-Stunden-Blutdrucks, wohl aber in einer Reduktion sowohl der Blutdruckwerte bei Messung in der Sprechstunde als auch des zentralen Blutdruckes (um 6,8/1,7 mmHg). Bei ausschließlicher Betrachtung jener 92 Patienten, die einen Vitamin-D-Mangel aufwiesen, führte die Vitamin-D-Substitution auch zu einer Senkung der 24-Stunden-Blutdruckwerte um durchschnittlich 3,7/2,7 mmHg, was an der Grenze zur statistischen Signifikanz lag.

„Als Kliniker verlasse ich mich lieber auf die Werte der Blutdrucklangzeitmessung als auf den zentralen Blutdruck“, erklärte Studienautor Dr. Thomas Larsen vom Holstebro Hospital. Allerdings verwies er darauf, dass die Studie doch sehr klein war und alle Ergebnisse in die richtige Richtung deuteten. Nun sollten größere Studien mit längerer Beobachtungsdauer starten.

Vitamin-D-Mangel häufig

Häufiger auf Vitamin D zu testen und entsprechende Defizite auszugleichen, das scheint auf jeden Fall eine gute Idee. Dies zeigt schon die Tatsache, dass 92 der 130 Studienpatienten einen Vitamin-D-Mangel aufwiesen, obgleich in Dänemark generell empfohlen wird, dass über 70-Jährige täglich 800 IU Vitamin D für die Knochengesundheit einnehmen sollen.

 

springermedizin.de/de, Ärzte Woche 21 /2012

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