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Foto: photos.com / Ärzte-Woche-Montage
 
Innere Medizin 9. November 2011

Aktualisierte Hypertonie- Leitlinien

Die Langzeit-Blutdruckmessung erhält erstmals Vorrang in der Diagnostik der Hypertonie.

Die ambulante Langzeitblutdruck-Messung (ABDM) sowie die Selbstmessung der Patienten zu Hause spielen zunehmend eine größere Rolle bei der Diagnose und Behandlung des Bluthochdrucks. Die neuen NICE Hypertonie-Leitlinien tragen dem nun Rechnung: die ABDM wird erstmals als diagnostische Methode der Wahl zur Sicherung der Diagnose Bluthochdruck empfohlen.

 

Jahrzehntelang galt die Blutdruckmessung in der Praxis als Grundlage zur Hypertoniediagnostik. Eines der Probleme dabei – die Praxis- oder Weißkittelhypertonie mit erhöhten Werten in der Praxis, jedoch normalen im Alltag – führt zu unnotwendiger Antihypertensiva-Verschreibung. Im Gegensatz dazu bleibt die maskierte Hypertonie oft unerkannt, da diese Patienten in der Praxis Normalwerte aufweisen, im Alltag aber überhöhte. Diese Patienten erhalten daher oft keine adäquate Behandlung. Messungen in der Ordination alleine ermöglichen daher keine optimale Betreuung von Patienten mit Bluthochdruck.

Langzeit-Blutdruckmessung spart auch Geld

Eine Analyse britischer Forscher von der Universität Birmingham hat ergeben, dass die ABDM auch eine kosteneffektive Maßnahme zur Diagnostik von Bluthochdruck ist. Diese Untersuchung wurde unter anderen vom National Institute of Health and Clinical Excellance (NICE) finanziert. Dabei wurden in einer Modellrechnung die Kosten von drei diagnostischen Strategien nach initial erhöhten Blutdruckwerten über 140/90 mmHg verglichen. Dazu gehörten Blutdruckmessungen in der Klinik (monatlich über drei Monate), Blutdruckselbstmessung der Patienten zu Hause (über eine Woche) und ABDM über 24 Stunden.

Die Forscher bestimmten des Weiteren die Lebenszeitkosten von Hypertonie-Patienten im Alter über 40 Jahre, und zwar von Diagnose, antihypertensiver Therapie und dem Management resultierender kardiovaskulärer Erkrankungen. Zudem wurden die Kosteneffektivität der diagnostischen Strategien und Unterschiede bei Qualitäts-adjustierten Lebensjahren (QUALY) bestimmt.

Die ABDM erwies sich im Vergleich bei Männern und Frauen auf jeder Altersstufe als die kosteneffektivste Strategie zur Diagnostik einer Hypertonie. Dies sei vor allem auf die Vermeidung von Fehldiagnosen und entsprechend verbesserte Möglichkeiten einer adäquaten antihypertensiven Therapie als Folge der höheren diagnostischen Treffsicherheit der Methode zurückzuführen, so die Forscher. Zudem ergab sich für die Methode eine kleine, aber statistisch signifikante Verbesserung der QUALY.

Empfehlung der ABDM in den aktualisierten Leitlinien

Ende August 2011 hat das NICE die gemeinsam mit der British Hypertension Society (BHS) erarbeiteten aktualisierten Hypertonie-Leitlinien vorgestellt. Zu den „key priorities“ für die Umsetzung in der Praxis zählt jetzt die Empfehlung: Wenn der in der Praxis oder Klinik gemessene Blutdruck bei 140/90 mmHg oder höher liegt, sollte die ABDM angeboten werden, um die Diagnose Hypertonie zu bestätigen.

 

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