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Augenheilkunde 25. August 2015

Euphrasia und Mannit

Suche nach dem optimalen Tränenersatz.

Natürliche Tränenflüssigkeit enthält Substanzen mit antioxidativer Schutzwirkung. Eine Untersuchung an der MedUni Graz ergab, welche Substanzen am besten vor einer Depolymerisation durch UV-Licht und Ozon schützen.

Bis heute ist es nicht gelungen, die menschliche Tränenflüssigkeit mit all ihren Komponenten synthetisch herzustellen. Dies ist auf den komplexen Aufbau der Tränenflüssigkeit zurück zu führen. Tränen bestehen nicht nur aus Wasser und Salz, sondern enthalten auch etliche Proteine, Lipide, Muzine, Antioxidantien sowie ein Puffersystem. Tränenersatzmittel, die zur Therapie des Trockenen Auges eingesetzt werden, enthalten meist wenig bis kaum Bestandteile der natürlichen Tränen. Eine dieser Komponenten betrifft die Inhaltsstoffe mit antioxidativer Schutzwirkung. Andrea Heidinger, MSc, Prof. Dr. Otto Schmut und Prof. Dr. Andreas Wedrich von der Univ.-Augenklinik Graz untersuchten Substanzen, die antioxidativ wirken und eine Schutzwirkung vor UV-Licht und Ozon aufweisen und in solchen Präparaten zur Anwendung kommen könnten.

Mithilfe von Viskositätsbestimmungen wurden verschiedene Substanzen, die in der Literatur als Radikalfänger bezeichnet werden, auf eine mögliche Schutzwirkung gegenüber Umwelteinflüssen wie UV-Licht und Ozon untersucht. Insgesamt wurden elf Substanzen untersucht.

Ergebnis: Euphrasia und Mannit konnten die sowohl in den Tränen wie auch in einigen Tränenersatzmitteln enthaltene Hyaluronsäure signifikant vor einer Depolymerisierung durch UV-Licht und Ozon schützen (p < 0,05). Beide Substanzen können potenziell ihre Verweildauer und Schmierwirkung an der Augenoberfläche verlängern. Harnsäure und Melatonin konnten gegenüber UV-Licht eine signifikante Wirkung erzielen (p < 0,05), nicht aber gegen Ozon. Arginin, Curcumin, Fructose, Harnstoff, Lysin, Spermidin, Taurin konnten die Depolymerisierung nicht verhindern. Von den Tränenfilmhauptkomponenten haben Natriumchlorid, Glucose und Bikarbonat Schlüsselfunktionen für die Homöostase der Augenoberfläche. Für einen optimierten Tränenersatz ist der Einsatz dieser Bestandteile als Puffersubstanz zu bevorzugen.

Der ungekürzte Originalartikel „Synthetische Tränen – ein Schritt näher der menschlichen Tränenflüssigkeit“ ist erschienen in „Spektrum der Augenheilkunde“ 29/2015, DOI 10.1007/s00717-015-0262-9, © Springer Verlag.

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