zur Navigation zum Inhalt
 
Diabetologie 7. Februar 2017

Übergewicht für Generationen

Überflüssige Kilos schlagen sich im Erbgut nieder. Solche Veränderungen sind an fast 200 Stellen möglich.

Zu viele Kalorien lagern sich auf Dauer nicht nur an den Hüften ab, sondern schlagen sich auch im Erbgut nieder. Übergewicht führe epigenetischen Veränderungen an fast 200 Stellen des Erbguts, ergab eine in Nature veröffentlichte internationale Studie unter Beteiligung des Helmholtz Zentrums München.

Die Epigenetik betrifft nicht den tatsächlichen DNA-Code, sondern die langfristige Regulation verschiedener Gene. Während sich Gene im Laufe des Lebens kaum verändern, kann der Lebensstil direkten Einfluss auf deren Wirkweise ausüben. Bisher sei der epigenetische Einfluss von hohem Gewicht kaum untersucht. „Dabei ist die Frage bei schätzungsweise eineinhalb Milliarden übergewichtigen Menschen weltweit durchaus relevant“, sagte Erstautorin Simone Wahl. Nicht zuletzt könne Übergewicht zu Diabetes, Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen führen.

Die Wissenschafter untersuchten die Blutproben von mehr als 10.000 Frauen und Männern aus Europa. Ein größerer Teil waren Bewohner Londons mit indischer Abstammung, die laut Autoren ein hohes Risiko für Fettleibigkeit und Stoffwechselkrankheiten haben. In einem ersten Schritt mit gut 5.000 Proben fand das Forscherteam 207 Genorte, die abhängig vom Body Mass Index epigenetisch verändert waren. Bei weiteren Tests bestätigten sich davon 187. Untersuchungen ergaben, dass ein Großteil der Veränderungen eine Folge des Übergewichts war - und nicht dessen Ursache. Signifikante Veränderungen habe es an Genen gegeben, die für den Fettstoffwechsel zuständig sind, hieß es. Aber auch Entzündungsgene waren betroffen. Weiter identifizierte das Team epigenetische Marker, anhand derer sich das Risiko für Typ-2-Diabetes vorhersagen ließ. Die Wissenschafter hoffen nun, dass sich daraus neue Strategien entwickeln lassen, wie Typ-2-Diabetes vorhergesagt oder verhindert werden kann.

 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben