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Dr. Christian Ebner, Leiter des Departments Kardiomyopathie und Herzinsuffizienz, Krankenhaus der Elisabethinen, Linz

© Miriam Dörr / fotolia.com

Hausärzte und Hauskrankenpflege können eine klinische Verschlechterung bei einem Patienten frühzeitig erkennen.

 
Kardiologie 2. Februar 2015

Mit weniger Ressourcen mehr Menschen betreuen

Innovatives Pilotprojekt soll Versorgung von Herzschwäche-Patienten verbessern.

Ein oberösterreichisches Pilotprojekt soll zeigen, wie durch strukturiertes Kooperieren von Hauskrankenpflege, Haus- und Fachärzten sowie Spezialeinrichtungen in Krankenhäusern die Lebensqualität von Patienten mit Herzinsuffizienz erhöht und die Häufigkeit von Spitalsaufenthalten reduziert werden kann.

Mehr als 40.000 Oberösterreicher sind an Herzschwäche (Herzinsuffizienz, HI) erkrankt. Derzeit liegt das Bundesland bei den Spitalseinweisungen und der Aufenthaltsdauer von HI-Patienten deutlich über dem österreichischen Durchschnitt. HI bedeutet schlechte Lebensqualität und bei der fortgeschrittenen Form der Erkrankung eine Fünf-Jahres-Sterblichkeit, die höher ist als bei den meisten Krebsformen. Auf dem Kongress „Herzinsuffizienz Update 2014“ im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz diskutierten Experten, wie die Patientenbetreuung optimiert werden kann.

Bessere Versorgung mit Disease Management Programmen

„Die hohe Mortalität nach der Diagnose Herzinsuffizienz müsste nicht sein. Wir haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte in Diagnose und Therapie gemacht und können Lebensqualität und Lebenserwartung der Betroffenen verbessern“, so der Kardiologe und Tagungsorganisator Dr. Christian Ebner vom Krankenhaus der Elisabethinen, Linz. „Allerdings müssen diese Möglichkeiten bei den Patienten auch tatsächlich ankommen. Und das tun sie in Oberösterreich offenbar nicht immer in ausreichendem Maß.“ Statistik Austria-Daten zufolge liegt in Oberösterreich die Spitaleinweisungsrate von HI-Patienten mit 4,07 pro 1.000 Einwohner deutlich über dem Österreich-Durchschnitt von 3,1.

Das ist auch deshalb problematisch, weil damit vermeidbare Kosten entstehen, sagt Ebner: „Zwei Drittel der Behandlungskosten, die heute für die Herzinsuffizienz aufgewendet werden, entfallen auf Spitalskosten. Es gibt Möglichkeiten, mit weniger Ressourcen mehr Menschen besser zu versorgen. Voraussetzung dafür sind kreative Zugänge, um Spitäler zu entlasten und Betroffene wohnortnahe zu betreuen. Strukturierte Disease Management Programme (DMP) zeigen, wie sich das realisieren lässt.“

Die positiven Effekte solcher vernetzten Programme, wie sie auch die Europäische Gesellschaft für Kardiologie für die HI-Versorgung empfiehlt, wurden in zahlreichen Studien klar nachgewiesen. Ebner: „Die Therapieerfolge sind in solchen Programmen, in denen Abläufe und die Kooperation aller Beteiligten klar definiert ist, besser als bei der herkömmlichen Betreuung. Die Lebensqualität der Betroffenen steigt, ihre Sterblichkeit sinkt. Auch die gerade im Rahmen der österreichischen Gesundheitsreform angestrebte Entlastung des stationären Bereichs würde damit gefördert.“

Engmaschige Betreuung durch Vernetzung

So ein DMP-Konzept hat jetzt die „Projektgruppe Herzinsuffizienz Oberösterreich“ unter der Begleitung von Fine Facts Health Communication entwickelt, der Kardiologen aus dem stationären und niedergelassenen Bereich, Allgemeinmediziner, diplomierte Pflegepersonen und Vertreterinnen von Hauskrankenpflegediensten angehören.

„Alle Partner im Betreuungsprozess, also neben den Patienten auch deren Angehörige, mobile Pflegedienste, Hausärzte, niedergelassene Fachärzte und Spezialisten im Krankenhaus sind in die strukturierte Versorgung eingebunden. Wir bauen also im Wesentlichen auf bestehenden Strukturen auf“, so Dr. Erwin Rebhandl, Allgemeinmediziner in Haslach, Vorstandsmitglied der OBGAM und Mitglied der Projektgruppe. „Wesentlich dabei ist, dass sehr klar definiert ist, wer wann welche Betreuungs- und Behandlungs-Maßnahmen setzt, um der individuellen Situation zielgenau gerecht zu werden.“

Das entspreche auch den Zielsetzungen der aktuellen Gesundheitsreform in Bezug auf Patienten-Fokussierung und „Best Point of Service“. Das Ziel sei, so Rebhandl, „die Betroffenen im Umgang mit ihrer Erkrankung zu unterstützen, Verschlechterungen des Gesundheitszustands früh zu erkennen, im Bedarfsfall die Therapie zu optimieren, Auffälligkeiten rasch gegenzusteuern und bei all dem dafür zu sorgen, dass das auf der jeweils dafür am besten geeigneten Versorgungsebene erfolgt.“

In der kontinuierlichen Grundbetreuung sind vor allem der koordinierende Hausarzt und die Hauskrankenpflege-Dienste gefordert. Letztere unterstützten die HI-Patienten im Alltag in ihrer häuslichen Umgebung, was auch die Therapietreue fördert. In diesem Rahmen können Anzeichen einer möglichen Verschlechterung des Gesundheitszustands frühzeitig identifiziert werden, und es kann nötigenfalls rasch medizinische Hilfe durch Allgemeinmediziner oder Kardiologen eingeleitet werden. Intensivere Kontrollen in größeren Abständen, für die eine spezielle Infrastruktur nötig ist, werden in der Regel beim niedergelassenen Internisten/Kardiologen oder in den spezialisierten Krankenhausambulanzen erfolgen.

„Der Hausarzt spielt in diesem Modell eine zentrale Rolle. Und vor allem die Achse zwischen Hausarzt und niedergelassenen Internisten ist wichtig, um bei einer klinischen Verschlechterung eines Patienten eine rasche Diagnostik einzuleiten“, sagt Dr. Herbert Hackl, niedergelassener Internist in Attnang-Puchheim und ebenfalls Mitglied der Projektgruppe. „Die Spezialisten im Krankenhaus wiederum sind die Anlaufstelle, wenn Intensivbehandlungen notwendig sind, und stehen generell im Bedarfsfall mit ihrer spezialisierten Expertise den niedergelassenen Ärzten als Ansprechpartner zur Verfügung. Durch die Vernetzung der vorhandenen Ressourcen ermöglicht das strukturierte, ambulante und wohnungsnahe Betreuungsmodell, an Herzinsuffizienz erkrankte Patienten möglichst lange im ambulanten Setting belassen und somit die für diese Erkrankung geradezu charakteristisch hohe Rehospitalisierungsrate zu reduzieren.“

Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist es, so Dr. Rebhandl, die Patienten selbst zu befähigen, mit ihrer schweren chronischen Erkrankung umzugehen: „Intensive Patientenschulungen und das Führen eines Patiententagebuchs sind in unserem Konzept wichtige Maßnahmen, um Betroffene bei der aktiven Auseinandersetzung mit ihrer Erkrankung und in ihrer Therapietreue zu unterstützen und sie für Veränderungen ihres Gesundheitszustands zu sensibilisieren.“

Pilotprojekte in den Regionen Linz, Vöcklabruck und Rohrbach

Zunächst soll im Rahmen eines Pilotprojekts in den Regionen Linz, Vöcklabruck und Rohrbach die Machbarkeit dieses umfassenden Betreuungskonzepts, die Akzeptanz durch alle Beteiligten und der konkrete Nutzen getestet werden. „Wir sind zuversichtlich, dass wir in einer dieser Pilotphasen sehr klar zeigen können, wie sich mit so einer strukturierten Versorgung die Rehospitalisierungsrate verringern und gleichzeitig die Lebensqualität der Patienten steigern lässt“, so. Ebner.

Die Chancen für eine Umsetzung stehen nicht schlecht: Die Arbeitsgruppe „Best Point of Service“, der das Land Oberösterreich und die OÖ Gebietskrankenkasse angehören, wird sich in ihrer nächsten Sitzung mit dem Projekt befassen und über eine mögliche Finanzierung entscheiden.

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