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Für den Vitamin D-Mangel fand sich eine Assoziation von nur drei Genen.
 
Innere Medizin 6. Juni 2012

GWAS: Die Osteoporose in den Genen

Das eine Osteoporose-Gen sucht man vergeblich, doch Assoziationen gibt es hinreichend.

Eine recht neue, aber zunehmend beliebte Methode, genetische Aspekte einer Krankheit zu untersuchen, sind Genome Wide Association Studies, kurz GWAS. DNA-Proben von Patienten mit einer bestimmten Krankheit werden dabei mit denen von Gesunden verglichen und Differenzen im Genom gesucht.

 

Prof. Dr. Barbara Obermayer-Pietsch, Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Graz, arbeitete selbst mit dieser Methode zum Thema Osteoporose und Vitamin-D-Mangel und präsentierte Ergebnisse dieser Arbeit beim Osteoporoseforum in St. Wolfgang.

Der größte Vorteil der GWAS ist das völlig vorurteilsfreie Herangehen. Statt eine Hypothese zu bilden und Beweise für ihre Richtigkeit zu suchen, werden einfach genetische Assoziationen erkannt. So können unter günstigen Umständen sowohl potentielle Biomarker entdeckt als auch die Pathophysiologie einer Erkrankung besser verstanden werden. Freilich sind es eben Assoziationen, keine Kausalitäten und methodische Genauigkeit ist gefragt.

178 Autoren

Hinsichtlich Osteoporose fand das GEFOS/GENOMOS-Consortium, eine große internationale Forschungskooperation, die sich speziell mit GWAS zu Osteoporose beschäftigt, 56 Genorte. 32 davon waren noch nie zuvor mit Osteoporose in Zusammenhang gebracht worden. Wie groß der Aufwand dafür war, lässt sich aus der Autorenliste der zugehörigen Publikation in Nature Genetics1 ablesen, die 178 Namen umfasst (darunter auch Obermayer-Pietsch). Allerdings ist die Effektgröße der meisten genetischen Assoziationen gering. „Das eine Osteoporose-Gen, das vor etwa 15 Jahren gesucht wurde, gibt es wohl nicht,“ erklärte die Grazerin.

Bei einer Addition der gefundenen Marker ergibt sich eine signifikante Korrelation mit der Knochendichte bzw. dem Osteoporoserisiko. Die Konsequenz für den einzelnen Patienten ist allerdings limitiert, aber „wir wollen daraus neue Ideen generieren – sowohl für die Diagnostik als auch für die Therapie“, so Obermayer-Pietsch. „Man müsste ein genetisches Profil machen, aber dazu sind die Akten noch nicht geschlossen.“ Klar wurde, dass die Hauptkomponenten der Pathogenese das RANK/RANKL/Osteoprotegerin-System, die Osteoblasten-Differenzierung und der Wnt-Signalweg sind.

Eine etwas einfachere genetische Assoziation, nämlich von nur drei Genen, fand sich für den Vitamin D-Mangel2,3. Mit ihnen war auch das Frakturrisiko assoziiert.4

 

1Estraka K, Styrkarsdottir U, Evengelou E et al., 2012; Nature Genetics ; 44:491–501

2Wang TJ, Zhang F, Richards JB et al., 2010; Lancet 376:180-188

3Ahn J, Yu K, Stolzenberg-Solomon R et al., 2010; Hum Mol Genet. 19:2739-2745.

4Trummer O, Schwetz V, Walter-Finell D et al., 2012; J Clin Endocrin Metab, Epub ahead of print, doi:10.1210/jc.2011-3088

 

Quelle: 20. Osteoporoseforum,

10. bis 12. Mai 2012, St. Wolfgang

Von L. Rohrmoser , Ärzte Woche 23 /2012

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