zur Navigation zum Inhalt
© Michael Taylor/shutterstock.com
Helicobacter pylori: anerkannter Krebserreger
 
Gastroenterologie 1. Juli 2013

Mutation schützt vor Magenkeim

Angeborene Immunität gegen Helicobacter pylori.

1982 entdeckten Barry Marshall und Robin Warren in Australien ein spiralförmiges Bakterium, den Helicobacter pylori, und damit die mit Abstand häufigste Ursache für Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre.

„Neben Magengeschwüren ist Helicobacter pylori auch für die Entstehung von Magenkrebs verantwortlich und das einzige von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte Bakterium, das gesichert eine Krebserkrankung auslösen kann“, erläutert die Greifswalder Wissenschaftlerin und Autorin der Arbeit, Prof. Dr. Julia Mayerle.

In der westlichen Welt sind zwischen 30 und 60 Prozent der Bevölkerung in der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori infiziert, ohne dass unbedingt ein Magengeschwür daraus entstehen muss. In Entwicklungsländern steigt die Infektionsrate der Bevölkerung auf bis zu 90 Prozent. Trotzdem wird der Magen mancher Menschen nie in ihrem Leben mit Helicobacter pylori besiedelt, obwohl sie in Ländern mit einer sehr hohen Infektionsrate und damit hohen Übertragungsrate leben. Gründe hierfür waren bislang völlig unbekannt.

SHIP-Studie brachte den Durchbruch

In einer Analyse an insgesamt 10.938 Probanden aus zwei bevölkerungsbasierten Studien, unter anderem aus der Gesundheitsstudie SHIP (Study of Health in Pomerania), konnte das menschliche Gen identifiziert werden, das dafür entscheidend ist, ob Helicobacter pylori im Magen an die Schleimhaut binden kann und so ein Mensch infiziert wird: Probanden, die nicht infiziert sind, tragen häufiger eine genetische Veränderung im TLR1-Gen (Toll like Receptor 1), das eine wesentliche Rolle für die angeborene Immunität spielt. Die Allelfrequenz lag bei 22 bis 26 Prozent.

Mayerle: „In einer Analyse aus dem Vollblut der teilnehmenden Probanden konnte die Arbeitsgruppe erstmals eine direkte Abhängigkeit von Genveränderungen im TLR1 zum quantitativen Nachweis vom Magenkeim Helicobacter pylori im Stuhl der Probanden zeigen. Weitere experimentelle Untersuchungen müssen jetzt belegen, ob TLR1 der direkte Bindungspartner für Helicobacter pylori im Magen ist oder ob noch weitere Faktoren Einfluss haben. Der wissenschaftliche Nachweis der Wechselwirkung erklärt auch, warum Prof. Barry Marshall, der Entdecker von Helicobacter pylori, nach einem Selbstversuch zum Beweis der klinischen Bedeutung des Bakteriums nie selbst Antikörper gegen das Bakterium entwickelt hat.“

Die Ergebnisse sind insbesondere für die Entwicklung zukünftiger Impfstrategien gegen Helicobacter pylori von großer Bedeutung. Weltweit arbeiten Wissenschaftler unter Hochdruck an wirksamen Strategien gegen die weit verbreitete Infektion und ihre Folgen.

Originalpublikation: Mayerle J et al.: Identification of genetic loci associated with Helicobacter pylori serologic status; JAMA 2013; 309 (18): 1912–20

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben