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Doppeltes Mutterglück

Sabine und Bianca wollen ein Kind, möglich machen das eine Gesetzesnovelle und eine Privatklinik.

Vier bis fünf Beratungen zum Thema Eizellenspende führen die Ärzte an den Kinderwunschkliniken Loimer durch. Und ein homosexuelles Pärchen ist auch vorstellig geworden. Die Novelle des Fortpflanzungsmedizingesetzes habe aber einen Pferdefuß, findet Dr. Leonhard Loimer: das Vermittlungsverbot.

Das Pensionsproblem wird die Privatklinik Dr. Loimer nicht lösen, dazu sind „vier bis fünf Beratungsgespräche am Tag“ doch zu wenig. Aber laut dem Leiter der Kinderwunschklinik, Dr. Leonhard Loimer, ist das erneuerte Fortpflanzungsmedizingesetz dennoch „eine massive Hilfe“ für Menschen, die auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können.

Menschen wie Sabine, 26. Die Pflegehelferin in Ausbildung wünscht sich zwar ein Kind, doch austragen will sie es nicht. Das übernimmt ihre Partnerin, die Maschinenbautechnikerin Bianca, 25. Die beiden wagten vergangene Woche den Schritt an die Öffentlichkeit, der sie „einige Überwindung“ gekostet habe. „Doch wenn niemand den ersten Schritt tut, dann ändert sich nichts im Land, gleichgeschlechtliche Ampeln zu haben, das reicht nicht.“

Wie die beiden auf die Kinderwunschkliniken gekommen sind und, im Schlepptau von dessen Leiter an einem heißen Donnerstagvormittag auf der Dachterrasse einer Innenstadtbar gelandet sind, will ein Reporter wissen? „Beim AKH wurden wir abgewiesen mit unserem Kinderwunsch, die haben uns gesagt, sie hätten die notwendigen Formulare nicht. Bei Loimer wurden wir freundlich aufgenommen.“ Gratis ist der Wunsch nicht, aber leistbar immerhin: ca. 1.600 Euro beträgt der Selbstbehalt. Der IVF-Fonds übernimmt 70 Prozent der Behandlungskosten. Ein Samenspender sei bereits gefunden und über seine Rolle hocherfreut, „mit rechtlichen Dingen will er nichts zu tun haben“.

Sabine will ein Kind, und Bianca kriegt es. Ein Novum in Österreich. Nach langer politischer Diskussion trat im Februar 2015 die Novelle des 1992 erstmals aufgelegten Fortpflanzungsmedizingesetzes in Kraft. Diese ermöglicht nun die künstliche Befruchtung auch bei homosexuellen Paaren, die Eizellenspende sowie die Präimplantationsdiagnostik (PID), wenn auch unter strengen Auflagen. Loimer rekapituliert: „Die Zeiten haben sich geändert. Es ist in den vergangenen Jahren ein Reproduktionstourimus entstanden, in die Tschechische Republik und nach Spanien, wo sich eine ganze Armada von IVF-Zentren entwickelt hat, die sich auf Eizellenspenden konzentriert haben. Einige sind in exotische Länder wie die Ukraine oder Indien gereist sind, um sich dort behandeln zu lassen.“ Diesen Handlungsbedarf hätten die österreichischen Parteien erkannt.

Freilich werden weiterhin einige Wünsche potenzieller Eltern unerfüllt bleiben, „die in unseren ethischen und moralischen Standards nicht inbegriffen sind“. Sexing, also das freie Auswählen des Geschlechts des Kindes, sei nach wie vor verboten.

Die Eizellenspende werde am häufigsten nachgefragt, erlaubt sei sie bis 45 Jahre. „Wir finden das sehr gut“, sagt Loimer, ältere Frauen hätten „wirkliche Probleme“, vor allem bei Zwillingsschwangerschaften: Bluthochdruck, Schwangerschaftsvergiftungen, Kaiserschnitte, Frühgeburten usw. In Tschechien liege die Grenze bei 49 Jahren und in Zypern bei 55, auch in den USA. „Wir sind mit 45 sehr glücklich, denn die Risken sind zu hoch.“ Die Spenderin dürften maximal 30 Jahre alt sein.

Loimer, der Zahlenmensch: Eine Frau habe ungefähr eine Million Eizellen bei der Geburt, die für die reproduktive Phase vorbereitet sein. Eine Frau habe ungefähr 400 Zyklen in ihrem Leben, wenn sie nicht die Pille nehme, „es ist eine unglaubliche Dichte an Eizellen da, wir aber brauchen höchstens 10 bis 12, um ein Kind zu bekommen. Mehr als die Hälfte der Eizellen ist auch bei den jungen Frauen genetisch nicht in Ordnung. Und dieses genetische Nicht-in-Ordnung, das steigert sich im Lauf des Lebens.“ Beispielsweise sind bei einer 42-Jährigen schon 92 Prozent der Eizellen nicht mehr in Ordnung, die nicht mehr zu einer Schwangerschaft führen. Bei Spenderinnen unter 30 seien hingegen 50 Prozent der Eizellen „genetisch OK. Das sind bei 12 Eizellen sechs Eizellen, die in Ordnung sind und damit können wir eine erfolgreiche Schwangerschaft wahrscheinlich machen“. Gefährlich seien Eizellenspenden nicht, „wenn man weiß was man tut“. Die Frauen erhalten ein Hormon, um den Eierstock anzuregen, „aber wir verwenden nur eine Minimaldosis, um keine Überstimulation zu bekommen.“

Kinder erfahren Spendernamen

Auch die fehlende Anonymität findet Loimer gut. Die Kinder haben mit dem vollendeten 14. Lebensjahr das Recht, den Namen der Spender zu erfahren. Das ist in Tschechien und in Spanien anders geregelt. Dort gibt es anonyme Spenden. Nun schließt sich der Kreis und es wird klar, warum Loimer und sein ärztlicher Leiter, Prim. Dr. Matthias Brunbauer, die Presse ins Nobellokal geladen haben. Es gilt die Werbetrommel zu rühren und das kräftig. Denn: Es gebe in Österreich viel mehr Empfängerinnen als Spenderinnen, „wir brauchen viel mehr Spenderinnen“. Schuld an der unbefriedigenden Situation sei ein Pferdefuß im Gesetz. „Wir dürfen keine Werbung machen und es ist ein Vermittlungsverbot ausgesprochen. Und die Spenderin muss altruistisch spenden. Sie darf uns nur die Rechnungen geben, die direkt mit der Spende einhergehen wie Hotelrechnungen oder Fahrtkosten. Ein Geschäft ist es nicht.“

Ob es überhaupt je ein Geschäft sein wird, bezweifeln Experten wie Prof. Dr. Andreas Obruca (siehe Zusatzbericht). Die einzige potenzielle Spenderin habe er aus Altersgründen abweisen müssen.

Martin Burger, Ärzte Woche 25/2015

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