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Familiennamenbasierte Analyse von Suiziden in Österreich: Regionale Unterschiede in der Suizidrate k

HINTERGRUND: Übereinstimmende Befunde aus Familien-, Adoptions-, Migranten- und Zwillingsstudien, geografischen und molekulargenetischen sowie jüngst auch familiennamenbasierten Studien legen eine Beteiligung genetischer Risikofaktoren für Suizid nahe. Familiennamen informieren über genetische Nähe versus Distanz und sind (in patrilinearen Namenssystemen) ein brauchbarer Ersatz für Marker und Haplotypen des Y-Chromosoms, da der Familienname wie der nicht-rekombinierende Teil des Y-Chromosoms vererbt wird. In der vorliegenden familiennamenbasierten Studie wurde die Korrespondenz regionaler Unterschiede in der Suizidrate zur genetischen Struktur der Bevölkerung Österreichs untersucht. METHODEN: Unterschiede in den bezirksweisen standardisierten Suizidraten (1988–94) zwischen den fünf großen Familiennamenregionen Österreichs wurden analysiert. Diese Namensregionen spiegeln die gegenwärtige genetische Bevölkerungsstruktur wider, folgen den natürlichen (topografischen) Grenzen innerhalb Österreichs, jedoch in geringerem Ausmaß der administrativen Unterteilung des Landes in neun Bundesländer. ERGEBNISSE: Den suizidratenbezogenen Unterschieden zwischen den Familiennamenregionen war ein statistisch signifikanter (P < 0.001) und bedeutsamer (38%) Anteil der Varianz in den bezirksweisen Suizidraten zuzuschreiben. Eine weitergehende Analyse, unter Verwendung von statistisch adjustierten Suizidraten (für fünf sozioökonomische Indikatoren, welche als wichtige regionale Einflussfaktoren für Suizidraten gelten: Einkommen, Scheidungs- und Arbeitslosenrate, Anteil der Älteren und der Römisch-Katholischen an der Bevölkerung), erbrachte gleichlautende Ergebnisse. SCHLUSSFOLGERUNG: Regionale Unterschiede in der Suizidrate korrespondieren mit der genetischen Struktur der Bevölkerung in Österreich. Dieser Befund stützt ähnliche Ergebnisse aus geografischen und familiennamenbasierten Studien zur Suizidepidemiologie weiter ab und legt eine Beteiligung genetischer Risikofaktoren für Suizid nahe. Zu geografischen (regionalen) Unterschieden im Suizidaufkommen tragen vermutlich auch genetische Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen bei. Studienmängel sowie Wege für künftige Forschung in diesem Bereich werden diskutiert.

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