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Allgemeinmedizin 16. März 2011

Drama um die Tudors wegen Blutgruppe?

Eine Blutgruppenanomalie könnte erklären, warum Heinrich VIII. so war, wie er war.

Der Tudor-König Heinrich VIII. (1491-1547) hatte es wirklich nicht leicht: Er tat alles dafür, genügend Söhne zu zeugen, um die Thronfolge zu sichern. Er versuchte es mit sechs Ehefrauen. Um diese jeweils heiraten zu können, setzte er Scheidungen durch, Hinrichtungen und sogar die Trennung von der katholischen Kirche.

 

Heinrichs Frauen wurden ja schwanger, aber es kam zu Früh- und Totgeburten oder die Kinder überlebten nicht lange. Nach seinem 40. Geburtstag verschlechterte sich sein Allgemeinzustand zunehmend: Er war mental und emotional aus dem Gleichgewicht und körperlich schwer angeschlagen, mit chronischen Geschwüren an den Beinen und stark übergewichtig.

Zwei Amerikanerinnen – die Bioarchäologin Catrina Banks Whitley und die Anthropologin Kyra Kramer – haben nun eine These aufgestellt, mit der sie meinen, die vielen Aborte, die hohe Sterblichkeit von Heinrichs Kindern und noch dazu seine Persönlichkeitsveränderung und den körperlichen Verfall erklären zu können. Die beiden Forscherinnen schlagen vor, die Lösung im Kell-System zu suchen. Sie nehmen an, dass Heinrich VIII. kell-positiv war, seine Frauen aber kell-negativ, was dazu geführt haben könnte, dass die Mütter nach einer ersten Schwangerschaft Antikörper gegen den kell-positiven Fötus gebildet haben.

Heinrich war fast 18 Jahre als, als er die damals 23-jährige Katharina von Aragon heiratete. Ihre erste Schwangerschaft endete mit einer Totgeburt. Das zweite Kind starb nach 52 Tagen. Es folgten drei weitere Totgeburten. Nur ein Kind aus dieser Ehe überlebte: die spätere Königin Maria I. („Bloody Mary“), vielleicht, da sie das rezessive Kell-Gen geerbt hatte. Der zweiten Ehe entsprang die spätere Königin Elisabeth I. Nachdem ihre Mutter Anne Boleyn keine weiteren Kinder gebar, wurde sie geköpft. Wie oft Heinrichs Partnerinnen insgesamt schwanger geworden sind, ist schwer zu bestimmen, zumal noch etliche Mätressen berücksichtigt werden müssen. Elf waren es mindestens, 13 gelten als wahrscheinlich, vielleicht waren es sogar mehr. Offiziell überlebten nur vier Kinder, außer den beiden Töchtern waren es zwei Söhne, die relativ jung verstarben, einer davon ein legitimierter unehelicher Sohn.

Heinrichs gesundheitlichen Probleme im mittleren Alter könnten auf ein McLeod-Syndrom, das mit dem Kell-System in Zusammenhang steht, zurückzuführen sein.

 

Whitley; C. B.; Kramer, K.: The Historical Journal 2010; 53 (04): 827–48

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