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© Darstellung: Alexander Suh und Jon Fjeldsa
In sieben Vogelgruppen fanden die die Forscher DNA-Fossilien von Fadenwürmern (im Uhrzeigersinn): Trogons, Stelzenrallen, Papageien, Kolibris, Nashornvögel, Manakins und Steißhühner.
 
Infektiologie 22. November 2016

Grenzverkehr Vogel-Mensch

Genetik. Nicht nur Vogelgrippe-Viren sind einmal von Tieren auf den Menschen übertragen worden, in fossiler DNA fanden Foscher auch Fadenwürmer.

Der in mehreren europäischen Ländern nachgewiesene H5 N8-Erreger ist vermutlich von Zugvögeln aus Russland nach Mitteleuropa getragen worden. Wie der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter, sagte, ist das Virus im Sommer 2016 bei Wildvögeln in Zentralrussland, in Sibirien und der Mongolei nachgewiesen worden. In Vorarlberg ist nach wie vor ein einziger Betrieb von Vogelgrippe betroffen, ein zweiter Fall hat sich nicht bestätigt. Doch Forscher können heute noch viel weiter in die parasitäre Vergangenheit blicken.

„DNA-Fossilien“ aus Vogelgenomen geben Hinweise darauf, dass einige Fadenwürmer, die heute Menschen parasitieren, früher einmal Vögel als Wirte hatten. Das hat ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Bonn herausgefunden. Die Wissenschaftler wiesen nach, dass die Vorfahren dieser Fadenwürmer in einem Zeitraum vor etwa 25 bis 17 Millionen Jahren Vögel parasitierten, die im tropischen Afrika, Asien und Amerika vorkamen. Die Ergebnisse werden in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

In seltenen Fällen springen DNA-Fragmente, so genannte Transposons, von dem Genom einer Art in das einer anderen. „Wenn sich so etwas zwischen Parasit und Wirt zuträgt, kann noch Millionen Jahre später die Wirt-Parasit-Beziehung aufgedeckt werden, auch wenn sie inzwischen nicht mehr besteht“, sagt Privatdozent Dr. Lars Podsiadlowski vom Institut für Evolutionsbiologie & Zooökologie der Universität Bonn. Die Sequenzen der Transposons sind sozusagen als „DNA-Fossilien“ noch lange im Genom präsent.

Einem Team unter der Leitung des Transposon-Experten Dr. Alexander Suh von der Universität Uppsala in Schweden mit Mitarbeitern von elf Institutionen aus fünf Ländern, hat ein neues Transposon beschrieben, das in einigen, aber nicht allen Vogelgenomen vorkommt. Interessanterweise teilen diese Vögel das Transposon mit Fadenwürmern, die heute nur als Parasiten des Menschen und anderer Säugetiere bekannt sind. Tropenkrankheiten wie die Elephantiasis und die Loiasis gehen auf diese Fadenwürmer zurück.

Aktenzeichen XY – ursprünglicher Wirt gesucht

„In der Vergangenheit sind offenbar viele Krankheitserreger, wie die Vogelgrippe-Viren oder HIV, ausgehend von anderen Tierarten auf den Menschen übergesprungen“, sagt Podsiadlowski. Bei vielen durch Fadenwürmer hervorgerufenen Erkrankungen war bislang unbekannt, welche anderen Tiere als Wirte dienten, bevor der Mensch in den Mittelpunkt rückte. Das Team um Dr. Suh wies nun nach, dass in einem Zeitraum vor etwa 25 bis 17 Millionen Jahren Vorfahren dieser Fadenwürmer Parasiten von Vögeln waren.

Literatur

Suh, A., Witt, C. C., Menger, J., Sadanandan, K. R., Podsiadlowski, L., Gerth, M., Weigert, A., McGuire, J. A., Mudge, J., Edwards, S. V., Rheindt, F. E.: Ancient horizontal transfers of retrotransposons between birds and ancestors of human pathogenic nematodes. Nature Communications, DOI: 10.1038/NCOMMS11396

Friedrich-Wilhelms-Universität, Ärzte Woche 47/2016

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