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Herzstolpern: In den meisten Fällen muss sich der Patient keine Sorgen machen.
 
Kardiologie 1. Februar 2016

Herzklopfen – das ist zu tun!

So können Ärzte bei Palpitationen auf Nummer sicher gehen.

Der Patient klagt über „Herzstolpern“: Wie gehen Sie nun vor? Reichen klinische Untersuchung, Bluttests und EKG, oder empfiehlt sich die Überweisung an den Facharzt? Zwei britische Kardiologen geben nützliche Praxistipps, vor allem auch für das Patientengespräch.

Beim einen flattert’s in der Brust, beim anderen „setzt das Herz aus“, „rast“, „hämmert“ oder „stampft“. Wenn Patienten Palpitationen schildern, empfiehlt es sich, genau nachzufragen: Informationen über die Frequenz und Regelmäßigkeit des „Herzklopfens“, darüber, bei welcher Gelegenheit und wie oft es auftritt, wie lange es anhält und ob es sich provozieren bzw. stoppen lässt, können entscheidende Hinweise auf die Ursache geben.

Patienten trommeln lassen

Als Hilfestellung raten Prof. Chris P. Gale, Universität Leeds, und Prof. John Camm, St. George’s University of London, den Patienten den Rhythmus auf den Tisch klopfen zu lassen. Pausen in der Schlagfolge („Aussetzer“) deuten auf Extrasystolen hin. Bei unregelmäßigen Schlägen liegt der Verdacht auf ein Vorhofflimmern nahe. Und bei sehr schnellem Klopfen ist es möglicherweise eine Tachyarrhythmie.

Auch die Frage, was der Patient tut, wenn die Palpitationen auftreten, kann weiterhelfen: Ignoriert er sie? Legt er sich hin? Fällt er dabei gar in Ohnmacht? Im letzten Fall ist die Überweisung an einen Herzspezialisten dringend angezeigt. Gleiches gilt, wenn die Beschwerden auftreten, während der Patient sich anstrengt. Hier liegt laut Gale und Camm der Verdacht auf eine Kardiomyopathie, eine myokardiale Ischämie oder eine Störung an den Ionenkanälen nahe.

Oft berichten Patienten, dass es ihnen kurz „den Atem verschlägt“ oder sie husten müssen. Beides weist auf harmlose Extrasystolen hin. Dagegen kann anhaltende Atemnot ein Zeichen einer Herzinsuffizienz oder einer Minderdurchblutung des Herzmuskels sein. Ein Warnsignal sind auch Brustschmerzen während der Palpitationen; sie können eine koronare Herzkrankheit oder eine Tachyarrhythmie anzeigen.

Kann der Patient die Palpitationen durch bestimmte Manöver beenden, beispielsweise indem er hustet, den Atem anhält oder bei zugehaltener Nase und Mund ausatmet und dabei die Bauchmuskeln anspannt (Valsalva-Manöver), spricht das für eine paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie.

Was man in jedem Fall abklären sollte, sind Risikofaktoren wie übermäßiger Alkoholkonsum oder Drogenmissbrauch. Aber auch vom Arzt verschriebene Medikamente wie Beta-Agonisten, Antimuskarinika, Theophyllin oder Klasse-1-Antiarrhythmika (Flecainid, Disopyramid) können das Herz zum Stolpern bringen, ebenso bestimmte Antibiotika (Erythromycin, Moxifloxacin). Und schließlich können vor allem neu aufgetretene Extrasystolen auch durch Stress in der Arbeit, schlechten Schlaf oder einen fieberhaften Infekt ausgelöst sein.

Wann Sie überweisen sollten

In die Hände eines Facharztes gehört der Patient den Experten zufolge, wenn folgende Punkte zutreffen:

• begleitende Symptome wie Schwindel oder Brustschmerzen,

• wiederkehrende anhaltende Tachyarrhythmien, Vorhofflimmern oder -flattern,

• Zeichen oder Symptome einer strukturellen Herzerkrankung, einer Hypertonie oder einer Herzinsuffizienz; dazu gehören z. B. Herzgeräusche, ein Galopprhythmus, ein erhöhter Jugularvenendruck (hervortretende Jugularvenen bereits im Stehen oder Sitzen) oder geschwollene Knöchel;

• eindeutige Hinweise auf eine paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie wie der plötzliche Beginn und Stopp eines schnellen regelmäßigen Herzschlags, wenn Langzeit-EKGs mehrfach ohne Ergebnis geblieben sind, sowie

• ein auffälliges 12-Kanal-EKG.

Hier wird es ernst

Zur dringlichen Klinikeinweisung wird geraten, wenn

• die Palpitationen unter körperlicher Belastung auftreten,

• eine Assoziation mit Synkopen oder Präsynkopen besteht,

• bereits ein Fall eines plötzlichen Herztodes in der Familie aufgetreten ist oder eine erbliche Herzerkrankung vorliegt,

• das 12-Kanal-EKG einen zweit- oder drittgradigen AV-Block aufweist.

Dem Patienten gegenüber sollte man offen, aber auch beruhigend auftreten. „Erklären Sie, was Palpitationen sind, wie sie entstehen und bei welchen Anzeichen Sie den Patienten an einen Kardiologen überweisen würden“, schreiben Gale und Camm.

Gerade bei Patienten mit Extrasystolen solle man sich Zeit für dieses Gespräch nehmen; dies trage zur Beruhigung bei. Dabei solle man aber auch deutlich machen, dass unter bestimmten Bedingungen zusätzliche Untersuchungen nicht erforderlich sind.

springermedizin.de, Ärzte Woche 5/2016

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