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Von einer diastolischen Funktionsstörung sind vor allem ältere Frauen betroffen, die häufig an Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht leiden.
 
Kardiologie 11. Oktober 2013

Den steifen Ventrikel behandeln

Obwohl die diastolische Herzinsuffizienz mit einer sehr schlechten Prognose assoziiert ist, steht bislang keine anerkannte medikamentöse Therapie zur Verfügung. Eine Wiener Studie liefert neue Erkenntnisse.

Für Patientinnen und Patenten mit Herzinsuffizienz und erhaltener Ventrikelfunktion könnte jetzt erstmals eine wirksame Therapie zur Verfügung stehen. Das zeigt eine aktuelle Studie, die in Amsterdam präsentiert wurde. Den Ergebnissen zufolge führt die Substanz Riociguat bei Betroffenen zu einer deutlichen Verbesserung der Herzpumpfunktion und zu einer Verkleinerung des rechten Ventrikels, berichtete Studienleiterin Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Diana Bonderman, Universitätsklinik für Innere Medizin II, MedUni Wien/AKH Wien.

„Betroffen von einer diastolischen Funktionsstörung sind vor allem ältere Frauen, die häufig an Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht leiden. Typisch sind Symptome wie Atemnot bei Belastung und in fortgeschrittenen Stadien auch Ödeme in den Beinen und der Lunge“, so Prof. Bonderman. „Leider machen diese Patientinnen oft die Erfahrung, mit ihrem Leiden nicht ernst genommen zu werden. Ihre Beschwerden werden mit dem Hinweis auf das Übergewicht abgetan.“ Bedauerlicherweise fehle nicht nur das Bewusstsein für diese Erkrankung, die mit eingeschränkter Lebensqualität und verminderter Lebenserwartung einhergeht, sondern bisher sei auch keine Therapie zur Verfügung gestanden, so die Expertin.

Das könnte sich jetzt ändern. Die in der aktuellen Studie untersuchte Substanz Riociguat gehört zu einer neuen Substanzklasse von Vasodilatoren. Dr. Bonderman: „Gleichzeitig scheint sie auch das Herz elastischer zu machen. Das Medikament wurde bereits erfolgreich gegen Lungenhochdruck eingesetzt.“

In der in Amsterdam präsentierten Studie wurde in fünf Zentren in Österreich, Deutschland und der Tschechischen Republik das Präparat erstmals bei 36 Patientinnen und Patienten mit diastolischer Funktionsstörung getestet. Die Studienteilnehmer erhielten eine Tablette Riociguat oder Placebo. „Die Substanz wurde ähnlich gut vertragen wie Placebo, allerdings zeigte sich im Hinblick auf die Wirksamkeit ein eindeutiger Unterschied zugunsten der aktiven Therapie“, so Prof. Bonderman.

Auf Basis der Ergebnisse dieser in Österreich konzipierten Studie soll das Präparat nun in weiteren Testphasen in groß angelegten internationalen Untersuchungen erprobt werden. Prof. Bonderman: „Ab kommendem Herbst steht auch das AKH Wien als Studienzentrum zur Verfügung und kann betroffenen Patienten über den Weg der Studienteilnahme den Zugang zu dieser Substanz eröffnen.“

Patienten mit diastolischer Funktionsstörung werden an der Abteilung für Kardiologie im Wiener Allgemeinen Krankhaus seit geraumer Zeit in einer Spezialsprechstunde betreut. Die klinisch-akademische Anlaufstelle wurde von Prof. Dr. Diana Bonderman in Kollaboration mit Prof. Dr. Irene Lang und Prof. Dr. Julia Mascherbauer gegründet. Die drei Kardiolginnen haben sich zum Ziel gesetzt, nicht nur die Mechanismen und den natürlichen Verlauf der Krankheit zu erforschen, sondern auch, das Bewusstsein für die diastolische Dysfunktion als Ursache für limitierende Beschwerden und eine mitunter stark reduziert Lebensqualität zu steigern.

 

 

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