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Wie spielt die Einnahme von vielen Medikamenten mit dem Bestehn vieler Krankheiten zusammen?
 
Allgemeinmedizin 22. Jänner 2013

Wirkung vieler Medikamente auf viele Krankheiten erforschen

Neues Kompetenzzentrum zur Erforschung der Mulitmorbidität eröffnet in Zürich.

Das gleichzeitige Auftreten mehrerer chronischer Krankheiten ist bei über 60-jährigen Personen das häufigste Krankheitsbild. Somit sind etwa 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung von sogenannter Multimorbidität betroffen. In Zürich gibt es nun ein Kompetenzzentrum zu deren Erforschung.



Das Zentrum bündelt medizinische, geriatrische und sozialwissenschaftliche Forschung, wie die Universität Zürich am Montag mitteilte. Durch die Zusammenarbeit von Experten verschiedener Fachrichtungen sollen sich neue Sichtweisen für die Behandlung multimorbider Patientinnen und Patienten ergeben.

Multimedikation

Die Crux bei multimorbiden Patienten besteht darin, dass sie für ihre vielen Krankheiten viele verschiedene Medikamente einnehmen müssen. Ein Problem dabei ist, das beispielsweise ein Blutverdünner die eine Krankheit lindern, die andere jedoch verschlimmern kann.

Zwar gibt es Datenbanken, die Unverträglichkeiten einzelner Medikamente aufzeigen. Auch über das Zusammenspiel von Medikamentencocktails sind Mediziner gemäss Mitteilung relativ gut informiert. Was bisher weitgehend unerforscht sei, sei das Zusammenspiel vieler Medikamente mit vielen Krankheiten.


Hinzu komme, dass wissenschaftliche Medikamentenstudien in der Regel multimorbide Patienten ausschliessen, weil die Vielzahl der Faktoren, die berücksichtigt werden müssten, zu hoher Komplexität führt. Deshalb nehmen gemäss Mitteilung heute Seniorinnen und Senioren Medikamente ein, die in klinischen Studien an jungen und gesunden Menschen getestet wurden.

Entscheiden zwischen WC und Warenhaus

Das heutige Gesundheitssystem werde den Bedürfnissen von multimorbiden Patienten nicht gerecht, heisst es weiter. Bei deren Behandlung käme es darauf an, Prioritäten zu setzen und diese mit den Patienten auszuhandeln.

Müsse ein Patient beispielsweise entwässernde Medikamente nehmen, die ihn daran hindern, selbständig einkaufen zu gehen, weil er ständig die Toilette aufsuchen müsse, so müsse man abwägen, was wichtiger sei, heisst es weiter.

Das Kompetenzzentrum ist eine Gründung der Medizinischen und der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich. Am kommenden Donnerstag findet ein Eröffnungs-Symposium statt.

Gemäss Mitteilung hat das Zentrum jedoch nicht nur den alten Menschen im Blick. Denn es seien auch immer mehr Kinder oder jüngere Menschen von Multimorbidität betroffen, heisst es weiter.

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