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Sondenernährung oder „Füttern“? Eine der schwierigen Fragen am Ende des Lebens.
 
Allgemeinmedizin 9. Jänner 2014

Sondenernährung bei Demenz fragwürdig

Vergleich der Ein-Jahres-Mortalität zwischen Füttern und Sondenernährung.

Eine PEG-Sonde hat bei Patienten mit fortgeschrittener Demenz keinen Einfluss auf das Überleben. Das hat eine US-Studie bei Pflegeheimbewohnern ergeben.

Forscher in den USA untersuchten den Zusammenhang zwischen der Anlage von Ernährungssonden und der Überlebenszeit bei Pflegeheimbewohnern mit fortgeschrittener Demenz.

Von über 36.000 Bewohnern (Durchschnittsalter 85 Jahre) erhielten knapp 2.000 (5,4%) eine PEG-Sonde innerhalb der ersten zwölf Monate nach dem Auftreten von Ess- und Schluckstörungen. Unterschiede im Überleben zwischen der PEG-Gruppe und der Gruppe ohne künstliche Ernährung fanden sich nicht. Die 1-Jahres-Mortalität lag in beiden Gruppen bei zirka 50 Prozent. Auch der Zeitpunkt der PEG-Anlage hatte keinen Einfluss auf das Überleben.

Die PEG-Anlage bei Patienten mit fortgeschrittener Demenz ist definitiv „out“, dies liest man in Studien wie zum Beispiel der vorliegenden und spürt es in der eigenen Praxis. Die Anzahl von PEG-Anlagen aufgrund von demenzbedingten Schluck- und Ernährungsstörungen in unserer Klinik ist gegenüber 1997 um fast 100% zurückgegangen.

Ebenso wichtig wie die Tatsache, dass eine PEG das Leben Demenzkranker nicht verlängert, scheint mir die Frage nach Lebensqualität und Selbstbestimmtheit eines Menschen am Ende seines Lebens. Gemeinsam mit Angehörigen rekonstruieren wir bei solchen Patienten ohne Patientenverfügung oft deren sog. mutmaßlichen Willen („Hätte Ihr Vater eine solche künstliche Ernährung gewollt?“).

Vor allem aufgeklärte Angehörige, denen die schlechte Prognose einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung bewusst ist, plädieren nach meiner Erfahrung praktisch zu 100% für eine bestmögliche Zuwendung und „Füttern“ so gut als möglich, aber äußerst selten nur für eine Sondenernährung. Wenn man sich die Zeit nimmt, die eine komplexe Entscheidung wie diese braucht, um von und mit der Familie besprochen zu werden, ist das Reizthema „Demenz und PEG“ in meiner Wahrnehmung von der Liste der schwierigen Probleme am Ende des Lebens verschwunden.

Originalliteratur:
J. Am. Geriatr. Soc. 2012; 60: 1918

 

springermedizin.de/IS, springermedizin.at

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