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Diabetologie 21. Mai 2008

Wie Gene das Diabetes-Risiko beeinflussen

Die Internationale DIAGRAM-Genomstudie wirft neues Licht auf die Entstehung des Typ-2-Diabetes. In Deutschland gibt es etwa sechs Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes, die von ihrer Erkrankung wissen, und eine hohe Dunkelziffer unerkannter Diabetiker. Für das Auftreten der Erkrankung spielen Lebensstilfaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel eine wichtige Rolle, aber dem Typ-2-Diabetes liegt auch eine starke familiäre Häufung zugrunde.
Neues Licht auf die Entstehung dieser Krankheit wirft eine gerade veröffentlichte Meta-Analyse zur Genetik des Typ-2-Diabetes. Die Ergebnisse des internationalen DIAGRAM (DIAbetes Genetics Replication And Meta-analysis)-Konsortiums unter Beteiligung von Wissenschaftlern des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf und des Helmholtz Zentrums München erhärten Befunde, wonach die Erkrankung auf einer Funktionsstörung der Insulin-produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse beruht. Die Studie deutet aber auch auf neue Konzepte der Krankheitsentstehung hin.
In der DIAGRAM-Studie identifizierten die Wissenschaftler sechs neue Genregionen, die das Typ-2-Diabetes-Risiko beeinflussen. Drei davon könnten die frühe Entwicklung der Bauchspeicheldrüse und insbesondere der Insulin-produzierenden Betazellen betreffen. Zwei andere Genprodukte spielen vermutlich eine Rolle in der Regulation der Zellteilung und des Zelltodes in bestimmten Geweben. Die Zahl der Genregionen, die mit der Entstehung des Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht werden, erhöht sich damit auf 16.
Die Meta-Analyse, an der 98 Wissenschaftler aus über 40 Zentren beteiligt waren, wertete Daten von europäischen und amerikanischen Studien mit einer Gesamtstudienpopulation von über 60.000 Personen aus.
In weiteren Studien müssen diese Genregionen genauer charakterisiert und die für die Erkrankung kausalen Genvarianten identifiziert werden. Diese Erkenntnisse können dann tiefere Einblicke in die Mechanismen der Diabetesentstehung liefern und neue Therapieoptionen eröffnen. Inwiefern die bisher erhobenen Daten für die Bestimmung des individuellen Diabetesrisikos in der klinischen Praxis relevant sein können, ist noch schwer abzuschätzen und muss ebenfalls in weiterführenden Studien untersucht werden.

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