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© Diane Diederich/iStockphoto
Wenn Sojapillen versagen, der Ventilator hilft auf jeden Fall.
 

Sojapillen gegen Hitzewallungen

Auch Frauen mit metabolischem Vorteil profitieren nicht von der Einnahme isolierter Isoflavone.

Für Frauen, die auf Sojaisoflavone gegen Hitzewallungen und andere Klimakteriumbeschwerden setzen, bringt diese Studie eine weitere Enttäuschung: Wie US-Forscher berichten, wirken Isoflavonpräparate auch bei sogenannten Equolproduzentinnen nicht besser als Placebo.

In der langfristig angelegten randomisierten Doppelblindstudie fand sich keinerlei Nutzen von Isoflavonen im Hinblick auf die Lebensqualität. Das galt sowohl für eine Dosierung von 80 mg pro Tag als auch für 120 mg täglich. Zur Beurteilung hatten die Wissenschaftler um Dr. Paula Amato von der Universität Portland im US-Bundesstaat Oregon einen speziell für postmenopausale Frauen entwickelten Score herangezogen, den MENQOL (Menopause-Specific Quality of Life Questionnaire). Dieser misst vier Bereiche: vasomotorische, psychosoziale und körperliche Symptome sowie Beschwerden beim Sex.

Ergebnisse nach zwei Jahren

Die insgesamt 406 Teilnehmerinnen waren zwischen 40 und 60 Jahre alt und hatten seit mindestens einem Jahr keine Blutung mehr. Sie wurden jeweils einer von drei Gruppen zugelost: der Isoflavongruppe mit der 120-mg-Dosierung, derjenigen mit der 80-mg-Dosierung oder der Placebogruppe. Nach zwei Jahren hatten sich in keinem der MENQOL-Bereiche signifikante Veränderungen gegenüber dem Ausgangswert ergeben, weder in den beiden Verumgruppen noch unter Placebo. Die Hitzewallungen und Schweißausbrüche hatten sich in allen drei Gruppen tendenziell verbessert, die Veränderung war jedoch nicht signifikant. Bei einer Subgruppe von Frauen mit besonders starken vasomotorischen Symptomen führte die 80-mg-Dosis zu einer signifikanten Verbesserung, allerdings war das Placebopräparat hier ebenso wirksam.

Die Vermutung, dass Sojapräparate gegen Klimakteriumbeschwerden helfen könnten, gründet sich auf der Tatsache, dass asiatische Frauen etwa fünf- bis siebenmal seltener als etwa Nordamerikanerinnen unter Hitzewallungen leiden. Man hat dies unter anderem auf die unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten zurückgeführt: So enthält die asiatische Kost für gewöhnlich deutlich mehr Soja. Sojabohnen sind reich an Isoflavonen, die in ihrer chemischen Struktur den Östrogenen ähnlich sind.

Auch kein Vorteil für Equolproduzentinnen

Verschiedene Autoren haben spekuliert, dass die Wirksamkeit der Sojaprodukte im Einzelfall von der Fähigkeit abhängt, das Isoflavon Daidzein in Equol umzuwandeln. Equol gilt als das Isoflavon mit der stärksten Wirkung. Diese Überlegung hatte Amato und Kollegen veranlasst, die Equolproduzentinnen unter den Studienteilnehmerinnen herauszufiltern. Dabei verfügte fast genau ein Drittel der Teilnehmerinnen über diese metabolische Fähigkeit. Die Einnahme von Isoflavonpillen hatte aber auch bei diesen Frauen kaum Einfluss auf die Lebensqualität.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt seit Jahren, dass isolierte Isoflavone wegen ihrer hormonähnlichen Wirkung die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen und das Brustdrüsengewebe verändern können. In der Studie von Amato et al. war bei einer Frau 14 Monate nach Einnahmebeginn Brustkrebs diagnostiziert worden, eine andere hatte nach 21 Monaten ein Endometriumkarzinom entwickelt.

 

basierend auf: Amato P et al. Effect of soy isoflavone supplementation on menopausal quality of life. Menopause 2013; 20(4): 443-447; doi: 10.1097/gme.0b013e318275025e

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 17/2013

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