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Geschichte 23. August 2006

Mozarts mysteriöse Maske (Narrenturm 64)

Ebenso von Mythen und Geheimnissen umgeben wie der berühmte Schädel Wolfgang Amadeus Mozarts ist die Totenmaske des Genius. Auch von dieser Bronzegesichtsmaske, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Wissenschaft, Politik und Justiz beschäftigte, besitzt die Sammlung im Narrenturm in Wien einen originalgetreuen Gipsabguss.

Sicher scheint an der ganzen Geschichte nur, dass gleich nach dem Tod Mozarts ein Gipsabdruck abgenommen wurde. Mozarts Witwe Constanze schrieb am 17. Februar 1802 an einen Verlag in Leipzig, „dass der hiesige k.k. Kämmerer Graf v. Deym, der sich vor Jahren Müller nannte und eine Kunstgalerie aus eigener Arbeit eingerichtet hat, den Kopf Mozarts gleich nach seinem Tod in Gips abgeformt hat“. Dieser Joseph Graf Deym von Stítež war eine schillernde Gestalt. Wegen eines Duells musste er in seiner Jugend von Prag in die Niederlande flüchten und begann dort Wachsfiguren herzustellen. Nach einem Aufenthalt in Neapel, wo er antike Kunstwerke abbildete und zum Günstling einer Tochter Maria Theresias wurde, kam er 1770 nach Wien. Hier eröffnete er unter dem Namen Joseph Müller am Stock-im-Eisen-Platz ein Wachsfigurenkabinett, das bald überaus beliebt war, besonders bei männlichen Besuchern, da es in dem Etablissement neben den seriösen Abgüssen antiker Statuen auch ein Extrazimmer mit erotischen Darstellungen gab. Angeblich soll sich der Ausspruch „außen hui, innen pfui“ ursprünglich auf dieses zwielichtige Panoptikum bezogen haben. Ein Sohn Mozarts schrieb 1812 an denselben Verlag wie zehn Jahre zuvor seine Mutter: „Eine zwar angefangene, aber nicht vollendete Büste meines Vaters befindet sich in Wien in dem bekannten Müller`schen Kunstkabinette.“ Als 1819 das Kunstkabinett geschlossen wurde, fand sich jedoch keine Spur einer Totenmaske oder einer Büste Mozarts unter den Objekten des Etablissements. Die Maske schien nach der – durch mehrere Berichte gesicherten – Abnahme verschwunden zu sein. Erwähnt wird die Maske noch einmal 1875. Der Anatom Josef Hyrtl, der damals auch den Schädel Mozarts besaß, stellte fest, dass sein Schädel vollständig zu der Totenmaske passe. Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte der Bildhauer Willy Kauer bei einem Trödler in Wien eine Buntmetallmaske, die er kurze Zeit später als die lang gesuchte, verschollene Totenmaske Mozarts der Öffentlichkeit vorstellte und dem österreichischen Staat, natürlich mit beträchtlichem Gewinn, verkaufen wollte.

Jahrzehntelanger Streit
Jetzt begann der kuriose Echtheitsstreit um Mozarts Totenmaske, der Politik, Justiz und Wissenschaft jahrzehntelang beschäftigen sollte. Expertenkommissionen erstellten ablehnende Gutachten, andere Experten sprachen sich für die Echtheit des Objekts aus. Gutachten und Gegengutachten wechselten einander ab. Der Trödler verklagte Kauer, weil er sich von ihm hintergangen fühlte. Kauer hatte die Maske um 100 Schilling bei ihm gekauft und nun wollte er 250.000 dafür. Da aber weder das Mozarteum in Salzburg noch die Republik Österreich die Maske für echt hielten und überhaupt nicht daran dachten sie zu kaufen, zerplatzte Kauers Traum von Geld und Ruhm. Der Echtheitsstreit, der eigentlich nie endete, zermürbte Kauer völlig. Er fühlte sich von allen betrogen. Zum Schluss machte er die Freimaurer, die seiner Meinung nach schon Mozart umgebracht hatten, für seinen gesellschaftlichen Abstieg und all seine Erniedrigungen verantwortlich. Die Maske vermachte er testamentarisch dem bei München lebenden Arzt und Mozartforscher Dr. Gunther Duda, der nie daran gezweifelt hatte, dass die Maske authentisch war. Wird sich ihre Echtheit jemals beweisen lassen? Man wird sehen.

Wolfgang Regal/Michael Nanut, Ärzte Woche 30/2006

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