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Pulmologie 5. April 2016

Forscher weisen ältesten Tuberkulosefall der Schweiz nach

Nachweis in frühmittelalterlichem Gräberfeld. Tuberkulose-Infektion hinterlässt sichtbare Spuren an den Knochen.

Anhand menschlicher Knochen aus dem Frühmittelalter konnten Forschende der Universität Bern den ältesten Tuberkulosefall der Schweiz nachweisen.

Bei Ausgrabungen im Jura kam nahe der Reste einer gallo-romanischen Villa auch ein frühmittelalterliches Gräberfeld zum Vorschein. Forschende der Abteilung für Anthropologie des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern haben die Knochenfunde analysiert, wie die Hochschule vor Kurzem mitteilte.

„Wir konnten beweisen, was schon länger vermutet worden war: Tuberkulose gab es in der Schweiz bereits im Frühmittelalter“, sagte Studienautorin Sandra Lösch von der Universität Bern gemäß der Mitteilung.

Der Befund beruht auf Analysen von Erbgut, das die Forscher aus den Überresten isolierten. Hierfür arbeiteten die Berner Wissenschaftler mit Forschenden des EURAC-Instituts zusammen, das auch die Eismumie „Ötzi“ beherbergt und auf solche Analysen spezialisiert ist. Die Ergebnisse erschienen unlängst im Fachjournal Swiss Medical Weekly. Eine Tuberkulose-Infektion, die auch das Skelett betrifft, hinterlässt sichtbare Veränderungen an den Knochen. Am deutlichsten ist ein Befall der Wirbelsäule erkennbar, da er mitunter ganze Wirbel zerstört. Die Erbinformation des Tuberkulose Erregers Mycobacterium tuberculosis konnte durch die DNA-Analysen in den frühmittelalterlichen Knochen nachgewiesen werden.

Die Erkenntnisse aus den genetischen Analysen solch alter Tuberkulose-Fälle haben indes auch einen medizinischen Nutzen: „Können Forscherinnen und Forscher alte Stämme dieser Krankheit nachweisen, vergleichen sie diese mit heutigen Fällen.“, erklärte Studienautorin Christine Cooper von der Universität Bern in der Mitteilung.

Je größr das Wissen über frühe Formen der Krankheit und ihre Entwicklung über die Jahrtausende sei, desto schneller könnten neue Ansätze zu deren Bekämpfung gefunden werden.

Die gefährliche Lungenkrankheit ist seit geraumer Zeit wieder auf dem Vormarsch, da der Erreger zunehmend unempfindlich gegenüber Antibiotika wird. Ein Hauptgrund für die Entstehung solcher multiresistenter Erregerstämme ist, dass die Tuberkulose-Therapie über mindestens sechs bis neun Monate erfolgt und teils von den Patienten nicht konsequent durchgeführt wird. In der Ukraine sprechen selbst die Behörden von einer Tuberkulose-Epidemie. Die Ex-Sowjetrepublik wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den international am stärksten betroffenen Ländern gezählt. Besonders alarmierend ist die Lage bei Erkrankungen mit mehrfach resistenten Erregern.

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