zur Navigation zum Inhalt
 
Kardiologie 1. Februar 2016

Zu viel Harnsäure: Kein Bezug zu KHK und Diabetes?

Mendel-Randomisierung soll Bedeutung des Harnsäurespiegels klären.

Ob zu viel Harnsäure im Blut zur Entwicklung kardiometabolischer Erkrankungen beiträgt, wird kontrovers diskutiert. Forscher haben jetzt versucht, mithilfe genetischer Daten die Kausalität zu klären. Ihre Ergebnisse sprechen gegen einen ursächlichen Zusammenhang.

Hinweise, dass nicht nur Gicht, sondern auch eine asymptomatische Hyperurikämie mit einer erhöhten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität assoziiert ist, gibt es aus epidemiologischen Studien zur Genüge. Solche Studien zeigen auch, dass Hyperurikämie und Gicht als Komponente des metabolischen Syndroms häufig mit Hypertonie, Typ-2-Diabetes und Adipositas vergesellschaftet sind – alles Faktoren, die wesentlich zur Erhöhung des kardiovaskulären Risikos beitragen.

Bislang ist nicht klar, ob erhöhte Harnsäurespiegel lediglich ein Marker für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko sind oder diese Risikoerhöhung selbst ursächlich befördern. Beweisen lässt sich eine Kausalbeziehung durch große randomisierte kontrollierte Interventionsstudien. Nach solchen Studien sucht man derzeit vergeblich.

Als Methode, um bereits auf Basis nicht randomisierter Beobachtungsstudien möglichen kausalen Beziehungen zwischen Variablen und bestimmten Erkrankungen auf die Spur zu kommen, erfreut sich die Mendel-Randomisierung zunehmender Beliebtheit. In indirekter Form wird damit eine randomisierte Interventionsstudie quasi „natürlich“ imitiert.

In genomweiten Assoziationsstudien konnten zahlreiche DNA-Varianten – auch Single Nucleotide Polymorphisms (SNP) genannt – identifiziert werden, welche die Ausprägung der Harnsäure im Blut genetisch determinieren. Die Randomisierung erledigt die Natur, die in der Meiose für eine Zufallsverteilung dieser Genvarianten sorgt.

Eine Forschergruppe aus Philadelphia hat sich in einer aktuellen Studie der Methode der Mendel-Randomisierung bedient, um zu klären, ob erhöhte Harnsäurespiegel von kausaler Bedeutung für Typ-2-Diabetes, KHK, ischämische Schlaganfälle und Herzinsuffizienz sind. Die Gruppe wählte insgesamt 28 SNPs aus, die zuvor als relevant für den Harnsäurespiegel identifiziert worden waren. Daraus wurden 14 SNPs selektiert, die ausschließlich mit dem Harnsäurespiegel und nicht noch mit anderen Merkmalen assoziiert waren; aus diesen harnsäurespezifischen SNPs wurde dann ein genetischer Risikoscore (GRS) gebildet und in Bezug zu den genannten Erkrankungen gesetzt.

Ergebnis: Es konnte weder für einzelne SNPs noch für den daraus gebildeten GRS eine Assoziation mit den analysierten Erkrankungen nachgewiesen werden. Die Studienautoren werten dies als Evidenz, die gegen eine kausale Beteiligung der Hyperurikämie an der Entwicklung kardiometabolischer Erkrankungen spricht.

springermedizin.de, Ärzte Woche 5/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben