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Schnecken galten auch schon vor 15 000 Jahren in Nordafrika als Delikatesse. Schleifpartikel darin könnten dazu beigetragen haben, dass die Zähne der damaligen Jäger und Sammler abgenutzt wurden, was zu vermehrter Karies geführt haben dürfte.
 
Zahnheilkunde 31. Jänner 2014

Jäger und Sammler mit starker Karies

Schon vor 15.000 Jahren hatten Menschen in Nordafrika viele kariöse Zähne.

Die Jäger und Sammler ernährten sich unter anderem von Eicheln, Pinienkernen und Schnecken – und die waren schlecht fürs Gebiss.

Die Bevölkerung im Osten des heutigen Marokko hatte vor rund 15.000 Jahren außerordentlich stark Karies. Beinahe jedes bei Ausgrabungen gefundene Gebiss war verfault. Mehr als jeder zweite Zahn von Erwachsenen hatte mindestens eine Läsion, wie Anthropologen in den „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“) berichten. Das Team um Louise Humphrey vom Naturkundemuseum in London hatte 52 Gebisse untersucht.

Pinienkerne wirkten wie raffinierter Zucker

Normalerweise hatten Jäger und Sammler nur sehr selten Karies gehabt. Aber die Menschen in Nordafrika hätten sich vor allem von Eicheln und Pinienkernen ernährt, schreiben die Forscher. Diese enthalten den Angaben zufolge besonders viele Kohlenhydrate und sorgen für Plaque auf den Zähnen, was dann zu Karies führt. Deswegen sei die Zahnfäule so häufig gewesen wie in modernen industrialisierten Bevölkerungsgruppen, bei denen raffinierter Zucker und verarbeitetes Getreide die Zähne zerstören.

Die Überreste der Kieferknochen und Zähne gehören zur Kultur der Ibéromaurusien, die in der Mittel- und Spätsteinzeit in Nordafrika gelebt hatten. 51 Prozent der Zähne hatten der Studie zufolge Löcher und nur drei von 52 Erwachsenen keine Anzeichen für Karies.

Nach früheren Studien waren zwei bis 48 Prozent der Menschen, die Ackerbau betrieben hatten, von Karies betroffen. Bei Jägern und Sammlern hatten höchstens 14 Prozent faule Zähne.

Erosionen durch Schnecken

Dass ausgerechnet die Menschen der Ibéromaurusien-Kultur so viele kariöse Läsionen hatten wie der moderne Mensch, hatte den Forschern zufolge mehrere Gründe. Sie waren wohl keine typischen Jäger und Sammler mehr. So fanden die Forscher an der Ausgrabungsstätte Gefäße mit größeren Pflanzenresten wie Eichel-Kappen und Pinienkernen. Diese Funde sind zwischen rund 15.000 und 13.700 Jahre alt. Eicheln und Pinienkerne sind wie erwähnt reich an Kohlenhydraten, die von Kariesbakterien zersetzt werden können.Außerdem dürften die Menschen der Ibéromaurusien-Kultur besonders häufig Schnecken gegessen haben. Die Forscher schreiben: „Auch wenn diese nicht als Karies verursachend bekannt sind, so können Schleifpartikel von den Schnecken dazu beigetragen haben, dass die Zähne abgenutzt wurden.“ In den Kratzern konnte Karies erwartungsgemäß besonders gut entstehen. Zum Vergleich: Nach der DMS IV sind derzeit bei Erwachsenen im Alter von 35 bis 44 Jahren durchschnittlich rund 15 Zähne kariös. Mehr als 90 Prozent der Zähne können durch Behandlung erhalten werden.

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