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© Pölzl
Univ. Doz. Dr. Gerhard Pölzl
 
Telemedizin 4. Juni 2013

Herzinsuffizienz – Interdisziplinarität im Mittelpunkt

Die Dreiländer-Tagung Herzinsuffizienz in Innsbruck war ein voller Erfolg.

Cardio News AUSTRIA sprach mit dem Tagungsorganisator Univ.-Doz. Dr. Gerhard Pölzl über sein Erfolgsrezept und neue Entwicklungen in der Therapie und Betreuung von Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz.

 

Was waren die wichtigsten Programmpunkte der Tagung?

Pölzl: Inhaltlich große Themenblöcke waren die Genetik in der Kardiologie, die Problematik der minimalinvasiven Klappeninterventionen und die Fortschritte bei den Herzunterstützungssystemen. Vom Ablauf her haben wir versucht die aktuellen Entwicklungen nicht nur wissenschaftlich, sondern auch praxisrelevant zu beleuchten, in Workshops, die sehr gut angekommen sind.

Zum Thema Herzunterstützungssysteme - was tut sich da gerade?

Pölzl: Diese Art der Therapie entwickelt sich explosionsartig. Hat man linksventrikuläre Assist Devices früher hauptsächlich als Bridging eingesetzt, werden sie immer öfter als endgültige Therapie verwendet. In Wien werden schon mehr Unterstützungssysteme implantiert als Herzen transplantiert. Möglich wurde diese Entwicklung dadurch, dass die Systeme immer besser funktionieren, kaum mehr Komplikationen auftreten und die Pumpen mittlerweile relativ klein sind. Bei rechtzeitiger Implantation sind die Überlebenszahlen hoch, die Patienten haben eine gute Lebensqualität. Optimierungsbedarf besteht noch seitens der Energieversorgung. Es wird intensiv daran geforscht, eine transkutane Aufladung der Akkus zu ermöglichen. Sollte dies gelingen, fällt die wesentlichste Komplikation, die Infektion, weg, da keine Verbindung nach außen mehr nötig ist. Die Patienten sind dann voll mobil und können mit dem „Ding“ sogar schwimmen gehen.

Was vermag die Telemetrie bei Patienten mit Herzinsuffizienz zu leisten?

Pölzl: Ambulante Versorgungsstrukturen in diesem Bereich sind sehr wichtig. Hauptziel dabei ist, die Wiederaufnahmerate zu reduzieren, Kosten zu sparen und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Ein solcher Ansatz ist das Projekt „Herz-Mobil-Tirol“. Es sieht vor, Patienten, die nach einer akuten Dekompensation aus der stationären Behandlung entlassen werden, durch ein Hybrid-System - Telemetrie plus geschulte Krankenschwerster - zu Hause so zu bereuen, dass die Einnahme der Medikamente gewährleistet ist und etwaige Anzeichen einer neuerlichen Dekompensation frühzeitig erkannt werden. Bei Patienten nach akutem Myokardinfarkt und Stent-Implantation ist ein ähnliches Projekt in Planung. Die Betroffenen werden mit einer telemetrischen Einheit versorgt, um innerhalb von 6 Wochen bestimmte Zielwerte für Herzfrequenz, Blutdruck und körperliche Aktivität zu erreichen.

Wie lautet Ihr Resümee zur Tagung?

Pölzl: Die Dreiländer-Tagung Herzinsuffizienz war in mehrerer Hinsicht sehr erfolgreich. Zum einen war die Teilnehmerzahl mit mehr als 225 Teilnehmern sehr hoch und die Hörsäle waren gesteckt voll. Auch das Ambiente, der Referentenabend fand auf der Bergisel Schanze statt, ist gut angekommen, ebenso das nicht wissenschaftliche Programm mit Vorträgen von Prof. Peter Habeler, österreichischer Bergsteiger, der mit Reinhold Messner als einer der ersten den Mount Everest ohne Sauerstoff bezwungen hat, und Olympiasieger Ernst Vetori, der aus seinem Leben als Skispringer berichtet hat. Beide haben sich oft in Grenzsituationen bewegt, genauso wie sich Ärzte und Pflegepersonal in der Betreuung von Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz oft in Grenzsituationen befinden. Ein dritter großer Erfolg der Tagung war die Grundsteinlegung eines länderübergreifenden Netzwerks zum Thema seltene Herzmuskelerkrankungen. Es soll ein prospektives Register ins Leben gerufen werden, in dem alle drei beteiligten Länder, Österreich, Deutschland und die Schweiz, Patienten eintragen, um wissenschaftlich Fragen anhand der erweiterten Fallzahl leichter beantworten zu können.

Univ. Doz. Dr. Gerhard Pölzl, leitender Oberarzt der Ambulanz für Herzinsuffizienz und Herztransplantation, Medizinische Universitätsklinik Innsbruck Klinik für Innere Medizin III

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