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Wundliegen ist eine der potenziell vermeidbaren Komplikationen, unter denen demenzkranke Patienten in Krankenhäusern vermehrt zu leiden haben.
 
Allgemeinmedizin 26. Juni 2013

Risikofaktor Krankenhaus

Viele vermeidbare Komplikationen bei Demenzkranken.

Demenzpatienten sind während eines Krankenhausaufenthalts besonders gefährdet, Komplikationen zu erleiden. Australische Ärzte haben die häufigsten Probleme identifiziert.


Wenn Patienten mit einer Demenzerkrankung ins Krankenhaus müssen, bleiben sie länger stationär, werden danach häufiger in ein Pflegeheim verlegt und haben ein höheres Sterberisiko als Patienten ohne Demenz. Zur schlechten Prognose trägt einer australischen Studie zufolge eine Reihe potenziell vermeidbarer Komplikationen bei, unter denen demenzkranke Patienten vermehrt zu leiden haben. „Die höchste Prävalenz und das höchste relative Risiko besteht für Harnwegsinfektionen, Wundliegen, Pneumonie und Delir“, berichten die Ärzte um Dr. Kasia Bail.

Für ihre Studie haben sie rückblickend die Krankenhausaufenthalte in New South Wales aus den Jahren 2006 und 2007 ausgewertet. 10,44 Prozent aller Krankenhausepisoden entfielen auf Patienten mit der Nebendiagnose Demenz. Operationen wurden bei demenzkranken Patienten insgesamt seltener, in höherem Alter und bei schlechterem Allgemeinzustand durchgeführt als bei geistig gesunden Patienten. Aber auch wenn Alter, Geschlecht und Komorbiditäten identisch waren, kam es bei den Demenzpatienten postoperativ häufiger zu Komplikationen: Ihr Risiko für Delir, Harnwegsinfekte, Druckulzera, Pneumonien, schwere Flüssigkeits- und/oder Elektrolytstörungen sowie gastrointestinale Blutungen war signifikant erhöht. Die häufigsten Komplikationen bei Demenzkranken waren Harnwegsinfekte, mit 14% war das Risiko dafür 2,8-mal so hoch wie bei Patienten ohne Demenz. Jeweils 7% entwickelten Druckgeschwüre (relatives Risiko, RR = 1,84) und Pneumonien (RR = 1,66) und 5% kamen in ein Delir (RR = 3,1).

Stärkster Risikoanstieg beim Delir

Die vier letztgenannten Komplikationen wurden bei nicht chirurgischen Demenzpatienten ebenfalls signifikant häufiger registriert. Auch bei ihnen zeigte sich der stärkste Risikoanstieg beim Delir (4,0% vs. 1,5%, RR = 2,83) und die höchste Prävalenz bei Harnwegsinfekten (13,4% vs. 7,9%, RR= 1,79). Eine Demenz erwies sich letztlich als zuverlässigerer Indikator für das Auftreten vermeidbarer Komplikationen als eine Operation.

„Die hohen Raten von sehr verbreiteten vermeidbaren Komplikationen bei Demenzpatienten eröffnen Wege für die Intervention und Prävention“, schreiben Bail und Kollegen. Ihrer Einschätzung nach könnten vor allem Verbesserungen in der Pflege – etwa Mobilisierung der Patienten, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, orientierende Maßnahmen oder Toilettentraining – Demenzpatienten vor unnötigen Komplikationen bewahren.

Literatur:

Bail K et al. Potentially preventable complications of urinary tract infections, pressure areas, pneumonia, and delirium in hospitalized dementia patients: retrospective cohort study. BMJ Open 2013;3:e002770; doi:10.1136/bmjopen-2013-002770

springermedizin.de/bsch/IS, springermedizin.at

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