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Mitochondriale Netzwerke. Im Vordergrund Prof. Dr. Walther Parson, MedUni Innsbruck.
 
Allgemeinmedizin 5. September 2012

Kriminalmedizinische Forschung

Der Siedlungsgeschichte auf der Spur. DNA in Forensics 2012 - Internationale Tagung in Innsbruck.

Das Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck lädt zur Tagung „DNA in Forensics 2012“ (6. bis 8. September). 250 WissenschaftlerInnen aus über 40 Nationen diskutieren aktuelle Themen der rechts- und kriminalmedizinischen Forschung. Im Vordergrund stehen populationsgenetische Fragestellungen, die mithilfe der mitochondrialen DNA beantwortet werden können.



Die mitochondriale DNA (mtDNA) wird in mütterlicher Vererbung ohne Einfluss der väterlichen mtDNA weitergegeben. Im Vergleich zur standardisierten Untersuchung der Kern-DNA ist dieses zweite Genom des Menschen ein Spezialgebiet der forensischen DNA-Analytik. Bei minimalen Spuren ist die Typisierung der mtDNA oft die einzige Möglichkeit für eine erfolgreiche Analyse.

Aus einer Kooperation innerhalb der European DNA Profiling Group, der führenden wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft in der Forensik, entwickelte sich unter der Leitung von Prof. Dr. Walther Parson am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck die qualitativ hochwertigste mitochondriale DNA Sequenzdatenbank EMPOP weltweit.

„Eine mitochondriale DNA Datenbank ist allerdings etwas völlig anderes, als eine kriminalistische DNA Datenbanken wie etwa der Österreichischen Nationalen DNA-Datenbank. EMPOP stellt in der Gerichtsmedizin ein Spezialwerkzeug für die Identifikation dar“, erklärt Prof. Dr. Richard Scheithauer, Leiter des Innsbrucker Instituts für Gerichtliche Medizin. „EMPOP ist allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zugänglich und nicht nur für die Gerichtsmedizin von Interesse, sondern speziell auch für die Populations- und Humangenetik.“

Qualitätsstandards in der forensischen Analyse mitochondrialer DNA

In Innsbruck sind darüber hinaus die weltweit gültigen Qualitätsstandards in der forensischen Analyse mitochondrialer DNA hauptverantwortlich mitentwickelt worden. Innsbruck gilt daher als anerkanntes Referenzlabor für mtDNA-Analysen. Erst kürzlich waren beispielsweise Vertreter des FBI (Federal Bureau of Investigation) aus den USA in Innsbruck, um sich über qualitätsrelevante Fragestellungen bei mtDNA-Datenbanken auszutauschen.

Der Einladung zum 5. Internationalen EMPOP-Meeting und 8. Y-User Workshop „DNA in Forensics 2012“ sind auf Grund dieses internationalen Renommees über 250 ForscherInnen aus über 40 Nationen gefolgt.

Die Erforschung der Siedlungsgeschichte


Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zur Bedeutung und Analyse der mitochondrialen DNA zeigen das große Interesse verschiedener Forschungsfelder an diesem Thema. Seit 2006 findet das „DNA in Forensics“-Meeting zum ersten Mal wieder in Innsbruck statt. Vorher trafen sich die ForscherInnen an der Charité in Berlin (2002, 2004, 2010) bzw. in Ancona (2008).

Hauptthema des Treffens in Innsbruck sind populationsgenetische Fragestellungen. Mit Hilfe der Analyse der mtDNA ist es möglich, die Ausbreitung der „weiblichen“ DNA Linien nachzuvollziehen und damit weit zurückliegende Wanderungsbewegungen des Menschen nachzuvollziehen. Die Entstehung des Menschen in Afrika, seine Ausbreitung von dort ausgehend nach Europa, Asien und über eine Landbrücke im Gebiet der heutigen Beringstraße nach Amerika sind bahnbrechende Erkenntnisse aus der mtDNA-Forschung, die heute allgemein anerkannt sind.

Beitrag aus Innsbruck zur frühen Besiedlung Südamerikas


Die Rekonstruktion der Ausbreitung des Menschen über die ganze Erde ist ein spannendes Forschungsgebiet der Genetik. Auch eine Innsbrucker ForscherInnengruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Walther Parson, Leiter der Forensischen Molekularbiologie am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck, konnte erst kürzlich einen international beachteten Beitrag zur frühen Besiedlung Amerikas liefern. Die Erkenntnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Genome Research veröffentlicht. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die ersten Siedler den letzten Kontinent auf der in Afrika begonnenen Reise äußert schnell in nur wenigen Jahrtausenden an der Pazifikküste entlang besiedelt und das Innere des Kontinents über die südlichen Anden bevölkert haben“, erklärt Parson.

http://dna2012.gerichtsmedizin.at/


 

PA MedUni Innsbruck, springermedizin.at

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