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Kardiologie 1. Juni 2016

Eiweiß einsparen

Aminosäurespiegel könnte Herzinfarkt- und Diabetesrisiko anzeigen: Grazer Forscher erkannten den Zusammenhang zwischen Leucin und Valin und kardiometabolischem Risiko – auch in Sportler-Nahrungsergänzung.

Wer Muskeln aufbauen will, braucht dazu auch Eiweiß. Die verzweigtkettigen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin, die auch in der Nahrungsergänzung von Sportlern Anwendung finden, sind für Muskeln eine wichtige Energiequelle und sorgen für bessere Versorgung mit Proteinen – aber nicht nur. Sie tauchen auch im Zusammenhang mit kardiometabolischen Risiken auf, wie Grazer Forscher erkannt haben.

Stark übergewichtige Personen haben höhere Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Dennoch können einige Fettleibige kardiologisch und metabolisch gesund bleiben und Normalgewichtige eine kardiovaskuläre Erkrankung entwickeln. Um individuelle Risikoprofile besser zu erkennen, ist ein Forscherteam um Harald Mangge vom klinischen Institut für medizinische und chemische Labordiagnostik der Med-Uni Graz der Frage nachgegangen, welche Parameter neben Blutdruck und -fett sowie Blutzuckerverteilung als Indikator für einen späteren Schlaganfall, Diabetes oder einen Herzinfarkt herangezogen werden könnten.

In internationalen Vorgängerstudien war man bereits auf fünf Aminosäuren gestoßen, die in Zusammenhang mit der Entwicklung von Diabetes gebracht werden. Erhöhte Werte der verzweigtkettigen Aminosäuren Isoleucin, Leucin, Valin, Tyrosin und Phenylalanin würden demnach ein erhöhtes Risiko auf einen späteren Typ-2-Diabetes anzeigen. Bei dieser Aminosäuregruppe setzte nun auch das Grazer Forscherteam an.

Insgesamt wurden in der steirischen STYJOBS/EDACTA-Kohorte 650 junge Erwachsene mit Body-Mass-Index von normalgewichtig, übergewichtig und adipös und verschiedenen kardiometabolischen Werten (Blutdruck, Glukose, Insulinresistenz, Triglyzeride und Cholesterin) in Hinblick auf ihr Aminosäureprofil untersucht. Ihre metabolische Gesundheit wurde durch ein eigens entwickeltes Bewertungssystem ermittelt.

„In der jugendlichen Altersgruppe waren bei den metabolisch ungesunden Normalgewichtigen und den metabolisch ungesunden fettleibigen Probanden die Serumspiegel von Valin und insbesondere Leucin erhöht“, erläuterte Mangge das zentrale Studienergebnis. „Wir haben in unserer Studie gesehen, dass Leucin mit kardiovaskulären Risikofaktoren vergesellschaftet ist.“

Warnung vor unkontrollierter Zufuhr

Was der erhöhte Leucin-Wert genau reflektiert, könne jedoch noch nicht gesagt werden. Aus Mangges Sicht könnten sie ein Indikator sein, „dass sich etwas Ungünstiges anbahnt, sie könnten aber auch kompensatorisch wirken“. Zur Einnahme der Aminosäuren in der Sportler-Nahrungsergänzung sagte Mangge: „Wir wissen noch nicht so richtig, was man mit einer Leucin-Substitution alles auslösen kann. Wir warnen vor einer unkontrollierten Zufuhr.“

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