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Pulmologie 24. April 2008

Wenn sich der Rauch verzieht

Dass Rauchen eine Sucht ist, war bereits klar. Auch dass ein enger Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs besteht. Jetzt haben amerikanische, französische und isländische Forscher Genvarianten entdeckt, die für die Entstehung des Karzinoms verantwortlich sind – und möglicherweise auch dafür, dass manche Menschen nicht vom Glimmstängel loskommen.

Um der lasterhaften Erbschaft auf den Grund zu gehen, scannten Forscher das Genom von 11.000 Rauchern aus Island.1 Ungefähr zur selben Zeit hat ein amerikanisches Team die Daten von 3.000 Rauchern untersucht2 und ein französisches jene von 4.500 Lungenkrebspatienten.3 Auf dem Chromosom 15q24 entdeckten sie alle die gleichen Genvarianten. Hochgerechnet soll etwa jeder zweite Europäer mindestens eine Kopie dieser genetischen Variante in sich tragen. Die Genveränderung beeinflusst einen Nikotinrezeptor im Gehirn, soll aber laut isländischen Studienautoren nicht ausschlaggebend dafür sein, ob jemand mit dem Rauchen anfängt. Hingegen steigt bei Menschen mit der Genmutation auf Chromosom 15q24 das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, um 30 Prozent, bei homozygotem Erbgut sogar um 70 Prozent.
Herausgestellt hat sich im Zuge der Datenauswertungen auch, dass unter starken Rauchern die Genvariante am häufigsten zu finden ist, am seltensten ist sie übrigens nicht bei Nichtrauchern, sondern bei Menschen, die täglich weniger als zehn Zigaretten rauchen.
Das isländische Forscherteam hält es auch für wahrscheinlich, dass die Genmutation den süchtigmachenden Effekt von Nikotin verstärkt, eine Hypothese, der die französische und die amerikanische Gruppe nicht folgen kann. Geklärt muss ebenfalls noch werden, ob die Genvariante bei Nichtrauchern zu einem erhöhten Krebsrisiko führt.

Einfache Maßnahme

Inzwischen weist eine italienische Studie4 auf eine signifikante Reduktion der akuten Herzinfarkte seit Einführung des gesetzlichen Rauchverbots Anfang 2005 beim südlichen Nachbarn hin. So konnte in der Altersgruppe der 35- bis 64-Jährigen ein Minus von 11,2 Prozent, in jener der 65- bis 74-Jährigen ein Minus von 7,9 Prozent verzeichnet werden.
Welche Bedeutung für die Gesundheit ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie hat, bestätigt auch eine Mitteilung des französischen Gesundheitsministeriums. Demnach soll das erst zu Beginn dieses Jahres eingeführte Verbot bereits zu einer 15-prozentigen Reduktion der Schlaganfälle und Herzinfarkte geführt haben. In der Aussendung begründet Prof. Dr. Bertrand Dautzenberg vom Pariser Hôpital de la Pitié-Salpetrière, dass der Passivrauch sehr schnell zu einer Veränderung der Blutgerinnung führe. Die Beseitigung der Belastung zeige dann aber ebenfalls rasch Wirkung. Bei einer Veranstaltung für Umweltmediziner Anfang März in Linz wies der Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie und Vorstand der Salzburger Universitätsklinik für Pneumologie Prof. Dr. Michael Studnicka darauf hin, dass diese Ergebnisse ein klarer Beweis dafür seien, „welchen negativen Einfluss Passivrauchen auf unsere Gesundheit hat und welche einfachen Möglichkeiten der Gesundheitspolitik zur Verfügung stehen, wirksame Maßnahmen zu setzen.“

Quellen:
1 Nature 2008; 452:638-641
2 Nature Genetics 2008; DOI 10.1038/ng.109
3 Nature 2008; 452:633-637
4 Circulation 2008;117(9):1183-1188

Elisabeth Tschachler-Roth, Ärzte Woche 17/2008

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