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Saunieren bei 60 Grad Celcius scheint auch bei Patienten mit Herzinsuffizienz eine positive Wirkung zu haben.
 
Kardiologie 13. Februar 2012

Ein Sauna-Abo fürs Herz

Flugreisen, Bergwandern und Saunieren wirken unterschiedlich auf die Herzinsuffizienz.

Aufgrund der Entwicklung in der medikamentösen Therapie befinden sich viele Patienten mit Herzinsuffizienz in einem sehr stabilen Status. Dies bedingt, dass Ärzte von den Patienten mit Fragen konfrontiert werden, auf die die Antworten nicht in den aktuellen Guidelines zu finden sind, erklärte Dr. Thomas Sturmberger, Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz.

Darf ich Bergwandern gehen, und das auch in größerer Höhe? Kann ich mit meiner Erkrankung auch Langstreckenflüge absolvieren bzw. bin ich überhaupt flugtauglich? Darf ich noch in die Sauna gehen? „Diese Fragen sollten für die Patienten zufriedenstellend beantwortet werden, weil sie mit der Lebensqualität der Patienten zu tun haben“, so Sturmberger im Rahmen eines Herzinsuffizienz-Updates im Dezember 2011 in Linz.

Bergwandern erfolgt in moderaten Höhen (1.500-2.500 m), in großen (2.500-3.500 m), sehr großen (3.500-5.500 m) und extremen (>5.500 m). In größeren Höhen droht die Gefahr einer akuten Hypoxie. Dabei kommt es über eine Aktivierung der peripheren Chemorezeptoren zunächst zu einer Aktivierung des Sympathicus und damit zu einer Erhöhung der Herzrate. Durch den Herzfrequenzanstieg erhöht sich die myokardiale Kontraktilität und auch der Blutdruck steigt.

Ein weiterer Effekt einer Hypoxie ist die pulmonale Vasokonstriktion. Außerdem kommt es zur verstärkten Ventilation und Atemtätigkeit, die wiederum zu einer respiratorischen Alkalose und einer Hypokaliämie führen können.

Pathophysiologisch steigt mit dem Sympathikotonus auch die Thrombozytenaktivierung, die zu einem akuten Koronarsyndrom und zu Arrhythmien führen kann. Durch die zunehmende Atemfrequenz kann es, besonders bei Patienten, die Schleifendiuretika einnehmen, zur Hypokaliämie kommen. Bei Patienten mit Rechtsherzdysfunktion besteht die Gefahr einer akuten Dekompensation.

Große Höhen vermeiden

Der myokardiale Blutfluss in Ruhe und bei Belastung (Ergometrie) auf Meeresebene und simulierter Höhe (Gasgemisch) war Gegenstand einer Studie. Zehn gesunde Probanden wurden einer Höhe von 4.500 Meter ausgesetzt, acht Patienten mit koronarer Herzerkrankung einer Höhe von 2.500 Meter. Es zeigte sich, dass der myokardiale Blutfluss bei den gesunden wie auch bei den kranken Probanden anstieg. Kam es darüber hinaus zu einer zusätzlichen Belastung, erhöhte sich bei den Gesunden der myokardiale Fluss, während es bei Patienten mit Herzerkrankung zu keinem Anstieg mehr kam. Bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung sind in moderaten Höhen (2.500 m) die kompensatorischen Mechanismen der Koronarperfusion ausgeschöpft und die koronare Flussreserve reduziert. Darum sollten Patienten mit reduzierter koronarer Flussreserve Höhenexpositionen über 2.500 m vermeiden (Wyss C A et al. Circulation 2003; 108:1202-1207).

In einer anderen Arbeit wurden 38 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz in drei Gruppen eingeteilt (NYHA I-III). Die Patienten wurden jeweils auf 1.000, 1.500, 2.000 und 3.000 Meter ergometrisiert. Auch bei gesunden Teilnehmern fiel die maximale Leistung bei 3.000 Meter ab, Patienten in den Stadien NYHA I und II waren relativ vergleichbar, doch im NYHA-Stadium III kam es bei 3.000 Meter zu einem Leistungsabfall von 32 Prozent (Bärtsch P, Gibbs J S R Circulation 2007;116:2191-2202).

Die Schwelle der hämodynamischen Adaptation und der spürbaren Abnahme der Leistungsfähigkeit liegt also bei etwa 2.000 Meter. Eine Höhenexposition bis 3.000 Meter ist für Patienten mit stabiler koronarer Herzerkrankung und fehlenden Zeichen einer Ischämie in der Ebene und in einem NYHA-Stadium I+II sicher. Die Kompensation des erniedrigten Sauerstoffangebots in der Höhe erfolgt über die Steigerung der Herzfrequenz, was bei Patienten mit chronotroper Inkompetenz problematisch sein könnte.

Flugreisen – Problem der Höhenexposition

Bei Flugreisen steht ebenfalls das Problem der Höhenexposition im Vordergrund. Die mediane Kabinenhöhe bei internationalen Flügen liegt bei 2.259 Meter, das entspricht einem Sauerstoffpartialdruck von 55mmHG. Es kommt zur Aktivierung des Sympathikus und einer Erhöhung des Pulmonaldrucks.

Kontraindikationen sind ein unkomplizierter Myokard-Infarkt innerhalb der letzten zwei Wochen, eine instabile Angina pectoris, eine dekompensierte Herzinsuffizienz, eine unkontrollierte arterielle Hypertonie, eine Bypass-Operation (>10-14 Tage), eine perkutane Intervention (< 2 Wochen) und eine unkontrollierte ventrikuläre Tachykardie. Patienten, die zwar fliegen dürfen, denen man aber empfiehlt, während des Fluges sich Sauerstoff zuzuführen, bedürfen meist auch am Boden des Langzeitsauerstoffes: Patienten in NYHA III-IV oder einem Sauerstoffpartialdruck (PaO2)<70 mmHG, mit Angina pectoris (CCS III), Patienten mit zyanotischen Vitien und solche mit primärer PAH.

Sauna – positive Effekte bei 60 Grad Celsius

Auch bei einem Saunagang kommt es zu zahlreichen physiologischen Reaktionen. Bei der „finnischen Sauna“ herrscht eine Temperatur zwischen 80 und 90 Grad Celsius. Nach 20 Minuten kommt es bei Gesunden zu einem Anstieg der mittleren Herzfrequenz auf 143/min und zu einer deutlichen Sympathikus-Aktivierung, sodass dies für Patienten mit Herzinsuffizienz ungeeignet ist.

In einer Untersuchung wurde daher die Temperatur auf 60 Grad Celsius reduziert. 15 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (NYHA 2,8 plusminus 0,4) wurden fünfmal pro Woche vier Wochen lang bei 60 Grad Celsius je 15 Minuten einem Saunabad ausgesetzt. Es kam zu einem Sinken des systolischen Blutdrucks (101 vs. 98 mmHG), die Herzfrequenz blieb etwa gleich, LVEF stieg von 30 auf 34 Prozent. Die Patienten waren belastbarer, der Noradrenalinspiegel sank von 40 auf 21  pg/ml, die Zeit der Hospitalisierung sank von 2,5 auf 0.6/Jahr. Außerdem traten keine Komplikationen auf, insbesondere auch keine Synkopen. (Hiromitsu, J Card Fail;2005,11,432-436).

Bezüglich Arrhythmien wurden 30 Patienten (NYHA II-III) mit einem VES ≥ 200 untersucht. 20 Probanden bekamen ein Saunabad, zehn nicht. Es zeigte sich, dass die durchschnittliche VES in der Gruppe mit dem Saunabad wesentlich geringer (848 vs. 3097, p<0.01) war und das BNP gesunken ist (Blum, Exp Clin Cardiol; 2007, Vol 12, No1). Ein Saunabad bei 60 Grad für 15 Minuten verbessert also die hämodynamischen Parameter, die klinischen Symptome, das LVEF und die endotheliale Funktion. „Wenn Sie Ihrem Patienten also etwas Gutes tun wollen, dann müssten sie ihm eine Monatskarte in einer Saunalandschaft besorgen“, so Sturmberger.

 

Quelle: Herzinsuffizienz – Update 2011, 2. Dezember 2011, Linz

Von R. Hofer , Ärzte Woche 6 /2012

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