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Innere Medizin 6. Juni 2012

Spezialisten für Altersfrakturen

Das Landeskrankenhaus Hochzirl verbessert die Versorgung von Knochenbrüchen bei Hochbetagten.

Die Versorgung osteoporotischer bzw. generell geriatrischer Frakturen ist in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern oft noch mangelhaft. Mag. Dr. Markus Gosch, LKH Hochzirl, berichtete beim Osteoporoseforum in St. Wolfgang über erste Daten aus dem integrativen traumatologisch/geriatrischen Frakturversorgungsmodell in Innsbruck. Das „Zentrum für Altersfrakturen“ wird von einer Study Nurse koordiniert und sorgt für eine interdisziplinäre Behandlung.

 

Das Prinzip besteht in einer engen Zusammenarbeit der Unfallchirurgie, der Akutgeriatrie und der Anästhesie. Kommt ein Patient im Alter über 80 Jahren oder über 70 Jahren mit Multimorbidität auf die Unfallchirurgie, wird nicht nur ein Anästhesist, sondern auch ein Geriater verständigt, um gemeinsam über das weitere Vorgehen und den Operationszeitpunkt zu entscheiden. „Ziel ist eine Operation innerhalb von 12 bis 24 Stunden“, erläuterte Gosch, „eine angepasste Narkose, möglichst eine Single-Shot-Surgery (also keine wiederholten Operationen), eine Versorgung mit für den osteoporotischen Knochen optimierten Implantaten und eine möglichst rasche Vollbelastung.“

Gemeinsame Pläne

Postoperativ folgen regelmäßige unfallchirurgisch-geriatrische Visiten und gemeinsam entwickelte Behandlungspläne mit individuellen Zielvereinbarungen und dem Versuch der Prävention von Komplikationen. Nach Entlassung aus der Unfallgeriatrie wird auf der Akutgeriatrie ein geriatrisches Assessment durchgeführt.

In den ersten beiden Jahren des neuen Zentrums wurden 853 Patientinnen und Patienten mit einem Durchschnittsalter von 84 Jahren betreut. 77,4 Prozent davon waren Frauen, 45,4 Prozent hatten ein bis zwei, 41,3 Prozent drei oder mehr und nur 13,3 Prozent keine Ko-Morbiditäten. Operiert wurden 59 Prozent der Aufgenommenen, wobei Hüftoperationen mit etwa 62 Prozent überwogen.

Nach der Entlassung von der Unfallchirurgie werden 36 Prozent in die Akutgeriatrie und zehn Prozent auf die internistische Station verlegt, immerhin 31 Prozent können nach Hause entlassen werden und 20 Prozent werden ins Alters- oder Pflegeheim verbracht, „wobei der Großteil dieser Patienten bereits aus dem Altersheim kommt“, so Gosch. Von den zuvor nicht institutionalisierten Patienten können 83 Prozent auch nach dem Spitalsaufenthalt weiter zu Hause wohnen.

Multimorbide profitieren besonders

Der Erfolg lässt sich auch in den Komplikationsraten (Rückgang von 26,2 Prozent auf 14,51 Prozent), der Verkürzung der Wartezeit auf die Operation (von 24,63 auf 19,1 Stunden) und der Liegezeiten (von 13,06 auf 11,86 Tage) messen. Die häufigste Komplikation ist der Harnwegsinfekt.

„Alle Patienten profitieren, besonders aber Multimorbide“, erklärte Gosch. „Leider gehen manche ins Altersheim, weil wir auf der Geriatrie nicht in der Lage sind, alle Patienten zu übernehmen.“

Auch die Mitarbeiter sehen das Projekt überwiegend positiv, wie eine Befragung ergab. Über 80 Prozent sahen eine Arbeitserleichterung wie auch eine bessere Versorgung der Patienten und sprachen sich für eine Fortführung des Projektes aus.

Seit 1. April ist das Zentrum für Altersfrakturen vom Pilotprojekt in den Regelbetrieb übergegangen.

 

Quelle: 20. Osteoporoseforum, 10.–12. Mai 2012, St. Wolfgang

Von L. Rohrmoser , Ärzte Woche 23 /2012

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