zur Navigation zum Inhalt
© Starpics / fotolia.com
Fünf Punkte sollten bei geriatrischen Patienten berücksichtigt werden.
 
Allgemeinmedizin 30. Mai 2013

Fünf vermeidbare Übel

In der Behandlung von älteren Patienten sollte eine Handvoll medizinischer Maßnahmen hinterfragt werden.

Eine Arbeitsgruppe der American Geriatrics Society (AGS) hat überlegt, welche medizinischen Maßnahmen Ärzte von geriatrischen Patienten hinterfragen sollten. Herausgekommen ist ein kurzer Katalog mit fünf kritischen Punkten.

Die Überlegungen der American Geriatrics Society (AGS) gehen zurück auf eine Initiative des American Board of Internal Medicine (ABIM). Das ABIM hatte die AGS im Zuge der Kampagne „Die weise Wahl“ (Choosing Wisely®) aufgefordert, fünf medizinische Tests, Medikationen oder andere Maßnahmen zu benennen, die älteren Patienten womöglich mehr schaden als nützen. Am Ende stand eine Liste mit „fünf Dingen, die Ärzte und Patienten infrage stellen sollten“.

  1.  „Empfehlen Sie für Patienten mit fortgeschrittener Demenz keine Sondenernährung über eine perkutane endoskopische Gastrostomie. Raten Sie stattdessen, den Patienten beim Essen zu helfen und sie mit der Hand zu füttern.“ Als Gründe führt die AGS an, Sondenernährung mache die Patienten unruhig und erhöhe den Bedarf an Zwangsmaßnahmen – seien es körperliche Fixierung oder die Gabe entsprechender Arzneien. Druckgeschwüre verschlechterten sich. Das Füttern von Hand habe keine Nachteile hinsichtlich Aspiration, Pneumonie und Mortalität. Auch fühlten sich die Patienten nicht weniger wohl.
  2.  „Antipsychotika sind keine Mittel erster Wahl, um Verhaltensstörungen und psychische Störungen bei Demenz zu behandeln.“ Antipsychotische Medikamente können Schlaganfälle und vorzeitigen Tod verursachen. Sie sollten Patienten vorbehalten bleiben, bei denen nicht pharmakologische Maßnahmen versagt haben und die eine Gefahr für sich oder andere darstellen.
  3.  „Bei den meisten Patienten über 65 sollte es vermieden werden, den HbA1c-Wert unter 7,5 Prozent zu drücken.“ Es gibt keine ausreichenden Belege dafür, dass ältere Patienten mit Typ-2-Diabetes von einer strengen Glykämiekontrolle profitieren. Die Zielwerte sollten den Gesundheitszustand und die Lebenserwartung widerspiegeln, denn es dauert lange, bis sich etwaige mikrovaskuläre Vorteile einer strengen Blutzuckerkontrolle bemerkbar machen. Gesunde Senioren, die noch mit einem langen Leben rechnen können, sollten zwischen 7 und 7,5 Prozent, solche mit wenigen Begleiterkrankungen und einer Restlebenserwartung von unter zehn Jahren auf 7,5 bis 8 Prozent eingestellt werden. Für Patienten mit vielen zusätzlichen Krankheiten und kurzer Restlebenszeit ist ein Wert zwischen 8 und 9 Prozent anzustreben.
  4. „Benzodiazepine und andere Sedativa sind nicht erste Wahl, wenn es gilt, Schlaflosigkeit, Unruhezustände oder ein Delirium von älteren Patienten zu behandeln.“ Benzodiazepine und andere sedierende Hypnotika können das Risiko verdoppeln, dass ältere Patienten in Verkehrsunfälle verwickelt werden, stürzen oder sich die Hüfte brechen, schließlich stationär behandelt werden müssen oder sogar versterben. Benzodiazepine eignen sich zur Behandlung von Beschwerden im Alkoholentzug bzw. Delirium tremens oder von schweren generalisierten Angststörungen, die nicht auf eine andere Behandlung ansprechen.
  5.  „Ältere Patienten mit Bakteriurie benötigen keine Antibiotika, sofern sie keine spezifischen Symptome eines Harnwegsinfekts aufweisen.“ In Studien hat die antimikrobiotische Therapie asymptomatischer Bakteriurien nichts genützt. Ein Screening auf eine asymptomatische Bakteriurie und deren Behandlung sind ratsam, wenn sich Patienten urologischen Maßnahmen unterziehen müssen, bei denen mit Blutungen zu rechnen ist.

 

basierend auf: AGS Choosing Wisely Workgroup. American Geriatrics Society Identifies Five Things That Healthcare Providers and Patients Should Question. J Am Geriatr Soc 2013; 61:622–631

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 22/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben