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Sportmedizin 18. September 2013

Plötzlicher Herztod ist Männersache

Immer wieder sterben Menschen beim Sport am plötzlichen Herztod. Besonders gefährdet sind männliche Radfahrer.

Nach Ergebnissen einer französischen Studie sind Frauen während sportlicher Belastung offenbar weitaus besser vor einer tödlichen Herzattacke geschützt als Männer.

Für Mediziner kommt Sport als Auslöser für den plötzlichen Herztod dann in Betracht, wenn der Tod während oder bis zu einer Stunde nach körperlicher Belastung eingetreten ist.

Für ihre Studie hat das Forscherteam um Dr. Eloi Marijon aus Paris zwischen 2005 und 2010 Daten zur Inzidenz des plötzlichen Herztodes beim Sport in Frankreich gesammelt. Die nötigen Informationen stammten von lokalen medizinischen Notfalldiensten in 60 der insgesamt 96 Verwaltungsbezirke des Landes.

Der Blick war dabei auf sportlich aktive Personen im Alter zwischen 15 und 76 Jahren gerichtet. Da es als unwahrscheinlich gilt, dass leichte körperliche Belastung ein Trigger für den Herztod ist, wurden nur Todesfälle im Zusammenhang mit moderater oder hoher sportlicher Belastungsintensität bei der Analyse berücksichtigt.

Im fünfjährigen Studienzeitraum erfassten die Forscher insgesamt 775 beim Sport plötzlich eingetretene Todesfälle. Unter den unerwartet Verstorbenen waren 42 Frauen (5%). Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt des Todes betrug bei Männern 46 Jahre und bei Frauen 44 Jahre.

Bei ihrer Analyse berücksichtigten die Untersucher auch die Gesamtzahl der landesweit im Sport sowie in einzelnen Sportarten aktiven Teilnehmer. Die entsprechenden Daten lieferte eine nationale Erhebung zu Sporttätigkeiten in Frankreich aus dem Jahr 2000.

Risiko für sportlichen Herztod bei Männern um Faktor 20 höher

Die darauf gestützte Berechnung ergab, dass die jährliche Inzidenz des plötzlichen Herztodes bei Sportlerinnen bei 0,51 pro eine Million Sportteilnehmerinnen lag. Bei männlichen Sportlern war sie mit 10,1 pro eine Million Sportteilnehmer pro Jahr signifikant um den Faktor 20 höher. Bei Männern war zudem eine mit dem Alter korrelierende Zunahme des sportbedingten Herztod-Risikos zu beobachten – was bei Sport treibenden Frauen nicht der Fall war.

Je nach Sportart – analysiert wurden Radfahren, Joggen und Schwimmen – ergaben sich bei Männern signifikante Unterschiede in der Inzidenzrate. Relativ am höchsten war die jährliche Herztod-Inzidenz beim Radfahren, am niedrigsten beim Schwimmen. Von der Sportart abhängige Schwankungen der Inzidenz waren bei Sportlerinnen wiederum nicht festzustellen.

Keine eindeutige Erklärung

Wie sind diese Unterschiede zu erklären? Stachelt womöglich ein testosterongesteuerter Ehrgeiz Männer stärker als Frauen zu sportlichen Leistungen an, die das Leistungsvermögen ihres Herz-Kreislauf-Systems überfordern? Möglich, aber nicht bewiesen.

Mit einer eindeutigen Erklärung können auch die Studienautoren nicht dienen. Zumindest eine Erklärung lässt sich aber nach ihrer Ansicht mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen: dass die Unterschiede beim Herztodrisiko deshalb zustande kommen, weil der Anteil von Männern und Frauen unter den Sporttreibenden in einzelnen Sportarten unterschiedlich ist. Dagegen spricht, dass der Vergleich jeweils auf Basis eines gemeinsamen Nenners (pro eine Million Sportteilnehmer pro Jahr) erfolgte.

 

Originalpublikation: Marijon E et al.: Incidence of Sports-Related Sudden Death in France by Specific Sports and Sex; JAMA 2013; 310 (6): 642-643

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